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Vergoldete Zeiger drehen sich wieder

Wismar Vergoldete Zeiger drehen sich wieder

Experten setzten gestern einen neuen Antrieb für die Uhr im Turm der Wismarer St.-Laurentius-Kirche ein

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Mathias Heitmann (l.) und Udo Griwahn neben dem Uhrwerk auf dem Kirchenturm. Heitmann hält einen Zeiger. Fotos (2): Norbert Wiaterek

Wismar. Für diesen Job muss man schwindelfrei sein und Improvisationstalent besitzen: Udo Griwahn und Mathias Heitmann setzten gestern im Turm der katholischen St.-Laurentius-Kirche in Wismar einen neuen elektrischen Uhrenantrieb ein und montierten die beiden restaurierten Zeiger. „Der alte Antrieb war festgelaufen, die Zeiger hatten sich nicht mehr bewegt.

 

OZ-Bild

Zwei Monate lang fehlten die Zeiger der Turmuhr von St. Laurentius. Seit gestern werden Stunden und Minuten wieder korrekt angezeigt.

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Das passiert schon mal durch Staub, Dreck und Feuchtigkeit“, erklärte Udo Griwahn, Chef des Turmuhren- und Läuteanlagenbaus aus Grimmen. Die Uhrzeit konnte zwar lange nicht abgelesen werden, die Glocken hatten aber weiter zu jeder halben und vollen Stunde geläutet.

Bevor die Handwerker aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen mit dem komplizierten Einbau beginnen konnten, mussten sie ihr Werkzeug, die Antriebswelle und die beiden glänzenden Zeiger über mehrere schmale Holztreppen und eine senkrecht stehende Metallleiter in den engen Turmraum bugsieren und die Stromzufuhr unterbrechen. Dann hievten die Männer den schweren Metalltisch, auf dem das Uhrwerk steht, ein kompliziertes Gebilde aus unzähligen Zahnrädern, Wellen, Stahlseilen, Haken, Gewichten und einem Motor, zur Seite.

Und schon gab es das nächste Problem: Das 70 Zentimeter lange Mantelrohr des Antriebs, eine Maßanfertigung für die St.-Laurentius-Kirche, war zu dick, es passte nicht durch die Löcher in einer Holzkonstruktion und in einem Balken sowie in das alte Gegenlager an der Innenseite des Ziffernblattes. Ideen waren gefragt, es musste geschraubt, gebohrt und gesägt werden. „Das sind so die kleinen Überraschungen und Herausforderungen“, erklärte Mathias Heitmann gut gelaunt.

Später befestigten die Fachleute, die sich auch um die Glocken in der katholischen Kirche der Hansestadt Wismar kümmern, die vor rund zwei Monaten abmontierten Zeiger am Ende des eingesetzten Mantelrohres. Eine Arbeit, die Fingerspitzengefühl erforderte, denn die Öffnung im Ziffernblatt ist sehr klein. „Man muss aufpassen, dass der Zeiger nicht hinuntersaust“, sagte Mathias Heitmann.

„Obwohl der Stundenzeiger näher am Ziffernblatt sitzt, war dort die Beschichtung komplett runter. Jetzt sind die originalen Alubleche frisch mit Blattgold überzogen. Es brechen goldene Zeiten an!

Wenn die Sonne scheint, wird das Metall schön leuchten“, freute sich Udo Griwahn über die Arbeit aus seiner Werkstatt.

Der Stundenzeiger ist 50 Zentimeter lang und sieben Zentimeter breit, der Minutenzeiger 16 Zentimeter länger und dafür zwei Zentimeter schmaler. Die jeweils etwa ein Kilogramm schweren Bleche wurden mit Blei ausgewuchtet. Das Ziffernblatt aus Stahlblech hat einen Durchmesser von etwa einem Meter.

„Endlich ist es wieder möglich, die korrekte Uhrzeit abzulesen“, freute sich Pfarrer Peter Schwientek nach der mehrstündigen Arbeit der Experten. Es gab jedoch auch einen Wermutstropfen. Die Glocken läuten seit gestern nicht mehr, eine Feder soll gebrochen sein. Auf die Handwerker wartet also schon der nächste Turmaufstieg.

Vier Glocken aus Bronze im Turm

1902weihte Bischof Hubertus Voß aus Osnabrück die katholische Kirche in der Hansestadt Wismar. Die Kirchengemeinde St. Laurentius mit Wismar, Neukloster und Warin zählt etwa 2300 Mitglieder.

37Meter hoch ist der Turm der St.-Laurentius-Kirche. Die Turmuhr befindet sich über den Glocken in knapp 30 Metern Höhe.

4Bronzeglocken mit den Tönen Fis, A, H und Cis hängen im Turm des Gotteshauses am Turnerweg. Sie stammen aus der katholischen Kirche Christ König in Kiel und waren am 24. Mai 2009 gesegnet und hochgezogen worden. Das nun knapp 60 Jahre alte Läutwerk ersetzte drei poröse Stahlglocken. 1,10 Meter breit und ebenso hoch ist die größte Glocke mit dem Namen „Christ König“. Sie trägt die lateinische Aufschrift „Christus regnet!

Christus imperat! Christus vincit!“ („Christus herrscht, Christus regiert, Christus siegt“). Auf der zweitgrößten Glocke ist der Name von Maria, der Mutter Gottes, zu lesen, auf den beiden kleinen die Namen der Heiligen Vicelin und Wilhelm. Vicelin ist ein nordischer Heiliger. Und Bischof Berning, der die Christ-König-Kirche in Kiel geweiht hatte, trug den Vornamen Wilhelm.

Norbert Wiaterek

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