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Wismar Überlebt: „Ich bin ein Happy End!“
Mecklenburg Wismar Überlebt: „Ich bin ein Happy End!“
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00:00 18.04.2013
Batsheva Dagan (2. v. l.) mit Sylvia Bretschneider, Sabine Matthiesen und Heiko Kreft im Gespr�ch mit Film-Zuschauern. Fotos (2): Ina Schwarz Quelle: Ina Schwarz
Wismar

Ein Filmabend mit der Holocaust-Überlebenden Batsheva Dagan fand gestern im Wismarer Filmbüro statt. „Ich lebe! Ich bin ein Happy End!“, sagte die 87-jährige Zeitzeugin gestern zu über 160 Zuhörern. Da die Stühle im Kinosaal nicht mehr ausreichten, nahmen viele junge Leute auf Decken auf dem Fußboden Platz. Dort lauschten auch die 13-jährigen Zwillinge Sophia und Luisa Bergholz der 42-minütigen Filmdoku von Regisseur Heiko Kreft und dem anschließenden Gespräch mit Batsheva Dagan, die heute in Israel lebt.

„Ich fand es so berührend, stark und mutig, wie diese Frau einen neuen Sinn in ihrem Leben gefunden hat“, sagte Sophie anschließend. „Ich könnte all das Schreckliche nicht so leicht verzeihen“, bewunderte ihre Schwester Luisa die Herzkraft jener Frau, deren Lebensreise auch durch die Hölle führte. Sie hat Gestapo, Ghetto und drei Konzentrationslager überlebt. Doch nicht Rache und Hass sind heute ihre Botschaft, sondern waches Bewusstsein, Solidarität, Wille und Lebensfreude. „Deshalb bin ich hier“, betonte sie, „um euch zu sagen, dass die Zukunft in euren Händen liegt!“

Ihre eigenen Hände und ihr Herz tragen viele Narben. Die Häftlingsnummer an ihrem Unterarm ist verblasst: 4554. „Ein Palindrom - eine Glücksnummer“, sagt Batsheva Dagan. Manchmal wenn sie erzählt und sich erinnert, laufen die Tränen. Auch die der Freude. „Denn ich habe überlebt.“ Die Stimme, die Tränen und Zeugnisse einer außergewöhnlichen Frau, die durch Offenheit, Natürlichkeit, Herzenswärme und Fröhlichkeit berührt und motiviert, über eigene Werte und Verhaltensweisen nachzudenken. „Denken ist wichtig“, betonte sie gestern immer wieder. „ . . . analysieren und Schlussfolgerungen ziehen . . .“ Sie selbst spricht sieben Sprachen fließend, ist Psychologin und Kinderbuchautorin. Geboren 1925 als Isabella Rubinstein in Lodz als achtes Kind einer jüdischen Familie, flieht sie als 17-Jährige mit falschen Papieren aus dem Ghetto in Radom, ausgerechnet zur Zwangsarbeit nach Schwerin. Sie wird denunziert. Es beginnt eine Odyssee durch acht deutsche Gefängnisse, die schließlich im Vernichtungslager Auschwitz endet. Batsheva Dagan — diesen hebräischen Namen gibt sie sich später — überlebt und macht es sich zur Lebensaufgabe, vor allem junge Leute zum Thema Holocaust zu sensibilisieren. Sie reist um die ganze Welt. Seit 2002 wirkt Batsheva Dagan als Zeitzeugin an Jugendprojekten des Landtages Mecklenburg-Vorpommern mit. Der unterstützte auch die Filmarbeit von Heiko Kreft, der gestern im Filmbüro anwesend war, wo die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider die Gäste mit einem symbolischen „Shalom!“ begrüßte.

„Du hast eine Wahl!“, so eine der vielen Lebenserfahrungen von Batsheva Dagan, die inmitten tiefster Finsternis immer wieder auch Gesten der Solidarität und Nächstenliebe lebte und empfing. Ihre Erfahrungen hat sie in Büchern und Gedichten niedergeschrieben. „Ihr werdet Zeugen der Zeugen sein!“, sagt sie. „Ihr werdet vermitteln, was ihr gehört habt. Das ist meine große Hoffnung — und deshalb komme ich immer wieder nach Deutschland, auch wenn es nicht leicht ist.“

Ina Schwarz

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