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Wismar Vergiftete der Apotheker den Superintendenten?
Mecklenburg Wismar Vergiftete der Apotheker den Superintendenten?
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00:07 18.05.2018

Am 19. Mai 1819 verkaufte der Wismarer Rat die ihm gehörende „Rats-Apotheke“ für 8000 Taler an einen Apotheker aus Eimbeck. Der Rat benötigte das Geld für den gerade abgeschlossenen Bau des Rathauses, das schon damals, wie so oft bei öffentlichen Bauten, teurer wurde. Dafür hatten schon die Wismarer Bürger reichlich gespendet. Die Apotheke gehört mit zu den ältesten Einrichtungen ihrer Art in Mecklenburg.

1659 öffnete die „unteren Apotheke“ – die heutige „Löwen-Apotheke“ (im Bild von 1982). SAMMLUNG: D. SCHMIDT
Der Apotheker Nicolaus Eggebrecht der Ratsapotheke wurde verdächtigt, den Pastor vergiftet zu haben.

Von einem ersten Apotheker wird um 1280 in Wismar berichtet, der in der Krämerstraße ein Haus besaß. In Rostock gab es 1260, und in Hamburg 1265 je eine Apotheke. Sie wurden von Kaufleuten betrieben, die Gewürze, Drogen und fremde Kräuter einführten, diese verarbeiteten oder auch unverarbeitet verkauften. Auch Wein und Branntwein gehörten zum Sortiment. Aus diesem Handel entstanden Apotheken. Die Mönche der verschiedensten Orden versorgten die Bürger medizinisch und stellten auch allerhand Kräuter selbst her.

In Wismar schlossen nach der Reformation in der Mitte des 16. Jahrhundert das Graue und Schwarze Kloster, und der Rat stand vor der Aufgabe, die Gesundheit seiner Bürger zu erhalten. Die medizinische Versorgung übernahmen weiter Ärzte und auch Apotheken, deren Eigentümer nicht immer ausgebildete Apotheker waren. Nicolaus Eggebrecht, Stadtsekretär und Notar in Wismar, war Eigentümer der späteren Ratsapotheke in Wismar und bekam als erster Apotheker den Titel „Ratsapotheker“.

Ob er dabei nachgeholfen hat, ist nicht überliefert. Rätsel gibt bis heute der Tod der Familie des Superintendenten Freder auf. Diese hatten beim Ratsapotheker und Notar Eggebrecht Gewürzwein gekauft, und daran sollten nun sechs Personen verstorben sein. Eggebrecht wurde des Giftmordes beschuldigt, und das Kaisergericht in Speyer verurteilt ihn, dass er „gefänglich eingezogen und in eine böse schwere Gefängnis, im Thurm zu Wismar, bey dem alten Wismar Thor gelegen, gelegt und mit eisernen Ketten an beyden Beinen angeschlossen und an einer grossen und starken Ketten, so an der Mauer festgemachet und nun in die 15 Monate lang, erzehlter gestalterbermlichen und schwerlichen, mit eisernen Ketten Tag und Nacht angefesselt und gefenglich gehalten“.

Beweisen konnte man Nicolaus Eggebrecht nichts, und die Familie erwirkte seine Freilassung, mit der Auflage, dass Nicolaus Eggebrecht vier Jahre Hausarrest verbüßen musste. 1576 starb Eggebrecht, und 1580 verkaufte seine Witwe die Apotheke an die Stadt Wismar. Der erste Pächter der Ratsapotheke war Johann von Schönfeldt aus Itzehoe, der 1582 die Apotheke in einer denkbar schlechten Zeit übernahm.

Es grassierte gerade die Pest. In dieser Zeit sind 2000 Menschen in Wismar verstorben, darunter auch Schönfeldts Frau und drei seiner Kinder. 1594 verstarb Schönfeldt, und seinem Nachfolger Christoph Edeling aus Kolberg wird kein gutes Wirtschaften in der Ratsapotheke bestätigt. Doch Edeling beschuldigt nun wiederum den Wismarer Johann Nenne, der zwar „Apothekenkunst erlernet“ aber mit Gewürzen handelt, als „Nebenapotheke“ und das ohne Konzession! Nenne wiederum war äußerst beliebt in Wismar und erwirkte eine Überprüfung der Ratsapotheke, da „auff ihrer Apotheken viel und hoch schedtliche Mängel gespüret und vorhanden seien“. Nun schritt der Rat ein, und der erste angestellte Stadtphysikus, der in Antwerpen geborene Dr. Peter Budanus, führte mit Dr. Assverus eine gründliche Revision ab dem 22. Mai 1599 durch.

Auf 32 Seiten sind alle vorhandenen Medikamente aufgeführt und was man fand, war nicht gerade rühmlich für den Ratsapotheker Ederling. Viele Mittel waren abgelaufen oder „die Kraft ist weg, darumb man hat es abgethan“. Die Apothekenräume sind dann am 11. Juni 1599 in Begleitung der Bürgermeister und des Rates „visitiert“ worden. Dem Stadtphysikus wurde „bevohlen und auferleget, die mängel und gebrechen, so auf ihren Apotheken befunden, nicht allein in fleissige Achtung zu nehmen, sondern auch dieselbe auch auffs Papier zu bringen“. Daraus entstand Wismars erste Apothekenordnung von 1599.

Eine zweite Ordnung erfolgte 1606, die einige wenige angepasste Abänderungen hatte. Sie sah unter anderem vor, dass die Arzneimittel alphabetisch und nach Gruppen gelagert werden, es ein amtliches Arzneibuch gibt, schlechte Arzneimittel sind auszusondern. Die Räume hatten sauber zu sein, und verboten war es, Arzneimittel wieder zurückzunehmen. Maßnahmen, die noch heute ihre Gültigkeit haben. Seit 1659 erwuchs der Ratsapotheke Konkurrenz auf dem Hopfenmarkt mit der „unteren Apotheke“, wie die heutige „Löwen-Apotheke“ genannt wurde. Der Name wird erstmalig am 4. Juni 1851 in der „Wismarschen Zeitung“ erwähnt. Sie ist von Mathias Scheffel eröffnet worden.

1741 geben Rat und Bürgerschaft eine allgemeingültige Arzneipreismittelliste heraus, die dem Bürger Verlässlichkeit bietet. Bis 1844 gab es in Wismar zwei Apotheken. Am 1. Januar 1845 öffnete der Apotheker Carl Friedrich Framm mit der „neuen“ Apotheke, die spätere Hirsch-Apotheke, am Markt die dritte Apotheke der Stadt. Der Wismarer Rat hatte sie nur genehmigt, weil die Einwohnerzahl über 12000 Bürger gestiegen war und so gewährleistet werden konnte, dass auch der Apotheker nicht „brotlos“ wird.

15 Apotheken in Wismar

In Deutschland versorgt statistisch gesehen eine Apotheke durchschnittlich 3800 Menschen. In Wismar gibt es gegenwärtig 42000 Einwohner und 15 Apotheken. So kommen auf eine Apotheke 2800 Bürger.

Eine Hauptaufgabe des Apothekers und des übrigen Personals ist, die Kunden zu beraten, sie über Nebenwirkungen der Präparate aufzuklären und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufzudecken.

Detlef Schmidt

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