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Wismar Urgroßvater braute Bier im Wismarer Schabbellhaus
Mecklenburg Wismar Urgroßvater braute Bier im Wismarer Schabbellhaus
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00:00 23.04.2013
Ralf Bernitt (47) sammelt alles zum Wismarer Bier seit der Industrialisierung. Wer noch solch alte Flaschen hat, Ralf Bernitt würde als Nachfahre der Brauerei Koch das damalige Flaschenpfand zurückgeben — mit Zins und Zinseszins. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

Ralf Bernitt entstammt einer Wismarer Brauerfamilie. Er sammelt alles zur Bierbrautradition in der Stadt, in erster Linie aber die Geschichten hinter den Sammelgegenständen. Eine besonders kuriose wird er heute Abend ab 19 Uhr zur „Archivalie des Monats“ im Stadtarchiv vorstellen.

„Das Bierbrauen ist Teil unserer Familiengeschichte“, erzählt der Leiter eines Pflegeheimes. Von 1873 bis 1920 hat Vinzent Koch, der Urgroßvater, im Schabbellhaus an der Schweinsbrücke gebraut. Er war der letzte Bierbrauer dort. Mit dem Forschen zur eigenen Familiengeschichte fing es an. Mittlerweile füllen die Rechercheergebnisse viele dicke Ordner. „Wismar hat eine lange Biertradition. Man findet immer etwas Neues und hat dann was zu erzählen in gemütlicher Runde bei einem Bier“, sagt der 47-jährige Wismarer lachend.

Ralf Bernitt ist Jäger und Sammler. Er sammelt alles zur Brauereigeschichte Wismars ab dem 19. Jahrhundert. Und macht akribisch Jagd auf die Geschichten hinter den Fundstücken — den uralten Bierflaschen, Etiketten, Zeitungsanzeigen oder alten Briefen.

„Ich sammle nicht um des Sammelns willen“, erzählt Ralf Bernitt. „Ich will immer auch die Geschichte dahinter haben“, erklärt er. Deswegen ist ihm die Kopie eines historischen Briefes mit den erzählten oder recherchierten Zusammenhängen wertvoller als manch ein leb-, weil geschichtsloses Original.

„Sein“ Paul Thormann war ein Zufallsfund. Im Mecklenburger Tageblatt stand im Mai 1893 eine Nachricht aus einer Dortmunder Zeitung. „Um einem in Brauerkreisen längst gefühlten Bedürfnisse abzuhelfen, hat der frühere Lehrer an der Brauer-Academie in Worms, Herr Braumeister Thormann (aus Wismar), eine Brauerschule eröffnet und erfreut sich dieselbe, wie wir hören, bereits guten Zuspruchs.“

Natürlich hat Ralf Bernitt weiter geforscht zur Person. „Das ist keine Persönlichkeit, die man als Wismarer mit Wismar verbindet, man kennt nur den Thormannspeicher oder den Architekten Thormann“, erzählt er. Aber die Geschichte, die sich um diesen Thormann spinnt, ist umso interessanter. Im Dortmunder Archiv hat Bernitt mehr über den Wismarer herausgefunden.

Manch ein Schatz lässt sich so in den Ordnern von Ralf Bernitt finden. Zum Beispiel eine Musteranmeldung einer Wismarer Brauerei beim Patentamt mit japanischen Schriftzeichen — wurde das Wismarer Bier in den 1880er-Jahren bis nach Japan exportiert? Oder ein Dankesschreiben von Bismarck — die Kochsche Brauerei hatte ihm zum Geburtstag Bier geschickt, ihm hatte das offensichtlich geschmeckt.

„Das sind Dinge, die ich spannend finde“, sagt der Hobbyhistoriker. Er weiß, wie teuer wann welches Bier in Wismar war oder dass die Hansabrauerei 1915/1916 schließen musste, weil der Kessel für Munitionshülsen eingeschmolzen wurde.

Sogar eines der Familienrezepte zum Bierbrauen hat er bei den Kochrezepten der Urgroßmutter gefunden, aus der Zeit, als der Urgroßvater im Krieg war.

Archivalie des Monats
Jeden Monat laden Archiv und Förderverein zur „Archivalie des Monats“ ein. Heute Abend ist dies eine Akte, in der jemand auf das Braurecht wegen seiner „gesundheitlichen Konstitution“

klagt.

19 Uhr beginnt die Veranstaltung im Stadtarchiv, zu den beiden Kurzvorträgen werden historische Filme rund ums Bier gezeigt. Der Eintritt kostet drei Euro, für Vereinsmitglieder ist er frei.

• Mehr Infos unter: http://www.wismaria.com und www.archivverein-wismar.de

Nicole Hollatz

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