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Wismar Vorgetäuschte Messerattacke: Julian K. zu Arrest verurteilt
Mecklenburg Wismar Vorgetäuschte Messerattacke: Julian K. zu Arrest verurteilt
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00:01 09.11.2016
Julian K. wurde vom Amtsgericht Schwerin wegen Vortäuschens einer Straftat zu zwei Freiheitsarresten verurteilt. Quelle: Daniel Heidmann

/Wismar. Der Rummel ist Julian K. sichtlich unangenehm. Als er auf den Aufruf in den Gerichtssaal des Amtsgerichtes Schwerin wartet, dreht der 19-Jährige den wartenden Fotografen, Filmkameras und Journalisten demonstrativ den Rücken zu. Mehrfach schaut er nervös über die Schulter, dann immer wieder auf sein Handy. Er wechselt Worte mit seiner schwangeren Freundin. Augenblicke später trifft sein Rechtsanwalt ein.

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Der 19-Jährige hatte im Januar Anzeige erstattet und behauptet, Rechtsradikale hätten ihn angegriffen / Im Amtsgericht Schwerin zeigt sich der Ex-Politiker der Linken geständig

Womöglich hat sich zum angeblichen Tatzeitpunkt vieles in seiner Gedankenwelt vermischt.“Verteidiger von Julian K.

Dann betritt K. mit gesenktem Haupt den Gerichtssaal. Er hält sich zurück, verfolgt ohne viele eigene Worte die Verhandlung. Das Sprechen übernimmt sein Anwalt. „Wir stimmen der Anklageschrift zu“, beginnt der Jurist eine Erklärung zu verlesen. „Jeder hat erkannt, dass da etwas nicht stimmen kann. Mein Mandant wird zur Tat nichts mehr sagen.“

Es geht um den 4. Januar 2016: An diesem Tag ist K. von drei Personen nahe des Bahnhofs in Wismar angegriffen worden. Das hat der ehemalige Politiker der Linken zumindest der Polizei angegeben, als er einen Tag später Anzeige erstattet. Unter anderem hätten die Täter ihn mit einem Messer angegriffen und ihm mehrere Schnittwunden zugefügt. Die Personen verortet er in die rechtsradikale Szene. Sie hätten weiße Kleidung der Marke „Thor Steinar“ getragen und ihn als „schwule Kommunistensau“ oder „dreckige Zecke“ beschimpft. Es sei eine politisch motivierte Tat gewesen, sagte der damals 18-Jährige aus.

Doch wirklich passiert ist das alles nicht. Den Angriff in Wismar hat sich K. ausgedacht. Die Schnittwunden, die der Student damals auch im sozialen Netzwerk Facebook auf Bildern dokumentierte, hatte er sich selbst zugefügt. Schon wenige Tage nach der Anzeige verstrickte sich K. bei seinen Schilderungen zum Tathergang in Widersprüche. Ermittler erkannten zudem schnell Merkmale einer Selbstverletzung. Aus dem Ankläger wurde ein Angeklagter.

„Was hier heute nicht so wirklich klar wird, ist warum der Angeklagte diese Straftat vorgetäuscht hat“, bemerkt der Staatsanwalt. Die Verarbeitung vergangener Ereignisse, Selbstdarstellung, aber auch psychische Hintergründe würden eine Rolle spielen, erklärt der Verteidiger. K. sei kurz vor seinen Abiturprüfungen am Schweriner Goethe-Gymnasium im Jahr 2015 zwei Wochen lang in stationärer Behandlung gewesen. Wahrnehmungsstörungen und Erinnerungslücken hätten ihn geplagt. Eine konkrete Diagnose habe es nicht gegeben, doch seien diverse Symptome festgestellt worden. „Womöglich hat sich zum angeblichen Tatzeitpunkt vieles in seiner Gedankenwelt vermischt. Aus dieser Nummer ist er dann nicht mehr herausgekommen“, erklärte der Verteidiger. Der folgende Rummel um seine Person habe ihn schließlich sogar dazu bewogen, sein Studium nicht in Wismar, sondern in Dresden weiterzuführen.

Laut Schweriner Jugendamt habe K. zuvor nie „schädliche Neigungen“ gezeigt oder sei anderweitig aufgefallen. Die Tat habe mit jugendlicher Unreife zu tun. Deshalb müsse auch das Jugendstrafrecht gelten.

Das sieht auch der Staatsanwalt so. Doch trotz der bisher weißen Weste und des Geständnisses plädiert er für eine Woche Dauerarrest. „Der Angeklagte hat durch sein Vortäuschen eine erhebliche Ermittlung ausgelöst. Dafür muss es eine deutliche Warnung geben.“ K.s Anwalt entgegnet diesem Antrag: „Wir haben es hier nicht mit einem Gewalttätigen zu tun. Mein Mandant hat eine Dummheit gemacht.

Und ein Arrest wäre kontraproduktiv wegen der bekannten psychischen Probleme.“

In Erwartung des Urteils reibt K. nervös seine Hände aneinander. Sein Blick ist fest auf den Tisch gerichtet. „Der Angeklagte wird zu zwei Wochenenden in einer Arrestanstalt im Land verurteilt. Die Kosten des Verfahrens muss er nicht tragen“, verkündet der Richter. Der 19-Jährige nimmt den Schuldspruch stumm und scheinbar emotionslos hin. „Durch die Anzeige und die damit ausgelösten Ermittlungen sind Folgen für die Allgemeinheit entstanden“, erklärt der Richter. K. sei von seiner eigenen Handlung überfahren worden. „Die Tat ist zu schwerwiegend, um sie mit Arbeitsauflagen zu bestrafen“, begründet der Richter weiter. K. hat nun eine Woche Zeit, um Revision oder Berufung einzulegen.

Daniel Heidmann

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