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Weniger Kunden in der City

Grevesmühlen Weniger Kunden in der City

Verödet das Zentrum nach der Eröffnung des Supermarktes und der Markant-Schließung?

Grevesmühlen. Das neue Einkaufszentrum mit Aldi, Markant und weiteren Läden auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes in Grevesmühlen hat seit Anfang März geöffnet. Die OZ wollte jetzt wissen, wie es um die von vielen Händlern und Stadtvätern befürchtete weitere Verödung der Innenstadt steht. Gerade wegen der Verlagerung des Markant-Standortes vom Lustgarten in Richtung Bahnhof war das vermutet worden.

Umfrage unter Kunden

Das Fazit einer nicht repräsentativen Umfrage unter 35 Kunden des neuen Einkaufszentrums: 22 Personen der 19 befragten Frauen und 16 Männer im Alter von 30 bis 83 Jahren erklärten, dass sie ihre Einkaufsgewohnheiten in Bezug auf die Innenstadt beibehalten haben: Heißt: Sie gehen ebenso oft beziehungsweise selten ins Zentrum.

Lediglich sechs erklärten, sie würden nun seltener in die Innenstadt gehen, zwei meinten, sie kämen jetzt öfter, drei waren auch zuvor kaum da und zwei überhaupt noch nicht. 20 der Befragten sind in Grevesmühlen zu Hause — sie wohnen in der Südstadt, genauso wie im AWG-Viertel, in der Innenstadt oder in den Wohngebieten Richtung Wismar. Auswärts leben die Befragten in Blieschendorf, Warnow, Barendorf, Hanshagen, Wahrsow, Damshagen, Diedrichshagen, Rehna, Wotenitz, Upahl, Mühlen Eichsen, Rüting, Boltenhagen und Kiel. Ein Großteil der Kundschaft kaufte zuvor auch schon bei den großen Ketten, nicht alle besuchten beide Märkte.

Ein Befragter freute sich, dass der Schandfleck am Bahnhof endlich verschwunden ist, eine andere meint, der Neubau wäre nicht notwendig gewesen. Und wer in der Nähe der Innenstadt wohne und kein Auto habe, der gehe jetzt zu Fuß auch weiterhin dort seine Lebensmittel einkaufen.

Was sagen die Händler

in der Innenstadt?

Als duster, dunkel und trostlos empfindet Rabea Greiner das Fehlen von Markant. Kein Wunder, schließlich war der Markt für die Trend-Shop-Inhaberin ein direkter Nachbar. „Besonders am Sonnabend und gegen Abend ist es sehr ruhig geworden“, beschreibt die 42-Jährige ihr persönliches Empfinden. Aber die Geschäftsfrau aus Groß Schwansee kennt die Grevesmühlener auch und deren Verhalten. „Die meisten Geschäfte schließen gegen 18 Uhr und dann war ohnehin nicht mehr viel los.“ Nach einem Monat schon Schlüsse ziehen zu wollen, hält sie ohnehin für verfrüht. Und wie sieht es mit der eigenen Kundschaft aus? Das Sortiment der Supermärkte an Schreib- und Spielwaren sei nur begrenzt. „Ich glaube, da muss ich keine Angst haben.“

„Die Anzahl der Kunden ist gleich geblieben“, sagt Verkaufsstellenverwalterin Erika Poburski für die Rossmann-Filiale. Die 55-Jährige habe keine Veränderung festgestellt. Außerdem weiß sie, dass die Kunden die Werbeaktionen ihres Hauses schätzen. Im Stadtbild von Grevesmühlen aber, meint sie, würden Menschen fehlen. „Es sind weniger unterwegs.“

Für Mareike (43) und Michael Nagel (44) vom gleichnamigen Bastelladen in der Wismarschen Straße sieht es auch nach weniger Bewegung aus in der Stadt. Für das Ehepaar steht aber außerdem fest:

„Der Wandel, der die Innenstädte auch anderswo aussterben lässt, hält schon länger an. Das geht schon über Jahre so, das hat nicht unbedingt etwas mit dem Umzug von Markant zu tun“, betont Michael Nagel. Andreas Schön, der Vorsitzende des Grevesmühlener Gewerbevereins, der in der Innenstadt auch ein Geschäft für Augenoptik Uhren und Schmuck betreibt, sieht es ähnlich und sagt, durch den Umzug von Markant würde sich diese Tendenz noch leicht verstärkt haben. Für ihn war der Supermarkt so etwas wie ein Innenstadtmagnet. Der 54-Jährige hält den Zeitpunkt jetzt aber noch für zu früh für eine generelle Aussage und zeigt sich sogar optimistisch, denn jetzt habe ja schließlich wieder ein neues Geschäft in der Wismarschen Straße eröffnet.

Auf jeden Fall seien es nicht weniger Kunden, die jetzt in den Frischemarkt Boost in die Bebel-Straße kommen, da sind sich Birte Kosa (38) und Nancy Bartsch (37) von der Verkaufsstelle sicher.

„Eher mehr.“ Gerade morgens, sogar noch vor der offiziellen Öffnungszeit, kämen die Ersten schon Brötchen kaufen.

Stammkunden kommen

zu anderen Zeiten

Das deckt sich mit der Vermutung von Markant-Chefin Cornelia Heine. Auch wenn dem Markt am neuen Standort Stammkunden treu geblieben seien, ihr Einkaufsverhalten hätten sie geändert. Die, die morgens schon zum Frühstück zwei Brötchen, Wurst und die Zeitung geholt haben, glaubt sie, gingen jetzt doch eher in die Innenstadt. Die anderen kämen nicht mehr so oft. Und die 54-Jährige meint: An den Güterbahnhof kämen jetzt Autokunden, „wenn ich schlendern will, gehe ich in die Innenstadt“.

Von Cornelia Roxin

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