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Wismar Unmengen Seegras am Poeler Strand
Mecklenburg Wismar Unmengen Seegras am Poeler Strand
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00:01 07.11.2017
Unmengen Seegras lagern zum Teil fast mannshoch am Strand zwischen Schwarzer Busch und Timmendorf. Diese drei Urlauberinnen aus Wolfenbüttel und Berlin stört es nicht. Als naturverbundene Menschen lieben sie die urige Poeler Ostseeküste, sagen sie. Quelle: Foto: Haike Werfel
Insel Poel

Seegras lagert in großer Menge am Strand zwischen Timmendorf und Schwarzer Busch. Als regelmäßiger Besucher beobachtet Marco Schultz seit Monaten, dass der Bauhof das Seegras hier zusammenträgt und lagert. Warum wird es nicht in die Siloanlage nach Kaltenhof transportiert, fragt der Leser. Soll es etwa liegenbleiben und dem Hochwasser überlassen werden, mit dem im Herbst immer wieder zu rechnen ist? Schon beim vergangenen hohen Wasserstand am letzten Wochenende im Oktober hat der besorgte Spaziergänger befürchtet, dass das Seegras wieder zurück ins Meer gespült wird.

„Dazu ist es nicht gekommen“, berichtet Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos). Das Wasser war nicht soweit vorgerückt. Es sei eher noch Seegras dazugekommen. Die Verwaltungschefin verweist auf drei Standorte auf der Insel, die als temporäre Lagerstätten für Seegras ausgewiesen sind: Neben der von Marco Schultz benannten Fläche gibt es auch eine Am Schwarzen Busch und eine dritte in Gollwitz – neben dem jeweiligen Badestrand und außerhalb des FFH-Schutzgebietes.

„Es sind Kurzzeitlager an Naturstränden außerhalb der drei bewirtschafteten Strände, das heißt an denen gibt es Strandkörbe, Rettungsschwimmer und Müllbehälter“, erklärt Kurdirektor Marcus Frick. Sie ermöglichen den Bauhof-Mitarbeitern kurze Wege, weil sie in der Badesaison ab Mai nur ein kleines Zeitfenster von fünf, sechs Uhr bis neun Uhr haben, um den Strand für die Badegäste von Seegras zu beräumen. Der Weg ins Zwischenlager in Kaltenhof wäre zu lang. Außerdem sei es eine Frage der Kapazitäten – personeller wie technischer. Für die Seegrasberäumung muss ein spezielles Fahrzeug eingesetzt werden, ein Unimog mit kleiner Ladefläche.

Der Kurdirektor erläutert, dass auf diese drei Kurzzeitlagerflächen immer wieder Seegras dazukommt und welches wegtransportiert wird in das Zwischenlager in Kaltenhof. Die Gemeinde hat dort 2015 ein Silo „seegrastauglich“ ausbauen lassen. Hier werde das Seegras gewaschen und gesiebt, das heißt vom Sand getrennt, der dann wieder zurück an die Strände darf. Die Siebanlage mietet die Gemeinde.

Frick bestätigt, dass dieses Silo Ende September voll gewesen sei, demzufolge das Seegras in den drei Kurzzeitlagern länger als gewöhnlich liegen geblieben ist. Nicht zuletzt hatten die Bauhof-Mitarbeiter nach den ersten Herbststürmen noch wichtigere Tätigkeiten zu erledigen wie zum Beispiel umgestürzte Bäume zu beräumen.

Problematisch sei auf jeden Fall die dezentrale Situation der drei Badestrände, räumt Marcus Frick ein. Timmendorf-Strand sei von Kaltenhof am weitesten entfernt, gut zwölf Kilometer sind Hin- und Rückfahrt lang.

„Es gibt noch keinen Königsweg, was die Seegrasentsorgung betrifft“, sagt der Kurdirektor. „Sie muss auch wirtschaftlich vertretbar sein.“ Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz wird das Seegras erst zu Abfall, wenn es „angefasst“ wurde. „Dann müssen wir es so behandeln, dass es auf der Deponie entsorgt werden kann.“ Beschwerden wegen der Lagerflächen habe es bislang keine gegeben, sagt Frick. „Wenn Leute sagen, es stinkt, dann ist es nicht das Seegras, sondern es sind die Algen, die nach dem Gärprozess unangenehm riechen.“

Einsatzmöglichkeiten

In der Ostsee wachsen nahe der Ufer oftmals regelrechte Seegraswiesen. Seegräser haben bis in die Spitzen luftgefüllte Kanäle, die ihnen im Wasser Auftrieb geben.

3000 Kubikmeter Seegras, schätzt Kurdirektor Marcus Frick, werden pro Saison an die Poeler Küste angespült – je nach Wind und Strömung.

Das schwer entflammbare Seegras wird als Dämmstoff beim Hausbau eingesetzt. Inhaltsstoffe wie Rosmarin- und Zostersäure oder Zosterin finden in der Kosmetik Verwendung. Sogar Kochrezepte gibt es.

Haike Werfel

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