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Wismar Von der Kiellegung bis zum Stapellauf
Mecklenburg Wismar Von der Kiellegung bis zum Stapellauf
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00:09 10.04.2018
1952 wurde bei der Mathias- Thesen-Werft Wismar die Fachausbildung für Schweißer eingeführt. Günter Warstat (Mitte) aus Moitin gehörte zum ersten Jahrgang. Quelle: Foto: Privat

„Wir waren die Versuchskaninchen. Das haben sie uns auch immer gesagt.“ Wohl auch deswegen ist Günter Warstat seine Ausbildungszeit bei der Mathias-Thesen-Werft Wismar auch heute noch sehr präsent. 1952 hat der heute 81-Jährige seine Lehre begonnen, die damals ein Unikum war: Warstat gehörte zum ersten Jahrgang, der eine Fachausbildung zum Schweißer machte. „Schweißer gab es natürlich auch vorher schon, aber nicht als Ausbildungsberuf“, erzählt er.

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Günter Warstat gehörte zu den Ersten, die mit einer Fachlehre zum Schweißer ausgebildet wurden

So genau wusste damals niemand, was später aus den Männern und Frauen wird. Deswegen wurden für die zwei Jahre, in denen sie lernten, auch keine neuen Lehrlinge eingestellt. Als dann klar war, dass alle gut untergekommen sind, wurde die Ausbildung etabliert und sogar auf drei Jahre erweitert.

Bis 1961 war Warstat auf der Werft tätig. „Ich war in der Vormontage tätig. Dort wurden die einzelnen Schiffsteile zusammengeschweißt.“ Aber auch in die späteren Arbeiten sei er involviert gewesen, sagt Warstat. Eines der bekanntesten Schiffe, an denen der Moitiner mitarbeitete, war der Eisbrecher „Krasin“. Er habe die Nietenlöcher geschweißt, erzählt er. Die Erinnerung daran ist für ihn allerdings nicht die positivste. „Das war schon fast so etwas wie Straf-

arbeit.“

Erzählt er von seiner Arbeit am Urlauberschiff „Fritz Heckert“, ist Warstat dagegen Feuer und Flamme. „Ich bin von der Kiellegung bis zum Stapellauf dabei gewesen.“ Wenn er sich die Bilder im Internet anschaut, kann Warstat einige Stellen, die er geschweißt hat, genau benennen: den Stahlguss vorne am Bug, die Vorsteven und die Ankerklüse zum Beispiel.

Die Erinnerung an die Zeit in Wismar ist für Warstat zwiegespalten. Einerseits denke er gern an die Brigade zurück, andererseits sei das politische Klima nichts für ihn gewesen. „Viel sagen durfte man nicht. Das wurde über die Zeit immer schlimmer“, sagt Warstat. Eine Atmosphäre, die schnell um sich griff und ihn zur Flucht trieb: 1961, ein knappes halbes Jahr vor der Errichtung der Berliner Mauer, ist Warstat gemeinsam mit seiner Mutter und den beiden Brüdern in den Westen gegangen.

Im Saarland fand die Familie schließlich ein neues Zuhause. Bereut habe er diesen Schritt nie, sagt der 81-Jährige. Seine Ausbildung zum Schweißer half ihm, in der Wahlheimat schnell eine Anstellung zu finden. Warstat kam in einer Baufirma unter, der er 40 Jahre lang treu blieb. „Da bin ich aufgelebt, das war ein richtiges Glücksgefühl.“

Er sei so gerne zur Arbeit gegangen, dass er freitags traurig war, dass die Woche vorbei war, erzählt der Rentner. 2001 kam Warstat wieder nach Mecklenburg, lebt jetzt in Moitin, einem Dorf in der Gemeinde Carinerland. Doch auch wenn der Weggang für ihn die richtige Entscheidung war – ganz vergessen konnte Günter Warstat seine Zeit in Wismar nie.

Zumal ihn die Ausbildung zum Schweißer mit genau den Fähigkeiten ausstattete, die ihm bei seiner späteren Arbeit viel nutzten. Fachlich sei die Ausbildung auf der Werft einfach sehr gut gewesen, sagt er.

Denn während die „normalen“ Schweißer vor allem das Handwerkliche im Blick hatten, bekamen Warstat und die anderen Lehrlinge seines Ausbildungstrupps auch sehr viel theoretisches Rüstzeug mit auf den Weg. Materialaufbau und Werkstoffkunde seien zum Beispiel Themen gewesen, mit denen sich die anderen Schweißer gar nicht beschäftigten.

Als Erinnerung an die Anfangsjahre seines Berufslebens hat Warstat ein Foto aufgehoben. Darauf sind die Jungen und Mädchen zu sehen, die mit ihm die Lehre anfingen. Nach seiner Rückkehr in die alte Heimat nahm er zu einem seiner ehemaligen Kollegen Kontakt auf, aus Interesse. Was aus den anderen wurde, wisse er leider nicht.

Christina Milbrandt

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