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Verjüngungskur für den Fischkutter „Marlen“

Wismar Verjüngungskur für den Fischkutter „Marlen“

Neues Projekt für langzeitarbeitslose Schiffbauer und Handwerker bietet Chance für den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt

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Blick in das Innere des Fischkutters „Marlen“: Mirko Kiemann (45) trägt eine Grundierung für den Brandschutz des Schiffes auf. Der Wismarer Förderverein „Marlen“ will den Kutter erhalten. Fotos (6): Nicole Hollatz

Wismar. Dass die Arbeit ihm richtig Freude macht, ist Gerhard Hameister anzusehen. Er lächelt, während er konzentriert mit dem Elektrohobel die Balken auf Höhe bringt. Er macht den Hobel aus und erzählt: „Mit fünfundfünfzig noch Arbeit zu bekommen? Das ist schwer!“ Seit 2009 hatte er keinen Job. Vorher war er jahrzehntelang als Stahlschiffbauer auf der Werft tätig.

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Neues Projekt für langzeitarbeitslose Schiffbauer und Handwerker bietet Chance für den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt

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Sechs Jahre zu Hause – für jemanden, der wie Gerhard Hameister gerne anpackt, eine böse Zeit.

Seit Februar 2015 gehört er zum Team der „Marlen“. Der 1950 gebaute Schleppnetzkutter wird seit Dezember 2014 restauriert, saniert und wieder aufgebaut. „Er ist der letzte seiner Art in der Region“, weiß Irmtraud Rakow vom Förderverein „Marlen“. Auch deswegen soll der alte Kutter erhalten werden. „Bis jetzt haben wir abgerissen, jetzt bauen wir langsam wieder auf“, sagt Bootsbauer Thomas Holtz und zeigt stolz das hell leuchtende, gerade eingebaute Eichenholz. „Alles, was kaputt, marode oder durchgefault war, haben wir raus“, erklärt er. Die Decksbalken sind fertig, der Achtersteven wird neu aufgebaut. Das Süll, das Fundament fürs Ruderhaus, wird vorbereitet. Thomas Holtz verbindet die eigenen Familiengeschichte mit dem Kutter: „Mein Großvater war auf der ,Marlen’ Lehrausbilder.“

16 Menschen gehören zum Bauteam der auf dem Trockenen stehenden „Marlen“. Alles Langzeitarbeitslose wie Gerhard Hameister, die vom Jobcenter Nordwestmecklenburg in die ungewöhnliche „Arbeitsgelegenheit“ vermittelt wurden. „Ich bin seit Dezember dabei“, erzählt Mirko Kiemann. Der 45-Jährige ist gelernter Zimmermann und Dachdecker, er war sieben Jahre arbeitslos. Im Schiffsrumpf streicht er gerade das Holz mit einer neuen Grundierung für den Brandschutz. Er hat schon einiges gemacht am Schiff. Die Decksbalken herausgerissen, die Köpfe erneuert. Kollege Hameister lacht: „Ich hab ja keine Ahnung von Holz, aber man lernt jeden Tag was Neues hier.“ Und er sitzt nicht mehr zu Hause, langweilt sich nicht mehr, kann wieder etwas mit den Händen machen. „Das ist so gut“, ist er dankbar.

Dabei ist es für Christine Wett und Christian Lorentz vom Jobcenter nicht einfach, geeignete Teilnehmer für das Projekt zu finden. Die bereit sind, bei Wind und Wetter und körperlich anstrengend am Kutter zu arbeiten. Irmtraud Rakow: „Ohne das Jobcenter mit seiner Förderung würden wir den Kutter nicht sanieren können.“ Unternehmer wie Hans-Joachim Lenschow vom gleichnamigen Gerüstbauunternehmen in Steinhausen-Neuburg helfen. Er sponsert eine neue Plane, nachdem die alte nicht mehr ihren Zweck erfüllte.

Die Plane für die Großbaustelle „Marlen“ ist wichtig. „Damit das Holz nicht austrocknet, wir müssten sonst viel mehr ölen“, berichtet Thomas Holtz. 200 Liter der hauseigenen Mischung aus Leinöl, Leinölfirnis, Terpentin und Kiefernholzwurzelteer sind schon im Schiff und schützen das Holz. Und die Plane schützt die Handwerker vor Sonne wie Regen.

„Was kann der Einzelne, was kann er wieder, was nicht?“, stellt Arbeitsvermittler Christian Lorentz die Fragen, die es zu beantworten gilt. „Ziel ist immer die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt“, erklärt Christine Wett, Teamleiterin „Markt und Integration“ im Jobcenter.

„Interessierte Mithelfer und auch unterstützende Unternehmer sind gerne gesehen“, wirbt Irmtraud Rakow. Unternehmen können Werbebanner aufhängen, Bootsbauer oder Tischler im Ruhestand etwas Gutes tun.

Nicole Hollatz

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