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Wismar Und plötzlich sind die Fenster zu

Der Streit um die Bebauung in der Mecklenburger Straße endet vor Gericht

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Wand an Wand: Der Neubau entsteht unmittelbar am Altbau Mecklenburger Straße 11 mit der Jahreszahl 1858 am Giebel.

Wismar. „Darf der Neubau an den Altbau?“ hatte die OZ vor einem Jahr getitelt und über den Streit zwischen den Eigentümern in der Mecklenburger Straße berichtet.

OZ-Bild

Der Streit um die Bebauung in der Mecklenburger Straße endet vor Gericht

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Theater

Das frühere Theater in der Mecklenburger Straße war am 2. Oktober 1842 feierlich eröffnet worden. Zwischen dem 1858 gebauten Nachbarhaus gab es immer eine Durchfahrt. Am 9. Januar 1948 stand das Theater in Flammen. Jahrzehntelang wurde die Fläche als Parkplatz genutzt.

Jetzt hat das Verwaltungsgericht Schwerin entschieden. Ja, das neue Wohn- und Geschäftshaus auf dem früheren Theaterplatz darf an den Altbau der Mecklenburger Straße 11 herangebaut werden.

Ingo Prestin, Eigentümer der Mecklenburger Straße 11, ist sauer. Auf die Stadt, weil sie die Baugenehmigung erteilt hatte; auf den Unesco-Sachverständigenbeirat, weil dieser „so eine monströse Bebauung empfohlen hat“, und auf die Bauunion Wismar als Bauherr und Eigentümer.

„Das Haus aus dem Jahr 1858 ist ein Einzeldenkmal. Wo ist der Bestandsschutz? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.“ Prestin kritisiert, dass die Bauunion schon vor dem Urteil das erste Fenster zugemauert hat. „Da wurden doch schon Fakten geschaffen. Das ist unmöglich. Ich werde mir das nicht gefallen lassen.“

Klage gegen die Stadt

Seiner Anwältin erscheint es zwar zweifelhaft, dass der Bestandsschutz vom Gericht verneint wird. Dennoch dürften die Erfolgsaussichten der Beschwerdemöglichkeit eher gering sein.

Vor dem Verwaltungsgericht hatte Prestin gegen die Stadt geklagt. Beigeladen war die Bauunion. Der Nachbarschutz, so das Gericht, sei hinsichtlich der Abstandsflächen nicht verletzt. Es verweist auf die „fast ausschließlich geschlossene Bauweise“ in der näheren Umgebung zwischen Marktplatz und Dr.-Leber-Straße. „Daher darf innerhalb dieses Bereiches an die Grenze gebaut werden.“

Zu den Fenstern in der Giebelwand, die zum Treppenhaus der Nummer 11 führen, sagt das Gericht: „Es ist nicht ersichtlich, dass diese Fenster in ihrem Bestand geschützt sind.“ Darauf habe die Stadt bei der am 6. Juni 2016 erteilten Baugenehmigung für die Nutzungsänderung der Mecklenburger Straße 11 hingewiesen. Zitat: „Es muss damit gerechnet werden, dass die Fenster durch Bebauung auf den Nachbargrundstücken geschlossen werden.“

Beirat und Stadt ebnen Weg

Für Ingo Prestin, der 2015 das Grundstück, das früher zur Sparkasse gehörte, erworben hatte, sind die Argumente nicht nachvollziehbar. Er sieht das Vorder- und Hinterhaus mit insgesamt zehn Mietwohnungen im Wert gemindert. Als Beispiele nennt er Risse in mehreren Wänden. Völlig unverständlich ist ihm, dass der frühere Weg neben dem Haus zugebaut werden durfte und die Giebelseite aus Denkmalsicht plötzlich völlig wertlos ist. Prestin: „Erst wollten die Denkmalpfleger, dass die alten Fenster erhalten bleiben, jetzt können sie sogar zugebaut werden. Das soll einer verstehen.“

Fakt ist: Das Vorhaben wurde lang und breit im Unesco-Sachverständigenbeirat diskutiert. Mit dem ersten Entwurf war die Bauunion zweimal durchgefallen. Dieser sah einen Einzelbau auf dem Theaterplatz – mit dem Abstand für eine Zufahrt – zur Mecklenburger Straße 11 vor. Der Entwurf fiel beim Expertengremium durch. Von einem Ufo als Fremdkörper war die Rede.

Wand an Wand

Die Bauunion wechselte den Architekten. Geschäftsführer Jörg Hinrichs: „Wir haben das, was uns auf den Weg gegeben wurde, nämlich eine geschlossene Bebauung, planerisch umgesetzt.“

Dieser Weg sei von der Abteilung Planung und Denkmalschutz der Stadt und dem Unesco-Beirat eröffnet worden.

Den vor einem Jahr angekündigten Lichtschacht für die Giebelfenster zwischen den Häusern wird es nicht geben. Hinrichs: „Wir haben nach Landesbauordnung eine Brandwand zu errichten.“ Diese müsse unmittelbar am Nachbargebäude entstehen.

Auch der Nachbar müsse seine Fenster zumauern, weil jedes Haus für sich eine Brandwand haben müsse bei einer geschlossenen Bebauung, so Hinrichs. Daher mache ein Lichtschacht keinen Sinn.

Genugtuung ob des Sieges vor Gericht verspüre er nicht, sagt der Bauunion-Geschäftsführer. „Ich hätte mir die Entscheidung früher gewünscht, und mir auch gewünscht, dass wir uns mit dem Nachbarn vorher einvernehmlich verständigt hätten.

Ich habe aber auch Verständnis dafür, dass er versucht, seine Interessen bis zum Schluss durchzusetzen. Er hat ja nicht uns verklagt, sondern die Hansestadt, weil die die Genehmigung erteilt hat“, so Jörg Hinrichs.

Noch kein Wohnungsverkauf

Vorgesehen sind im Neubau 25 Eigentumswohnungen, 39 Parkplätze in der Tiefgarage, sechs weitere auf dem Grundstück und ein Bistro („Suppengrün“) an der Ecke Mecklenburger Straße/Kleinschmiedestraße.

Investiert werden rund 7,5 Millionen Euro. Mit der Fertigstellung rechnet die Bauunion im September/Oktober dieses Jahres. Verkauft sei noch keine Wohnung, weil man erst das Urteil abwarten wollte.

Gespräche mit einer Reihe von Interessenten seien aber geführt worden. Auf dem Grundstück gab es umfangreiche archäologische Untersuchungen.

Heiko Hoffmann

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