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Unterwegs zur Seeschwalbeninsel

Pötenitz/Travemünde Unterwegs zur Seeschwalbeninsel

Eine Bootsfahrt auf der Pötenitzer Wiek führt zu seltenen Vögeln und Zeugnissen der Vergangenheit

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Thomas Trass (52) vom Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer steuert die „Hyla“ von Travemünde in die Pötenitzer Wiek.

Quelle: Jürgen Lenz

Pötenitz/Travemünde. Wo einst Wasserflugzeuge anlegten, leben heute Flussseeschwalben. Eine Gruppe von Ausflüglern beobachtet die seltenen Vögel von einem Boot aus, das vor der Seeschwalbeninsel in der Pötenitzer Wiek treibt. Die Besatzung der „Hyla“hat den Motor ausgeschaltet und Verdecke heruntergelassen. Mit den Ausflüglern unterhalten sie sich im Flüsterton. Die Flussseeschwalben sollen nicht gestört werden auf den Exkursionen, die der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer im Sommer und frühen Herbst anbietet. Im Winter kann er die möwenähnlichen Vögel niemandem zeigen. Dann leben die Langstreckenflieger in den Tropen oder in Südafrika.

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Eine Bootsfahrt auf der Pötenitzer Wiek führt zu seltenen Vögeln und Zeugnissen der Vergangenheit

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Der Vorsitzende Matthias Braun verteilt Ferngläser an die kleine Gruppe von Frauen und Männern aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Sie blicken zur Seeschwalbeninsel. Der Landschaftspflegeverein hat die Kiesinsel 2009 an einer Stelle angelegt, an der Reste eines Anlegers für Wasserflugzeuge in die Pötenitzer Wiek ragen. Mit dem Boot ist das Eiland nur über schleswig-holsteinisches Gewässer zu erreichen, zu Fuß gelange man über das Gebiet der Mecklenburger Stadt Dassow dorthin – wenn es nicht in einem Naturschutzgebiet läge, in dem Wege nicht verlassen werden dürfen. Deshalb bevorzugt der Verein die Pötenitzer Wiek. Die Natur einfach nur Natur sein zu lassen, das genügt ihm nicht. Matthias Braun erklärt: „Wir wollen die Bevölkerung aufklären über den Wert der einheimischen Natur.“ Das sei ein Auftrag des Vereins, aber: „Die Travemünder Kurverwaltung freut sich auch darüber, dass wir die Fahrten anbieten.“ Sie ist eine Attraktion für Gäste.

Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein: Das spielt für den Landschaftspflegeverein keine größere Rolle als für die Tier- und Pflanzenwelt, die sich bis 1989 an der damaligen innerdeutschen Grenze ausgebreitet hat: keine. Der Vorsitzende spricht an Bord der „Hyla“ von einem „biregionalen Konzept“. Naturschutzgebiete und europäische Schutzgebiete gibt es hier heute. Der Dassower See ist ein international bedeutendes Rast- und Mausergebiet für Enten, Gänse, Schwäne, Kormorane. Nach Auskunft des Vereins leben in den Steilufern Eisvögel, in hohlen Weiden Gänsesäger, in Dorngebüschen Neuntöter und „von seinen nahe gelegenen Horsten streicht der Seeadler heran.“

„Wir sind im ganzen Bereich viel mit der Hyla unterwegs“, erzählt Matthias Braun. 2011 taufte der Verein das gut sechs Meter lange Metallboot, das einen Tiefgang von nur 20 Zentimetern hat. Damit eignet es sich auch für Landungen auf der Seeschwalbeninsel, auf dem Selmsdorfer Traveufer und auf der Insel Buchhorst im Dassower See. „Es hat einen doppelten Boden und ist unsinkbar. Es muss also keiner hier befürchten, dass wir sinken“, scherzt Braun auf der Fahrt über die Wiek. Angst hat hier niemand, denn die von viel Land umschlossene Meeresbucht ist meist so ruhig wie ein Binnengewässer.

Deshalb bot sie sich in den 1920er und frühen 1930er Jahren als Start- und Landebahn für Wasserflugzeuge an. Später war die Pötenitzer Wiek Teil eines Erprobungs- und Logistikkomplexes der Reichsluftwaffe, zu der auch das Luftzeugamt bei Pötenitz und Lagerhallen am nördlichen Stadtrand von Dassow gehörten. „Einer fährt, einer spricht“, sagt Matthias Braun an Bord der „Hyla“. Sein Kollege Thomas Trass (52) fährt, bis das Boot wieder am Passathafen anlegt. Nach drei Stunden sind die Ausflügler zurück. Eine Botschaft, die ihnen Matthias Braun vor dem Hintergrund mit auf den Weg gegeben hat: dass die Flussseeschwalbe 50 Jahre in der Region ausgestorben war und hier nun wieder heimisch ist: „Man muss nicht alles akzeptieren, was mit der Natur geschieht. Man kann auch etwas tun.“

Exkursionen in die Natur

Die nächsten Ausflüge zur Seeschwalbeninsel in der Pötenitzer Wiek bietet der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer morgen sowie am Sonntag, 18. September, und am Donnerstag, 29. September, an. Treffpunkt ist an allen Tagen um 11 Uhr die Naturwerkstatt Priwall, Fliegerweg 5 bis 7. Die Tour ist für die Teilnehmer kostenlos. Der Verein bittet um vorherige Anmeldungen und um Spenden. Bei schlechtem Wetter fällt die Exkursion aus.

Naturkundliche Wanderungen durch das Schutzgebiet „Südlicher Priwall“ veranstaltet der Landschaftspflegeverein die nächsten Male am kommenden Freitag, dem 16. September, am Freitag, dem 23. September, am Sonntag, dem 25. September, und am Freitag, dem 30. September. „Wir durchstreifen dieses wunderschöne Gebiet und bekommen einen Einblick in die vielfältigen Naturschönheiten des südlichen Priwalls“, erläutert der Verein. Treffpunkt für die zweieinhalbstündigen Wanderungen ist um 10 Uhr ebenfalls die Naturwerkstatt. Der Verein bittet die Teilnehmer um eine Spende.

Kontakt: ☎ 04502/9996465, www.dummersdorfer-ufer.de,

E-Mail: lpv@dummersdorfer-ufer.de

Jürgen Lenz

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