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Zurow Unterricht bei Ziegen und Kühen

Elterninitiative setzt sich in Zurows Ortsteil Kahlenberg für eine etwas andere Grundschule ein

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Wir brau- chen nur die Stellungnahme der Gemeinde, dann können wir loslegen.“Henry Feddersen, Trägerverein Dorfschule

Zurow. Schulschließung? Nicht in Kahlenberg, einem Ortsteil von Zurow. Dort bereitet eine Elterninitiative das Gegenteil vor: Sie will eine Grundschule mit sechs Klassenstufen mit Elementen der Waldorfpädagogik eröffnen. Dazu muss die Scheune an der Dorfstraße umgebaut und umgewidmet werden. „Mit dem Bauamt des Landkreises haben wir gesprochen und eine Bauvoranfrage gestellt“, sagt Henry Feddersen von der gemeinnützigen Genossenschaft Dorfschule Wismarer Land, dem Träger der Schule. Die Signale aus Grevesmühlen seien positiv. „Eigentlich brauchen wir nur noch die Zustimmung der Gemeinde, dann können wir loslegen“, erklärt der Vater von vier Kindern.

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Elterninitiative setzt sich in Zurows Ortsteil Kahlenberg für eine etwas andere Grundschule ein

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Zurows Gemeindevertreter sind im Prinzip für die Grundschule, nicht zuletzt weil sie mit dem Bauernhofkindergarten gute Erfahrungen gemacht haben, hinter dem die gleichen engagierten Eltern stehen wie hinter der Schule. Aber so ganz ohne Papier einer Sache zuzustimmen, das geht ihnen doch ein bisschen weit. „Im Großen und Ganzen sind wir aber dafür“, versichert Bürgermeister Eckhardt Stelbrink (50, Die Linke) dem Vertreter der Genossenschaft.

Spätestens im August soll die Scheune umgebaut sein, damit der Schulbetrieb pünktlich im September beginnen kann. Geplant sind zunächst zwei Klassenräume für 20 bis 25 Schüler. Jeweils zwei Schuljahrgänge sollen in einer Klasse unterrichtet werden.

Wie schon beim Bauernhofkindergarten soll sich auch in der Grundschule ein Großteil des Unterrichts im Freien abspielen. Denkbar sei Kunstunterricht mit Farben, die aus selbst geerntetem Gemüse gemacht werden, Mathe könne durch die Berechnung von Milch- und Futtermengen geübt werden, Deutsch und Sachkunde über das Zuordnen von Tierspuren in Wald und Flur, heißt es auf der Internetseite der Dorfschule. Dabei würden die Kinder Kompetenzen erwerben, um später ihre Umwelt nachhaltig mitzugestalten. Einer der Lernorte wäre der Bio-Hof von Henry Feddersen und seiner Frau Clivia von Saalfeldt (43). Zwischen Milchkühen, Ziegen und Hühnern, Gärtnerei und Gewächshäusern, Acker- und Weideland lernen die Kinder, woher die täglich benötigten Lebensmittel stammen. „Aber zum Beispiel gibt es in Zurow auch eine Obstwiese, die sich für unser Konzept gut eignen würde“, sagt Henry Feddersen. Dort könnten sich die Kinder in den Pausen erholen und toben. „Denn wir werden keinen Schulhof haben“, erklärt das Genossenschaftsmitglied.

Unterrichtet würden die Kinder von Lehrkräften, die speziell in Waldorfpädagogik ausgebildeten seien. „Da wir Mitglied im Bund der Waldorfschulen und damit bundesweit vernetzt sind, wird es einfacher, die passenden Leute zu finden“, erklärt Henry Feddersen. Die Genossenschaftsmitglieder sind zuversichtlich, bis zum Beginn des Schuljahres die nötigen Lehrer zu finden.

An dem passgenauen Schulkonzept werde ständig gearbeitet, heißt es auf der Internetseite der Dorfschule Wismarer Land. Dazu stünden „renommierte Waldorfschulberater, Waldorflehrer, Sonderpädagogen und eine Naturpädagogin“ zur Verfügung, die seit Kurzem das Gründungsteam bereichere.

„Die Grundschule wird auf dem Bauernhofkindergarten aufbauen“, erklärt Henry Feddersen. Der wurde im Oktober 2009 eröffnet und war der erste dieser Art in der Region. Wie der Kindergarten, der in die Bedarfsplanung des Landkreises aufgenommen wurde, steht auch die Grundschule jedermann offen. „Ein afrikanisches Sprichwort sagt: ,Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen‘. Genau das wollen wir in Kahlenberg versuchen“, erklärt Henry Feddersen.

• www.dorfschule-wismar-land.de

Elemente der Waldorfschule

Waldorfschulen sind in Deutschland staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Der pädagogische Ansatz sind die Theorien des Publizisten und Esoterikers Rudolf Steiner.

Im Mittelpunkt steht eine gleichberechtigte Förderung der intellektuell-kognitiven („Denken“), der künstlerisch-kreativen („Fühlen“) und der handwerklich-praktischen („Wollen“) Fähigkeiten der Schüler. Daher ist das Angebot an handwerklich-künstlerischen Fächern gegenüber den klassischen Schulen vergleichsweise groß.

Im Hauptunterricht wird über mehrere Wochen nur ein Fach gelehrt, zum Beispiel Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Kunst, Geschichte, Biologie, Geographie, Physik oder Chemie.

Im Fachunterricht werden ab der 1. Klasse zwei Fremdsprachen unterrichtet. Ab Klasse 5 kommen handwerklich-künstlerischer Unterricht und oft eine dritte Fremdsprache hinzu. Wie die Stundenpläne konkret aussehen, entscheiden die Schulen selbst, daher weichen sie teilweise voneinander ab.

Von Sylvia Kartheuser

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