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Wismar „Vernetzer“ der friedlichen Revolution
Mecklenburg Wismar „Vernetzer“ der friedlichen Revolution
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00:01 21.03.2017
Im Gespräch mit Martin Klähn berichtete Heiko Lietz (re.) im Grenzhus von der friedlichen Revolution. Quelle: Foto: M. Behnk
Schlagsdorf

Die friedliche Revolution, die zum Ende der DDR führte, fand nicht nur in Leipzig statt, auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es eine bis zum Mauerfall immer stärker werdende Opposition, zu der schon früh auch Heiko Lietz (73) gehörte.

„Erst kamen nur wenige zur Kirche in Proseken, kurz darauf trafen sich am 18. Oktober 1989 dort 2000 Men- schen zur ersten Veranstaltung des Neuen Forums.Manfred Harloff, Pastor im Ruhestand

Der frühere Pastor der Domgemeinde in Güstrow berichtete im Grenzhus in Schlagsdorf von seinen Erlebnissen während der friedlichen Revolution und ging speziell auch auf seine Begegnungen mit dem Liedermacher Wolf Biermann und dessen Ausbürgerung ein. Über den Protest gegen Biermanns Ausweisung zeigt das Grenzhus derzeit eine Sonderausstellung.

Heiko Lietz berichtete im Gespräch mit Martin Klähn vom Verein Politische Memoriale, dass er als Student der Theologie ein Jahr in Berlin verbrachte und dort auch Wolf Biermann besucht habe. In den 70er Jahren seien solche Kontakte zu Künstlern und Schriftstellern bei Studenten normal gewesen. Mit der Ausweisung Biermanns 1976 hatte sich dann seine Arbeit als Studentenpastor in Güstrow verändert, sie wurde politischer. „Wir haben Biermann-Abende organisiert und ich habe in der Zeit viele seiner Texte abgetippt und in der Gemeinde verteilt“, berichtete Lietz. Es ging so weit, dass er auch einen Brief an Erich Honecker schickte, in dem er kritisierte, dass die SED-Regierung nicht einmal mit Biermann über die Themen gesprochen habe, die er in seinen Liedern und Texten angeprangert hatte. „Ich habe auf diese Eingabe selbstverständlich keine Antwort bekommen“, berichtet Lietz.

Aber es folgte auch keine Repression, wie sie andere erlebten. So wurden Medienkampagnen gegen bekannte Künstler der DDR geführt, die sich auf Unterschriftenlisten mit Biermann solidarisiert hatten und es gab sogar etliche Festnahmen. Heiko Lietz blieb davon verschont. „Ich habe bei allen Aktionen, die ich gemacht habe, versucht, mit einem Fuß auf sicherem Boden zu bleiben und nur mit dem anderen zu testen, wie weit ich gehen kann“, sagte er auf eine Frage aus dem Publikum. Außerdem war Lietz zumindest längere Zeit durch seine Arbeit als Pastor mehr oder weniger vor dem Zugriff der Stasi geschützt. Doch auch das änderte sich.

„Ich hatte schon einen theologischen Konflikt, als ich Pastor wurde“, sagte Heiko Lietz. Durch seine Ordination sei er von der Gemeinde „irgendwie abgehoben“ worden, was ihm gar nicht gefiel. Als Studentenpastor habe er vorher immer mit zur Gemeinschaft gehört. Außerdem hatte Lietz ein Problem mit dem Abendmahl, weil er dessen theologische Bedeutung nie nachvollziehen konnte. „Ich bin dann faktisch von der Landeskirche entlassen worden und war einige Jahre eine Persona non grata.“ Das war 1980 zu einer Zeit, als er gerade in Güstrow einen Friedenskreis gegründet hatte. „Ich habe auch einen in Rostock gegründet und später alle Friedenskreise in Mecklenburg-Vorpommern miteinander vernetzt“, schilderte Lietz. „Ich war der große Vernetzer“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Angreifbar für die Stasi wurde er trotz des Verlustes seiner Pastorenstelle nicht. „Ich hatte recht viele gute Kontakte zu Westjournalisten, deswegen ließ man mich eher in Ruhe. Es gab aber einen so genannten Zersetzungplan gegen mich und meine Familie.“ Zur Repression gehörte auch, dass Lietz 1981 seine Wohnung nicht verlassen durfte, als der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt Güstrow besuchte. Viele Menschen, die sich 1989 der friedlichen Revolution anschlossen, die in Kirchen und Gemeinderäumen begonnen hatte, merkten, dass der Staat längst nicht jeden dafür bestrafen kann.

„Damals waren erst wenige an der Kirche in Proseken, kurz darauf trafen sich am 18. Oktober 89 dort 2000 Menschen zur ersten Veranstaltung des Neuen Forums“, berichtete Manfred Harloff, Pastor im Ruhestand aus Proseken. Er war zu der Veranstaltung in Schlagsdorf gekommen, weil er Heiko Lietz während des Studiums kennen gelernt hatte. Die Phase des Umbruchs erlebten die ehemaligen Studenkollegen aber getrennt.

Grenzhus erhält 356 000 Euro für Umbau des Museums

Seit 1999 zeigt das Grenzhus in Schlagsdorf eine Dauerausstellung zur ehemaligen innerdeutschen Grenze. Seit 2003 wird es nach einem Umbau vom Verein Politische Memoriale betrieben, der die Ausstellung

bereits erneuert und zum Teil erweitert hat.

Jetzt wird ein kompletter Umbau des

Museums geplant.

Unter anderem soll die Ausstellung barrierefrei zugänglich werden. Für diesen Umbau und die Neugestaltung der Ausstellung erhält der

Trägerverein des Grenzhus rund 356000 Euro von der Leader Aktionsgruppe Mecklenburger Schaalseeregion-

Biosphärenreservatsregion.

Infos zum Museum: www.grenzhus.de

Malte Behnk

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