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Voller Einsatz für die Waldorfschule

Zurow Voller Einsatz für die Waldorfschule

In Zurow laufen die Arbeiten am Klassenraum auf Hochtouren / Ab 5. September werden dort Kinder unterrichtet

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Igor Korshun (52, l.) und Architekt Uwe Kurzbein (73) beim Innenausbau des ersten Klassenraums der Dorfschule Wismarer Land. Fotos (4): Sylvia Kartheuser

Zurow. Aus dem hinteren Teil der großen Halle an der Dorfstraße in Zurow dringen Geräusche: hämmern, sägen, bohren. Ganz eindeutig: Da sind Handwerker am Werk. Müssen sie auch. Denn am 5. September sollen dort Kinder zur Schule gehen. Bis jetzt ist der Klassenraum jedoch eine einzige Baustelle. „Das liegt daran, dass wir die Antwort vom Bildungsministerium erst so spät bekommen haben“, sagt Jan Dobbelmann (45), Bauleiter und selbst Vater.

OZ-Bild

In Zurow laufen die Arbeiten am Klassenraum auf Hochtouren / Ab 5. September werden dort Kinder unterrichtet

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Am 18. Juli kam die ersehnte Bestätigung aus Schwerin: „Genehmigung einer Waldorfschule mit den Klassen 1-8 in 23992 Zurow.“ Die „Dorfschule Wismarer Land“, so der Name, ist die fünfte Waldorfschule in Mecklenburg-Vorpommern (siehe Kasten) und die erste im Landkreis Nordwestmecklenburg. „Vorher hatten Eltern nur die Möglichkeit, ihre Kinder nach Schwerin oder Rostock zu schicken“, erklärt Jan Dobbelmann, der Gartenbau studiert hat und Spielplatzbauer ist.

Der Wunsch, im Ort wenigstens eine Grundschule mit Waldorfpädagogik zu haben, kam von Eltern, deren Kinder den Bauernhofkindergarten im Zurower Ortsteil Kahlenberg besuchen. Er, wie auch die Kita „SinnesReich“ in Wismar, arbeitet nach Waldorf-Prinzipien. „Das ist ein anderes, ein praxisbezogeneres Lernen“, erklärt Jan Dobbelmann, dessen Sohn seit anderthalb Jahren die Kita in Kahlenberg besucht. „Ich sehe, wie gut er sich entwickelt.“ Das habe ihn überzeugt. Die Kinder würden neugieriger und ihr innerer Antrieb würde gefördert. Jan Dobbelmann lacht: „Ein Pädagoge aus Kassel hat uns über die Folgen unserer Art von Schule gesagt: ,Sie werden ziemlich unbequeme und intelligente Kinder haben’. Aber das ist doch das Schönste, was es geben kann, Kinder, die nicht alles hinnehmen, die hinterfragen und die neugierig bleiben.“

Die ersten drei Jahre muss die Schule sehen, wie sie sich finanziert, denn vom Staat gibt es anfangs kein Geld. „Es ist sozusagen eine Bewährungszeit“, sagt Jan Dobbelmann. Für die Dorfschule haben Eltern eine Träger-Genossenschaft gebildet und sind in finanzielle Vorleistung gegangen. Zudem müssen Eltern dafür zahlen, dass ihre Kinder in eine private Schule gehen. „Wir wollen für alle im Dorf offen sein. Daher denke ich, ein Elterngeld von durchschnittlich 110 Euro im Monat ist zu vertreten“, erklärt Dobbelmann. Zumal es in Härtefällen reduziert werden könnte – wenn andere Eltern bereit sind, etwas mehr zu zahlen.

Noch haben allerdings die Handwerker in der Dorfschule das Sagen. Sie konnten erst nach der Zustimmung des Bildungsministeriums beginnen. Eher wäre aus Sicht des Bauleiters wenig sinnvoll gewesen.

„Dann hätte unser Architekt Uwe Kurzbein auch gar tätig werden dürfen. Und was wäre geschehen, wenn Schwerin unsere Schule abgelehnt hätte?“, fragt der 45-Jährige. Doch Schwerin hat zugestimmt und nun sind alle mit Feuereifer dabei. Und das sind nicht nur Handwerker und Firmen, das sind auch engagierte Eltern. Der Bauleiter ist erstaunt: „Ich hätte nie gedacht, dass selbst jetzt in den Ferien so viele kommen.“ Doch so sieben bis acht Väter oder Mütter seien täglich auf der Baustelle zu finden. „Laut Bautagebuch wurden von den Eltern bislang 450 Stunden ehrenamtlicher Arbeitseinsatz geleistet.“ Bis zum 5. September werden einige hinzukommen.

In dem künftigen Klassenraum stehen Architekt Uwe Kurzbein (73) aus Olgashof und Holzkünstler Igor Korshun (52) vor einem Holzbrett. Es soll eine Fensterbank werden. Aber – es ist zu schmal. Gemeinsam überlegen sie, wie der Makel zu beheben sei. „Wir setzen zum Fenster hin eine Leiste dran, damit das Brett sechs Zentimeter breiter wird als die Brüstung und ein bisschen in den Raum ragt“, schlägt der Architekt vor. Der Künstler nickt: „Es geht nur so.“ Während beide die weiteren Arbeiten besprechen, treffen immer mehr Helfer ein. Der Fliesenleger ist da, zwei Väter, die beim Anstreichen helfen und im Sanitärbereich helfen wollen, damit am 5. September die ersten neun Schüler, die aus Zurow, Wismar und der Umgebung kommen, ihren Klassenraum in Besitz nehmen können. „Die letzten Pinselstriche werden wir wohl erst am Tag zuvor machen“, sagt Jan Dobbelmann und lacht.

Freie Schulen

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 76 Privatschulen in 43 Orten. Davon sind fünf in Schwerin, vier in Rostock und drei in Wismar. Die Kostenspanne liegt monatlich zwischen Null und 2627 Euro, heißt es im Internet bei www.privatschulen-vergleich.de.

Freie Schulen, die sich selbst finanzieren müssen, bieten neben fachlichen Ausrichtungen Sonderformen wie Montessoripädagogik, Reformpädagogik oder Waldorfpädagogik.

An vier Orten gibt es derzeit Schulen mit Waldorfpädagogik: in Greifswald, Rostock, Schwerin und Seewalde an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Sylvia Kartheuser

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