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Wismar Unfallfahrer mit 2,8 Promille und Gedächtnislücken
Mecklenburg Wismar Unfallfahrer mit 2,8 Promille und Gedächtnislücken
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00:00 12.04.2013
Gägelow

Viel ist es nicht, was Heinz K. (Name geändert) vor Gericht beitragen kann, um den Fall aufzuklären. Denn erinnern, so sagt der arbeitslose Tischler, könne er sich an nichts. Tatsache ist, dass der 48-Jährige, der in einem Dorf zwischen Grevesmühlen und Wismar lebt, am 19. Oktober vergangenen Jahres in Gägelow einen Unfall verursacht hat. Mit seinem Kleinwagen hat er gegen 14.50 Uhr einen parkenden Volvo gerammt. Knapp 4000 Euro betrug der Schaden an dem fremden Wagen. Das Auto von Heinz K. sah nicht viel besser aus.

Als die Polizei zwei Stunden nach dem Unfall bei ihm klingelte, machte K. einen gefassten Eindruck. Von einem Unfall, so heißt es im Bericht der Beamten, wisse der Besitzer des Unfallwagens nichts.

Aber der Motor war noch warm, K. allein zu Hause. 2,8 Promille Blutalkohol stellte die Rechtsmedizin kurze Zeit später bei ihm fest, die üblichen Tests auf der Wache ergaben ein erstaunliches Ergebnis: Er sei lediglich leicht bis mittelgradig betrunken, notierte der Arzt im Protokoll. Ein Alkoholproblem, so sagt Heinz K. vor Gericht, habe er nicht. Jedenfalls nicht mehr. Es dauert eine Weile bis er dem Gericht offenbart, dass er bereits eine stationäre Entziehung hinter sich hat. An den Unfall vom 19. Oktober kann er sich nach eigener Aussage nicht mehr erinnern. „Ich weiß, dass ich morgens mit der Familie gefrühstückt habe und dass abends die Polizei bei mir war. Alles andere fehlt mir.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Amtsrichter Hinrich Dimpker nach Trunkenheitsfahrten und Unfallfluchten solche Aussagen zu hören bekommt. Und doch ist dieser Fall anders. Denn Heinz K., der seit Jahren nicht mehr arbeiten kann, hat erhebliche gesundheitliche Probleme. Ein halbes Dutzend Tabletten schluckt der gelernte Handwerker jeden Morgen. Welche Auswirkungen haben die Medikamente auf das Gehirn? Lässt sich die Amnesie dadurch erklären? Die Rechtsmedizin tut sich schwer mit eindeutigen Diagnosen in solchen Fällen. Denn jeder Mensch reagiere anders auf die Wirkstoffe, Alkohol verstärke die Wirkung, heißt es dazu. Bei manchen jedenfalls, bei anderen nicht.

Heinz K. zuckt mit den Schultern, wenn er Fragen nach dem Unfalltag beantworten soll. Dabei geht es für den 48-Jährigen um ziemlich viel. Nämlich um die Frage, ob er jemals wieder Auto fahren darf.

Seit Ende Oktober ist er den Führerschein los. Ob er ihn wiederbekommt, hängt vom Grevesmühlener Amtsgericht ab.

Und davon, was die Zeugen auf dem nächsten Termin aussagen werden. Denn die verminderte Schuldfähigkeit lässt sich nur mit Hilfe der Zeugen nachweisen.

Michael Prochnow

ÄRZTL.Fr., 18 Uhr, bis Sa.

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