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Wismar Verurteilt nach dem Schwulenparagraphen
Mecklenburg Wismar Verurteilt nach dem Schwulenparagraphen
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00:00 27.02.2017
Vor dem Haus Hinter dem Chor 17 erinnert von nun an ein Stolperstein an Willy Hans Käcker. Quelle: Fotos: Nicole Buchmann

Georg Wussow legt eine Rose auf den gravierten Messingstein, der wenige Minuten zuvor ins Pflaster Hinter dem Chor 17 eingelassen wurde. Zum Gedenken an Willy Hans Käcker, der von den Nationalsozialisten verurteilt, verhaftet und deportiert worden war – wegen Unzucht mit Männern. „Es ist wichtig, gerade in der heutigen Zeit die Erinnerung daran wach zu halten“, sagt Georg Wussow. Haltung zeigen, ohne Worte zu machen, sagt er. Jetzt, wo der Populismus weltweit wieder erstarke.

Erster Stolperstein für homosexuellen Menschen in Wismar verlegt

Nachdenkliche Gesichter bei den Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. In einem freiwilligen Geschichtsprojekt suchten sie in Archiven nach dem Leben von Willy Hans Käcker.

Einem Leben, das in Wismar begann und im Konzentrationslager Auschwitz endete – nach nur 36 Jahren. Ob auch Käcker – wie andere Wismarer Männer – sich mit seinem Liebsten im Lindengarten oder am Bahnhof, am Markt oder in den Hafenhallen traf, ist nicht überliefert. Dass mit dem Zigarren- Händler 14 weitere Männer im Januar 1938 verhaftet wurden, lässt sich in den Akten jedoch nachlesen – Schuhmacher, Hausdiener, Hilfsarbeiter, Kellner.

Die Verurteilung nach Paragraph 175 brachte die Männer ausnahmslos ins Gefängnis. Käcker ging für drei Jahre nach Dreibergen-Bützow, bevor er nach Ende der Haft nach Auschwitz deportiert wurde.

Denn längst galt den Nationalsozialisten nicht mehr nur der Beischlaf als Verbrechen. Ein Kuss reichte, um zu einer jahrelangen Gefängnisstrafe verurteilt zu werden.

Die Gymnasiasten erinnerten zudem an einen weiteren Wismarer, der dieser Rechtssprechung zum Opfer fiel. Einen Stolperstein aber gebe es für den Bäckermeister von der Schweinsbrücke nicht, sagte Lena Volster. Weil Wilhelm Rehmann 1933 laut Aktenlage in die NSDAP eingetreten war, habe Gunter Demnig sich geweigert, einen Stolperstein für ihn zu fertigen. Der Grund für den Eintritt in die Partei sei unklar geblieben, an ihn erinnern wollten die Schülerinnen und Schüler deshalb dennoch.

Das sei eine Erinnerungskultur, die sich Deutschland mühsam erarbeitet habe, sagte Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Wer denke, das müsse ein Ende haben, der irre. Eine solche Erinnerungskultur sei zeitlos. Allein zu lernen, dass Menschen unterschiedlich sind, unterschiedlich auch in ihrer sexuellen Orientierung, habe sich die Gesellschaft mühsam erarbeiten müssen. „Es ist wichtig, dass wir an diese Menschen erinnern, die Opfer solcher Denkweisen wie der der Nationalsozialisten geworden sind“, sagte Beyer.

Stolpersteine in Wismar

In der Hansestadt erinnern die Stolpersteine seit 2008 an die Opfer der Nationalsozialisten. Der 23. Stein ist dem Gedenken an Willy Hans Käcker gewidmet – es ist der erste Stein, der in der Hansestadt an jene Menschen erinnert, die wegen ihrer homosexuellen Neigungen verfolgt wurden. Wismar hatte sich dazu entschieden, mit den Stolpersteinen nicht nur

Menschen jüdischen Glaubens zu

gedenken, sondern aller während der NS-Zeit aufgrund von Glauben, Krankheit oder Sexualität verfolgten Menschen. Weitere Informationen: www.wismar.de/stolpersteine.

Nicole Buchmann

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