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Von Kanada nach Grevesmühlen: Hilda Pape mit neuem Flohmarkt

Grevesmühlen Von Kanada nach Grevesmühlen: Hilda Pape mit neuem Flohmarkt

Vor drei Jahren schloss die Wahl-Grevesmühlenerin ihren Gebrauchtwarenmarkt / Sie ging nach Nordamerika, um ihre Tochter zu unterstützen / Jetzt ist sie wieder da

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Hilda Pape (l.) mit Gesine Ißle (Mitte) – die Geschirr für den Flohmarkt vorbeibringt – und ihrer Angestellten und Freundin Marita Kalies.

Grevesmühlen. Ein echtes Original feiert heute seine Wiedereröffnung: Hildas Flohmarkt. Um 10 Uhr geht es los – in der August- Bebel-Straße 48 (ehemaliger Schleckermarkt).

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Vor drei Jahren schloss die Wahl-Grevesmühlenerin ihren Gebrauchtwarenmarkt / Sie ging nach Nordamerika, um ihre Tochter zu unterstützen / Jetzt ist sie wieder da

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Schon

als junge Frau liebte ich die Flohmärkte.

Ich habe immer ein bewegtes Leben geführt.“Hilda Pape

Vor drei Jahren hatte die Wahl-Grevesmühlenerin Hilda Pape ihren Gebrauchtwarenmarkt in der Lagerhalle gegenüber dem Tannenberg-Sportplatz einem Nachfolger übergeben und die Stadt verlassen – Richtung Winnipeg in Kanada. „Meine Tochter lebt dort. Ihr Mann war gestorben. Sie hatte kleine Kinder und brauchte dringend Hilfe“, erklärt die agile Seniorin ihren Aufbruch in die weite Ferne.

Mittlerweile sind die beiden Enkel sechs und zwölf Jahre alt. „Es war an der Zeit wieder nach Hause zurückzukehren“, sagt Hilda Pape. Denn so richtig heimisch wurde sie in Kanada nicht. „Die Kanadier sitzen am liebsten immer nur draußen und sie grillen fast nur. Richtig kochen, das ist dort selten. Dann noch im Sommer die Hitze und die Mücken.“ Doch vor allen Dingen eines fehlte Hilda Pape:

„Meine Freunde.“ Aus genau diesem Grund, sagt sie, ist sie auch nach Grevesmühlen zurückgekommen – und nicht in ein Seniorenstift in Hamburg eingezogen. „Das war alles sehr nett dort, das Zimmer und so“, erzählt sie. „Doch ich habe mich umgeschaut und gedacht: Du kennst hier niemanden, und das soll nun dein Alltag sein? Herumsitzen und Karten spielen? Nein, das wollte ich nicht.“ In Grevesmühlen hat die umtriebige 79-Jährige offensichtlich sehr viele Freunde, die mehr als froh zu sein scheinen, dass sie wieder da ist. Obwohl sie erst im Jahr 2004 in die Stadt kam.

Hilda Pape hat schon an verschiedenen Orten gelebt. Geboren wurde sie in Lettland, in den Kriegswirren gelangte sie nach Wessin bei Parchim, als Zehnjährige wurde sie zu Verwandten in die Lüneburger Heide geschickt. Dort wuchs sie auf und ging zur Schule. Viele Jahre lebte sie in Hamburg. „Und schon als junge Frau“, erzählt sie, „liebte ich die Flohmärkte“. Sie fuhr auch Taxi, manchmal bis runter nach Amsterdam. „Ich habe immer ein bewegtes Leben geführt“, sagt sie stolz. „Ich war auch schon in Thailand und Afrika.“ Und so passt es zu Hilda Pape, dass sie wieder einmal ganz von vorn anfängt.

Im März dieses Jahres kehrte sie nach Kreihnsdörp zurück, mit nur einem Koffer. Marita Kalies (47) – die schon früher für sie arbeitete und immer mehr als nur eine Angestellte war – bot ihre Couch zum Übernachten an.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Hilda Pape fand eine Wohnung, Tische, Stühle und Möbel wurden von Freunden geschenkt. „Ich hatte von Anfang an die Idee, meinen Flohmarkt wieder zu eröffnen. Nur dass es dann so schnell geht, das war doch überraschend“, sagt sie. Ihre Freunde überredeten sie, nicht mehr zu warten. Der leerstehende Schleckermarkt erwies sich als passend, sie bekam sogar ein kleines Auto geschenkt, Regale und Tische für ihren neuen Flohmarkt – und Ware zum Verkauf.

Die Leute bringen, was noch gut ist und sie nicht mehr brauchen. Manche nehmen zum Tausch dann etwas anderes aus dem Laden mit. Bei Hilda Pape geht es aber nicht nur um Lampen, Geschirr, Spielzeug, Babyklamotten, Schallplatten und vieles, vieles andere mehr. Es geht auch um Geselligkeit, Zusammenhalt, darum einen Anlaufpunkt zu haben, „einen Schnack zu halten.“

Hilda Pape unterhält sich gern. Und sie hat vieles zu berichten, von ihrem abenteuerlichen Leben. Doch sie hört auch gerne zu, mag Menschen um sich. „Mein Motto ist: ,nur kein Stress’“, erklärt sie.

Sie hat auch kein Problem damit, wenn Leute hereinkommen, herumstöbern und wieder hinausgehen, ohne etwas gekauft zu haben. „Das ist eben so, das gehört doch mit zum Geschäft.“ Sie hat gute Verbindungen zu anderen Flohmärkten – zum Beispiel in Hamburg. „Von dort bekomme ich sehr interessante Sachen“, erzählt sie. Doch vieles von dem, was Hilda Pape anbietet, stammt aus Grevesmühlen und Umgebung. Auch die alte DDR-Fahne, die zurzeit an der Wand des Ladens hängt. Sie ist ein Geschenk von einer 93-jährigen Grevesmühlenerin. Daneben hängt die kanadische Flagge – und natürlich auch die Grevesmühlener Flagge findet sich dort.

Annett Meinke

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