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Von Vulkanisieranstalt zu Auto Roolf

Wismar Von Vulkanisieranstalt zu Auto Roolf

Wismarer Handwerksunternehmen wurde vor 90 Jahren gegründet

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Im Jahr 1936 wurde die Vulkanisierwerkstatt im Keller des Hauses in der Lübschen Straße 80 in Wismar eingerichtet. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1985. FOTOS (2): SAMMLUNG DETLEF SCHMIDT

Wismar. Hans Roolf ist gerade 24 Jahre alt, als er am 21. Februar 1927 mit einem Barvermögen von 13,50 Reichsmark auf dem Hinterhof in der Lübschen Straße 46 eine „Vulkanisieranstalt“ eröffnet. Eine strategisch gute Lage an der Hauptverkehrsstraße zwischen Lübeck und Rostock – hier mussten sie alle vorbeikommen. Damit gehört das heutige Unternehmen „Auto Roolf“ mit zu den ältesten Firmen der Hansestadt, die durchgängig in Familienhand verblieben.

OZ-Bild

Wismarer Handwerksunternehmen wurde vor 90 Jahren gegründet

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Hans Roolf war überzeugt, dass er es trotz der geringen finanziellen Mittel schaffen würde. Er reparierte unter anderem Förderbänder und natürlich Reifen aller Fahrzeugarten. Um die zahlreichen Kundennachfragen zu befriedigen, kam wenig später der Handel mit Reifen dazu. 1929 heiratete Roolf Anneliese Rickert, die nun beide den „Unternehmerwagen“ zogen. Während Hans in der Werkstatt arbeitete, brachte Anneliese die fertigen Schläuche und Reifen zu den Kunden in der Stadt, aber auch in der Region. Dies alles ohne eigenes Fahrzeug, sondern zu Fuß und mit der Bahn. Die Kunden wussten das zu schätzen. Es ergab sich zwangsläufig, dass die alten Werkstatträume zu klein wurden. Das Paar erwarb das Haus Lübsche Straße 80. Am alten Standort hatte Hans Roolf eine Tankstelle eingerichtet.

Umbauarbeiten machten den neuen Standort attraktiver, den man mit einer Zufahrt von der Wallstraße erreichen konnte. 1936 wurde die Vulkanisierwerkstatt im Keller eingerichtet und die Werkstatt in der Lübschen Straße 46 ganz aufgegeben. Ende 1934 wurde Hans Roolf jun., der einzige Sohn von Hans und Anneliese Roolf, geboren.

Die Geschäftslage entwickelte sich sehr gut. 1937 betrugen die Umsätze schon 175378 Reichsmark. Unterstützt wurde das Paar nun von zwei Monteuren, einem Buchhalter und einer Stenotypistin.

Wie überall war der Beginn des Krieges 1939 auch eine Zäsur bei Reifen Roolf. Hans Roolf wurde zur Wehrmacht eingezogen. Vorsichtshalber übertrug er seiner Frau die Prokura fürs Unternehmen. 1940 musste Anneliese Roolf wegen der Rationierung von Treibstoff die Tankstelle schließen und demontieren. Mit zunehmender Kriegsdauer kam der Reifenhandel zum Erliegen. Nun wurden nur noch alte Reifen und Schläuche geflickt. Arbeit gab es genug. Die hörte auch nicht auf, als Wismar zuerst von den Engländern und ab 2. Juli 1945 von der Roten Armee besetzt wurde. Hans Roolf kam aus dem Krieg zurück, und die Rote Armee brachte jede Menge von Reparaturen.

Ab 1949 übernahm Anneliese Roolf die Geschäfte des Betriebes allein und bekam gleichzeitig Gegenwind, denn die Handwerkskammer hatte Bedenken, dass eine Frau ein Unternehmen alleine führen kann. Erst das energische Auftreten mit dem Hinweis auf die über 20-jährige Selbstständigkeit räumte alles aus dem Weg. Ab 1952 firmierte das Unternehmen dann unter der Bezeichnung „Hans Roolf, Vulkanisierwerkstatt und Runderneuerungen“ und beschäftigte acht Mitarbeiter. Die Meisterprüfung hatte Anneliese Roolf nie abgelegt. Sie hatte keine Zeit, sich auf die Prüfung vorzubereiten, da sie täglich selbst in der Werkstatt stehen und dort als Frau die schmutzigen und körperlich anstrengenden Arbeiten erledigen musste, die sonst nur Männer machten. 1954 war das Unternehmen zum umsatzstärksten Vulkanisierbetrieb in Wismar geworden. Zwischenzeitlich hatte Hans Roolf jun. sein Abitur an der Großen Stadtschule abgelegt. Er fing im elterlichen Betrieb an, um die Familientradition fortzusetzen. 1956 war Hans Roolf jun. frisch gebackener Vulkaniseur, 1959 legte er seine Meisterprüfung ab. 1956 heiratete er Gerda Beyer. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Benno, Andrea und Michael hervor. Am 1. Februar 1960 übernahm Hans Roolf mit seiner Gerda den Handwerksbetrieb, der den Namen seines Vaters trug. Nun konnte die Firma endlich in die Handwerksrolle eingetragen werden.

Ab 1. August 1979 wurde Hans Roolf von seinem Sohn Michael in der Firma unterstützt. Michael Roolf hatte eine zweijährige Vulkaniseur-Ausbildung absolviert, und im Juni 1979 bestand er seine Facharbeiterprüfung. Im April 1984 legte auch Michael Roolf seine Meisterprüfung erfolgreich ab. Am 1. August 1990 übernahmen Michael und seine Ehefrau Heidelore Roolf die Firma und gründeten die Roolf Reifen & Autoservice GmbH. Schnell wurde klar, dass die Kapazitäten am alten Standort erschöpft sind. Es ergab sich die Gelegenheit, die ehemalige Betriebskantine des KIB Wismar in der Schweriner Straße zu erwerben, die sie dann zum heutigen Unternehmen ausbauten. Hier wurde 1992 auch das Mazda-Autohaus eröffnet. Der Unternehmensbereich des Mazda-Autohauses wird seit 2006 gemeinschaftlich mit dem Autohaus Sachs betrieben. Während der Neuwagenverkauf vom Autohaus Sachs betreut wird, liegen der Gebrauchtwagenverkauf und der Werkstattservice in der alleinigen Verantwortung des jetzt als Auto Roolf GmbH & Co. KG firmierenden Familienunternehmens. Derzeit beschäftigt das Unternehmen insgesamt 13 Mitarbeiter.

Was sonst noch geschah

21. Februar 1952: Beschluss über die Benennung der Wendorfer Straßen nach Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid und den Kommunisten Etkar Andre, Katja Niederkirchner, Rudi Arndt, Bruno Tesch, Hanno Günther, Liselotte Herrmann.

24. Februar 1859: Hauptwache am Markt wird fertiggestellt.

25. Februar 1869: Abbruch des Lübschen Tors.

26. Februar 1992: Die Wismarer Werft wird von der Belegschaft besetzt, um eine schnelle Entscheidung zur Privatisierung herbeizuführen.

Detlef Schmidt

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