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Wismar Viele Aktionen, ein Ziel: Aufmerksamkeit erregen

Europäischer Aktionstag der Menschen mit Behinderung an der Hochschule in Wismar / Im Landkreis gibt es viele positive Beispiele, aber auch noch viel zu tun

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Das ABC mal anders: Elke Prehn vom Elternverband hörgeschädigter Kinder zeigt den Achtklässlern des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar, wie Gehörlose buchstabieren.

Quelle: Fotos: Vanessa Kopp (4), Karin Bergmann (1)

Wismar. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. So steht es im Artikel drei des Grundgesetzes. „Doch solche Bestimmungen alleine führen nicht zu chancengleicher Teilhabe“, ermahnt Prof. Bodo Wiegand-Hoffmeister, Rektor der Hochschule Wismar, beim gestrigen Europäischen Aktionstag der Menschen mit Behinderung. „Deshalb müssen solche Veranstaltungen stattfinden.“ Seit 17 Jahren ruft die „Aktion Mensch“ bundesweit zu Protesten und Aktionen auf – in diesem Jahr unter dem Motto: „Gemeinsam für eine barrierefrei Stadt“.

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Europäischer Aktionstag der Menschen mit Behinderung an der Hochschule in Wismar / Im Landkreis gibt es viele positive Beispiele, aber auch noch viel zu tun

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„Wir müssen die Barrieren im Kopf abbauen“, plädiert Ilona Scheufler, Behindertenbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg. „Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr kann man verstehen“, so ihre Beobachtung. Einschränkungen habe jeder irgendwann in seinem Leben und sei es durch ein Gipsbein. „Schon das Pflaster am Finger kann einschränken“, erklärt Ilona Scheufler. „Doch bei den meisten verschwinden diese Beeinträchtigungen mit der Zeit wieder.“

Nicht bei allen. Nils Bandelin, Projektkoordinator der Bildungsinitiative „Sport und Bildung inklusiv“, zeigt mit seinen Kollegen, was es heißt, ein Handicap zu haben. Am linken Bein trägt er eine Prothese. „Wir wollen hauptsächlich Schülergruppen einen Einblick in den Alltag von Rollstuhlfahrern bieten“, erklärt Bandelin. „Alleine die Perspektive ist ja eine ganz andere.“ Das erfährt Lilly Schmidt am eigenen Leib. Die 14-Jährige schiebt sich ächzend mit ihrem Rollstuhl die Rampe hinauf. Die nächste Übung ist für die Achtklässlerin am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium eigentlich ein Leichtes:

eine Tür öffnen. Im Rollstuhl sitzend jedoch keine einfach Übung.

Alle Beteiligten des Aktionstages sind sich einig: Barrierefreiheit und Inklusion sind Themen, die in die Mitte der Gesellschaft gehören. Matthias Crone, Bürgerbeauftragter von Mecklenburg-Vorpommern, hat lobende Worte: „Es gibt zu diesem Thema zwei Schätze im Landkreis Nordwestmecklenburg: Zum einen ist das der Beirat für Menschen mit Behinderung des Kreistages. In diesem Organ befinden sich Kreistagsmitglieder wie auch Betroffene.“ Der zweite Schatz sei die Hochschule Wismar. „Denn sie ist eine der Hochschulen im Land, die sich ganz besonders mit dem Thema befasst.“

So kann in Wismar beispielsweise das Fach barrierefreies Bauen belegt werden. „Toll wäre es noch, wenn dafür eine Professur eingerichtet würde. Dann wäre Wismar nicht nur bei uns im Land, sondern deutschlandweit ganz vorne.“

Trotz des Lobes muss noch viel gemacht werden. So auch die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Diese ist bereits seit März 2009 für Deutschland gültig. Sie fordert unter anderem gleichberechtigte Teilhabe für Menschen mit Behinderung am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben, Chancengleichheit in der Bildung und beruflichen Integration.

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Wir wollen bis Ende des Jahres eine Konzeption für den Kreis erarbeiten. Das ist ein dickes Brett, was wir zu bohren haben. Dafür sind wir auf die Hilfe der Städte und Gemeinden angewiesen.“

• Eine Bildergalerie finden Sie im Internet unter www.ostsee-zeitung.de

DREI FRAGEN AN...

1Wo sehen Sie hinsichtlich Barrierefreiheit und Inklusion die größten Schwachstellen im Landkreis? Beim Thema barrierefreies Bauen muss noch viel passieren. Doch dafür müssen erst Fachleute ausgebildet werden. Auch an den Schulen gibt es noch viel Nachholbedarf zum Thema Inklusion und Ausbildung der Lehrkräfte.

2Was läuft hingegen schon gut? Die Kreisverwaltung lässt uns nicht im Regen stehen. Das sind gute Voraussetzungen. Auch in der Stadt Wismar gibt es viele gute Beispiele, so wurden wir beim Umbau des Schabbellhauses in die Planung mit eingebunden. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn hat sich ebenfalls sehr verbessert.

3Wie kann jeder einzelne etwas verbessern? Um wirkliche Gleichstellung zu erreichen, muss sich nicht der Betroffene kümmern, sondern die Gesellschaft.

Von Vanessa Kopp

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