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Unterricht in Kita – Eltern auf der Zinne

KOMMENTAR Unterricht in Kita – Eltern auf der Zinne

Fritz-Reuter-Schule wird saniert / Mütter und Väter hadern mit dem Ausweichstandort

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250 Wismarer Schüler lernen bald in der Kita

Von Nicole Buchmann

Wismar. Die Fritz-Reuter-Grundschule soll von Herbst an zur Baustelle werden. Die 250 Mädchen und Jungen werden den Planungen der Stadt zufolge dann bis August 2019 in der ehemaligen Kita „Kombi 10“ an der Schiffbauerpromenade unterrichtet.

Schon jetzt ist der Unmut einiger Eltern groß – von unzumutbar langen Wegen ist die Rede, von geringeren Lernleistungen, die sie befürchten, von fehlendem Mitspracherecht. Heute Nachmittag haben sich Mütter und Väter zur Sitzung der Bürgerschaft angekündigt, wollen dort mit Verwaltung und Politik ins Gespräch kommen.

„Im Nachgang ist es so, dass wir umfangreicher hätten informieren sollen“, sagt Peter Fröhlich, bei der Stadt für die schulen zuständig. Zehn Seiten umfasst der Brief, der nun an die Eltern rausgeht – inklusive Busverbindungen, Informationen zur Kostenübernahme für die Schülerbeförderung und zu weiteren Schritten in der Vorbereitung der Sanierung der Fritz-Reuter-Schule.

Dass grundlegende Erneuerungen dort längst überfällig sind, zeigen Elektroleitungen, die teilweise noch vom Volkseigenen Betrieb „ESK Karl-Marx-Stadt“ installiert worden sind. Oder die sanitären Anlagen im Keller – die einzigen in der gesamten Schule. Oder die hohen Räume in dem denkmalgeschützten Gebäude, die Worte verschlucken im Unterricht.

Mit der Sanierung der Schule soll auf dem Gelände zusätzlich ein Neubau entstehen, der eine Turnhalle sowie den Hort beherbergt für die Mädchen und Jungen. Acht Millionen Euro sollte das gesamte Vorhaben ursprünglich kosten. Mittlerweile rechnet die Hansestadt mit gut dreieinhalb Millionen Euro mehr – der Neubau von Hort und Turnhalle muss wegen des Baugrundes auf Pfählen stehen.

Wenn die Bauarbeiten nach den Herbstferien beginnen, soll am Ausweichstandort an der Schiffbauerpromenade alles hergerichtet sein. Mitte der 90er-Jahre zu einem Hort umgebaut, danach von den Wismarer Werkstätten genutzt, fließen nun 500 000 Euro in die ehemalige Kita und die Außenanlagen. „Wir haben dort mehr Platz als jetzt in der Reuter-Schule oder in der zuerst geprüften Container-Lösung“, sagt Schulleiter Sven Günther und zeigt auf den Planungsgrundriss des dreistöckigen Gebäudes. Jede Klasse habe dort neben dem Unterrichtsraum noch einen weiteren Raum und eine eigene Garderobe. Dass einige Eltern unzufrieden seien mit dem Schulweg bis an den Friedenshof, könne er verstehen. Bislang hätten ihn deswegen die Eltern zweier Kinder angesprochen „Aber wir wollen die Sanierung“, sagt Günther. Für das kommende Schuljahr hat Günther bereits mehr Anmeldungen von Erstklässlern, als er selbst in der größeren Ausweichschule unterbringen kann. Trotz Standort Friedenshof.

„Dass wir während der Sanierung der Reuter-Schule an den Friedenshof gehen, war bereits im vergangenen Jahr klar. Darüber haben wir die Eltern auch informiert“, sagt Peter Fröhlich von der Schulverwaltung. Die Container, die nach damaligen Überlegungen an der Bürgermeister-Haupt-Straße hätten aufgestellt werden sollen, hätten das Budget jedoch gesprengt. 1,3 Millionen Euro hätte die Stadt für die Miete der Container zahlen müssen – für 18 Monate. „Wir haben auch geprüft, ob wir in der Altstadt eine Alternative finden“, sagt Fröhlich. In den Räumen der Musikschule aber hätten „mit Quetschen“ maximal 22 Schüler Platz. In der Fritz-Reuter-Schule lernen aber 28 in einer Klasse.

Millionen-Projekt

Beginn der Sanierung ist nach den diesjährigen Herbstferien. Das gesamte Vorhaben inklusive Neubau, Turnhalle und Hort kostet rund 11,6 Millionen Euro. Als Ausweichstandort während der Bauarbeiten wird in den kommenden Monaten die ehemalige Kita „Kombi 10“ an der Schiffbauerpromenade 3 hergerichtet. In die Zwischenlösung investiert die Stadt eine halbe Million Euro. Im August 2019 soll die Fritz-

Reuter-Schule fertiggestellt sein.

Kleines Einmaleins

2000 Euro pro Reuter-Schüler kostet die Zwischenlösung in der alten Kita an der Schiffbauerpromenade den Steuerzahler. 4800 Euro wären es, hätte die Stadt an der Lösung festgehalten, Container an der Bürgermeister-Haupt-Straße aufzustellen. Nun ist jeder Cent in die Bildung unserer Kinder ein gut investierter. Das versteht sich von selbst. Warum aber mehr als das Doppelte ausgegeben werden soll für weniger Platz und Komfort, weil dann jedoch der Schulweg statt zwei Kilometer nur einen Kilometer länger ist, wäre dann wohl eine Frage für den Landesrechnungshof.

Nicole Buchmann

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