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Wismar Weihe für ein Monsterprojekt
Mecklenburg Wismar Weihe für ein Monsterprojekt
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00:01 14.07.2018
Das Modell des von den Nazis geplanten riesigen Aufmarschgeländes in Rostock. REPROS: WERNER GESKE

/Schönberg. „Ich zählte zu den Mitgliedern des BDM (Bund Deutscher Mädel), die am Morgen des 11. Juni 1939 vom Schönberger Bahnhof mit einem Sonderzug zum Gautag der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) nach Rostock fuhren. Im Zug, der aus Lübeck kam, saßen Hunderte Mitglieder der Hitlerjugend und des BDM“, schreibt die damals 16 Jahre alte Zeitzeugin Liselotte Jarmer in ihren Erinnerungen. Die gebürtige Schönbergerin starb 2015 im Alter von 92 Jahren.

Auf ihrem Gautag 1939 feierten die Nazis den ersten Bauabschnitt

Gegen Mittag auf dem Rostocker Hauptbahnhof angekommen, sei man dann von dort bei strahlendem Sonnenschein in langen Kolonnen zum Aufmarschgelände an der Adolf-Hitler-Straße (heute Kopernikusstraße) gezogen: „Viele Leute standen am Straßenrand und winkten uns zu. Ich kann mich noch gut an die mit unzähligen Fahnen und Wimpeln geschmückten Häuser erinnern. Und als wir dann auf dem riesigen Festplatz mit seinen voll besetzten, lang gestreckten Tribünen ankamen, gab es wohl kaum jemand, der nicht von dieser Kulisse beeindruckt war“, heißt es bei der Teilnehmerin. Die aus ganz Mecklenburg angereisten 72 000 Teilnehmer erlebten einen militärisch geprägten Gauparteitag, bei dem es Gauleiter Friedrich Hildebrandt (1898-1948, als Kriegsverbrecher hingerichtet) bei seiner Rede vor den versammelten Zehntausenden nicht versäumte zu erwähnen, dass „Adolf Hitler ein Volk in Waffen“ geschaffen habe und „dieses deutsche Volk immer wieder im Glauben und Fanatismus für die Idee marschieren“ werde. Keine drei Monate später marschierten deutsche Soldaten und besetzten Polen. Hitler hatte den Zweiten Weltkrieg vom Zaum gebrochen, in dem Millionen Menschen ihr Leben verloren.

Die Masse der Nazi-Anhänger war am Ende desillusioniert. Im Juni 1939 folgten jedoch auch in Rostock noch Zehntausende den faschistischen Parolen.

Rostock war von Gauleiter Hildebrandt auch deshalb vom 8. bis 11. Juni 1939 zum Ort der Veranstaltung bestimmt worden, weil der erste Bauabschnitt eines monströsen Aufmarschgeländes seine Weihe erleben sollte. Mit diesem Areal wollte Hildebrandt Ähnliches schaffen, wie es bereits mit dem Berliner Reichssportfeld oder dem Nürnberger Parteitagsgelände existierte. Die Mecklenburger Nazi-Oberen wollten angesichts der Tatsache, dass Rostock gerade eben zu Deutschlands jüngster Großstadt geworden war, in der Stadt bedeutende Rüstungsbetriebe mit einer starken Arbeiterschaft existierten und es zudem eine große Nazi-Anhängerschaft gab, unbedingt ein eindrucksvolles Areal für Feiern und Aufmärsche entstehen lassen. Der Plan sah vor, zwischen Adolf-Hitler-Straße und Barnstorfer Wald ein Forum gewaltigen Ausmaßes zu schaffen, zu dem auch ein sogenannter Thingplatz gehörte (später Platz der Jugend). Die Bauarbeiten begannen 1936. Zunächst machten sich die Bauleute daran, den direkt an der Hitlerstraße liegenden Aufmarschplatz zu schaffen. Entlang einer Nord-Süd-Achse wuchsen hohe, lang gestreckte Wälle. Sie waren dazu bestimmt, große Tribünen zu tragen. Zwischen diesen befand sich ein großes Feld für Aufmärsche, auf dem mindestens 50000 Menschen Platz fanden. Die Ost- und Westseiten dieses Geländes erhielten eine Böschung. Diese sollte später gleichzeitig auch als Böschung einer Kampfbahn und einer Schwimmbahn dienen. Westlich des Geländes waren nämlich Kampfbahn und Sportübungsplätze, östlich, gegenüber dem Hansaviertel und der Klinik, eine Schwimmbahn und kleinere Spielplätze vorgesehen. Ziel war es, den Aufmarschplatz, der in Dokumenten jener Zeit auch als „Stadion der Seestadt Rostock“ bezeichnet wird, bis zum Gautag 1939 fertigzustellen.

Anschließend war vorgesehen, auf dem höchsten Punkt dieses Geländes nahe den Barnstorfer Tannen, eine Halle für Kongresse, Sportveranstaltungen, Festspiele und Ausstellungen zu errichten. Bis zu 20 000 Besucher sollte der Bau fassen. Jeder von ihnen hätte dabei von seinem Sitzplatz aus beste Sicht gehabt. Die Seitenhallen sollten um 2,40 Meter höher als die Mittelhalle liegen, um unter ihnen geräumige Wandelhallen einzubauen. Die gesamte Südseite der Mittelhalle war der Orchester-, Orgel- und Bühnenanlage vorbehalten. Die Halle sollte vielseitig und leicht unterteilbar verwendbar sein.

Verschiebbare Wände zwischen der Mittel- und den drei Seitenhallen in Ost-, Nord- und Westseite sollten es deshalb möglich machen, die einzelnen Hallensegmente sowohl allein als auch in Verbindung mit einer, zwei oder drei Seitenhallen zu nutzen. Um das zu erreichen, hatten die Planer vor, die 70 mal 50 Meter große Mittelhalle mit je einer Seitenhalle von 20 Metern Breite an der Ost-, Nord- und Westseite zu verbinden. Und um auch Kundgebungen unter freiem Himmel durchführen zu können, plante man den Hallenbau terrassenartig zu gliedern.

Gleichzeitig mit Baubeginn wurde 1936 ein Wettbewerb für die Vorbereitung der Denkmalgestaltung auf dem Gelände vorbereitet. Der Komplex zwischen Halle und Adolf-Hitler-Platz (heute Platz der Freiheit), verbunden durch das Aufmarschgelände, sollte mit seinen Dimensionen und Skulpturen beeindrucken, und das Denkmal auf dem „Platz des Führers“ selbst den Höhepunkt der Anlage bilden. Die Leitung der Gutachterkommission übernahm der Gauleiter persönlich. Auch der Hamburger Architekt Erich zu Putlitz gehörte ihr an. Er hatte die Pläne für die monumentale Kongresshalle auf dem Gelände entworfen. Gemeinsam mit dem Berliner Bildhauer Josef Thorak entschieden sie sich für den Entwurf des Bildhauers Arno Breker, der auf dem Platz des Führers verwirklicht werden sollte. Um Zeit zu gewinnen und eine öffentliche Ausschreibung zu umgehen, wandte sich die Gauleitung an ausgewählte Bildhauer und forderte sie auf, am Wettbewerb teilzunehmen. Zu den angesprochenen Mecklenburger Künstlern zählten Wilhelm Wandschneider, Wilhelm Löber, Paul Wallat und Ernst Wossidlo. Der damals auf dem Fischland lebende Bildhauer Gerhard Marcks, der ebenfalls teilnehmen sollte, zerstörte das Modell einer von ihm entworfenen Steinfigur, als seine Werke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München von den Nazis an den Pranger gestellt wurden.

Zur Ausführung kamen weder die pseudokünstlerische Gestaltung des Areals noch die Errichtung der Halle und weiterer Bauten. Der Krieg machte den hochtrabenden Plänen ein Ende. Mit dem Bau des Ostseestadions Anfang der 1950er Jahre verschwanden die Überreste des Aufmarschplatzes. Die Erdwälle wurden für das Stadionfundament genutzt.

Heimatserie – Heute: Als Rostock ein Aufmarschgelände bekommen sollte

Der Gau war eine regionale Verwaltungseinheit der NSDAP, die entsprechende Einteilung gab es ab Mitte der 1920er Jahre. Anfang der 1940er Jahre gab es insgesamt mehr als 40 Gaue.

Zum Gau Mecklenburg-Lübeck gehörten dem Namen gemäß Mecklenburg und die Stadt Lübeck. Letztere allerdings nur bis zum 31. März 1937. Damals wurde das sogenannte Groß-Hamburg-Gesetz in Kraft gesetzt, mit dem zum einen das Staatsgebiet von Hamburg erweitert wurde, andererseits erfolgten weitere territoriale Änderungen in Norddeutschland. Dazu gehörte unter anderem, dass Lübeck seine territoriale Eigenständigkeit verlor und zu einem Teil der Provinz Schleswig-Holstein wurde.

Dem Gau als NSDAP-Verwaltungseinheit stand auf der Staatsebene das Land Mecklenburg gegenüber.

In Schwerin befand sich die Gauleitung, mit einem Vertreter in Lübeck. Als Hauptstadt sollte Schwerin ausgebaut werden – was unter anderem dazu führte, dass mehrere Kommunen (beispielsweise Mueß) eingemeindet wurden und sich das Stadtgebiet dadurch mehr als verdoppelte. Neben dem Ausbau von Wasserstraßen gehörten auch Projekte für NS-Bauten zu den Plänen für die Hauptstadt. Dies betraf unter anderem die Umgestaltung des Alten Gartens zum Gauforum. Mitte der 1930er Jahre war das Denkmal von Großherzog Paul Friedrich auf die Schlossinsel verlegt worden, um an dieser Stelle Platz für eine Rednertribüne der NS-Gauleitung zu schaffen. Im Juli 2011 ist das Denkmal des Großherzogs wieder an seinen ursprünglichen Platz vor der Treppe des Museums zurückversetzt worden.

Zentren der Macht

Aufmarschplätze und Gauforen sollten in den Städten die Zentren der Macht im Dritten Reich symbolisieren. Gigantisch konzipiert verdeutlichten sie die Zentralisierung des Führerstaates. Das Forum verband Verwaltungsgebäude und Aufmarschplatz im Karree. Solche

Projekte entstanden ab 1936/37 in

einem großen Bauprogramm. Dabei war beabsichtigt, den geschlossenen Komplex, bestehend aus Halle,

Gauhaus, Glockenturm und Platz,

als neues Zentrum den historischen Stadtkernen gegenüberzustellen.

Werner Geske

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