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Wismar Über Umwege zum Traumberuf
Mecklenburg Wismar Über Umwege zum Traumberuf
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06:00 13.12.2017
Vivien Diedrich (30) aus Grevesmühlen wird im „Gänseblümchen“ in Wismar zur Floristin umgeschult. Unterstützung gibt es dafür von der Agentur für Arbeit. Quelle: Sylvia Kartheuser
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Wismar

Vivien Diedrich greift zur Heißklebepistole, versieht einen geflochtenen Stern mit einem Klecks und drückt ihn vorsichtig auf das adventliche Gesteck. Die 30-Jährige aus Grevesmühlen wird im „Gänseblümchen“ in Wismar zur Floristin umgeschult. „Sie passt wunderbar in unser Team“, sagt Geschäftsinhaberin Bärbel Hottendorff. Das besteht neben der Chefin aus drei Voll- und einer Teilzeit-Mitarbeiterin. „Und jetzt gehört auch ein Lehrling dazu, ein sehr engagierter Lehrling.“

Vivien Diedrich aus Grevesmühlen schult in Wismar mit Unterstützung der Agentur für Arbeit zur Floristin um. Zwei Jahre dauert die verkürzte Ausbildung im „Gänseblümchen“ bei Bärbel Hottendorff.

Hoffnung fast aufgegeben

Dass sich ihr Traum, Floristin zu werden, einmal erfüllen würde, daran hatte Vivien Diedrich schon nicht mehr zu hoffen gewagt. „Naja, ich musste nach der Schule etwas machen, und ich fand nur einen Ausbildungsplatz als Fleischerei-Fachverkäuferin“, erzählt sie. Geliebt hat sie das nie, es war eine Notlösung. „Gleich nach der Lehre bin ich gegangen.“ Aber als alleinerziehende Mutter musste sie sich um ihre Tochter kümmern. Mit verschiedenen Jobs hielt Vivien Diedrich die kleine Familie über Wasser, sie arbeitete unter anderem in einer Großwäscherei.

Schwere Form der Migräne

Der Stress förderte nicht gerade die Gesundheit der 30-Jährigen, die seit ihrer Kindheit an Migräne leidet. „Seit der Schwangerschaft ist es so schlimm geworden, dass ich bei Anfällen nicht mehr Auto fahren kann. Ich bekomme massive Sehstörungen und die Ausfälle reichen bis zu Lähmungserscheinungen“, beschreibt sie ihr Handicap. Wer würde sie trotz häufiger Ausfälle einstellen? Letztlich führte Vivien Diedrichs Weg zur Agentur für Arbeit und zu einer Rehabilitationsberatung. Was sie beruflich machen wollte, wusste sie nicht so recht. Nur ein Punkt war ihr wichtig: es musste etwas Kreatives sein. „Wir haben dann gemeinsam das Internet durchstöbert“, erzählt Christian Saar, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Schwerin. Letztlich bildete sich ein Beruf heraus: Floristin.

Übers Praktikum zur Lehrstelle

„Ich bin dann einfach bei Frau Hottendorff reingestiefelt und habe gefragt, ob sie mich nehmen würde“, erklärt die Grevesmühlenerin. Sie bekam wenigstens einen Praktikumsplatz – und im Februar die Lehrstelle für eine verkürzte Ausbildung. „Das erste Lehrjahr ist nur ein halbes Jahr, das zweite dann ein komplettes Jahr und das Pensum des dritten Lehrjahrs muss wieder in sechs Monaten geschafft werden“, beschreibt Petra Groth, Leiterin der Arbeitsagentur in Wismar, den Ablauf. Die Agentur für Arbeit fördert die Ausbildung.

Erste Plätze im Landeswettbewerb

Vivien Diedrich hat die Erwartungen ihrer Förderer mehr als erfüllt. Im Oktober hat sie in Rostock am Landeswettbewerb der Floristen im zweiten Lehrjahr teilgenommen. Erste Aufgabe: in 40 Minuten den eigenen Lieblingsstrauß binden, zweite Aufgabe: einen Adventskranz mit einem Durchmesser von mindestens 50 Zentimeter bauen. Vivien Diedrich holte sich bei beiden Aufgaben den ersten Platz.

Einen zweiten Blick wagen

„Ihr Erfolg, und ich meine nicht nur den im Wettbewerb, ist für uns ein super Zeichen dafür, dass es sich lohnt, gerade bei Menschen mit Handicap noch einen zweiten Blick zu wagen“, sagt Petra Groth. Bärbel Hottendorff helfe mit der Ausbildung nicht nur Vivien Diedrich, sagt Christian Saar. „Mit diesem Schritt kämpft Frau Hottendorff auch aktiv gegen den Fachkräftemangel.“Und was sagt Vivien Diedrich über die vergangenen zehn Monate? „Ich habe das große Los gezogen und kann es mir nicht besser vorstellen.“ Erfreulicher Nebeneffekt: die Anzahl ihrer Migräneanfälle sei seit Beginn der Lehre in Wismar zurückgegangen.

Sylvia Kartheuser

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