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Wenn der Pieper nach 30 Jahren schweigt

Wismar Wenn der Pieper nach 30 Jahren schweigt

„Leute, die meine Väter hätten sein können, musste ich nach Hause schicken. Wolfgang Schmidt, Berufsfeuerwehr

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Freut sich aufs Angeln, Schachspielen und seine Familie – Wismars Feuerwehrchef Wolfgang Schmidt geht in den Ruhestand. FOTO: NICOLE BUCHMANN

Wismar. Das Stehpult hat Wolfgang Schmidt schon vor zwei Wochen aus seinem Büro geräumt. Sein Nachfolger brauche es nicht, sagt Wismars Noch-Chef der Berufsfeuerwehr.

Heute übergibt Schmidt die Verantwortung für 42 Leute an einen Jüngeren, nach 30 Jahren und rund 21 000 Einsätzen.

Schmidt geht zum Schrank, holt Mütze und Uniformjacke heraus. Fürs Abschiedsfoto soll es hinunter gehen in die Fahrzeughalle. Dort, wo Gründungspfeiler von 1928 den Platz limitieren, wo Einsatzleitwagen, Löschgruppenfahrzeug und Rüstwagen von heute millimetergenau hindurchmanövriert werden müssen. Feuerwehrmann – war das ein Jungentraum?

Wolfgang Schmidt schüttelt den Kopf. Zur See wollte der Wismarer. Hinaus in die Welt. Zunächst, so schien es, sollte das klappen. Die Ausbildung zum Vollmatrosen für Maschinenbetriebstechnik bei der Deutschen Seereederei war der erste Schritt. Danach durfte er ein Jahr lang noch den zweiten gehen. Zur See fahren. Bis sie ihn nicht mehr rausließen aus dem Land. „Westverwandtschaft“ wirft Schmidt das Wort knapp in den Raum.

Sie halten ihn hin, bis er die Nase voll hat und geht. Auf der Werft in Wismar findet er Arbeit, wird angesprochen, gefragt, ob er nicht zur Berufsfeuerwehr wechseln will. „Die Perspektiven dort waren besser“, sagt Schmidt und grient. Nach der Ausbildung, so versprachen sie ihm, käme er aufs Feuerwehrlöschboot. Wasser also – auf Umwegen zurück aufs Boot, so war der Plan.

Doch auch dieses Versprechen brechen sie. Schmidt absolvierte das Studium zum Ingenieur für Brandschutz, die Grundausbildung für Feuerwehrmänner in Hoyerswerda. Statt ein Feuerwehrlöschboot zu kommandieren, setzten sie ihn auf den Posten des stellvertretenden Leiters der Berufsfeuerwehr Wismar.

30 Jahre alt ist Schmidt, als er am 1. Oktober 1987 den Chefposten übernimmt. „Ich hatte zittrige Hände, schlaflose Nächte und Herzrhythmusstörungen“, erinnert sich der heute 59-Jährige.

Verantwortlich ist er damals für mehr als 100 Leute – nicht nur für die in der Hansestadt, auch für die im ehemaligen Kreis Wismar. Als die Wende kommt, wird aussortiert. „Leute, die meine Väter hätten sein können, musste ich nach Hause schicken.“ In dieser Hinsicht, sagt er, wolle er diese Zeit nicht noch einmal erleben. Dennoch, blickt Schmidt zurück, gebe es kaum einen Beruf, der so vielseitig sei. „Kein Tag ist wie der andere – das macht es so attraktiv.“ Der Weg zum Berufsfeuerwehrmann aber ist lang. Mit Studium und Ausbildungen dauert er gern zehn Jahre. „Da ist auch Enthusiasmus nötig“, weiß Schmidt. In Rostock, Greifswald und Schwerin, da hätten sie teilweise Jahre gebraucht, bis sie Nachfolger gefunden hätten für den Leitungsposten. In Wismar fehlt der Nachwuchs. „Wir brauchen mehr Leute, als auf dem Markt zu haben sind – ein Problem, das deutschlandweit gilt.“

Dass er nun geht, zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag, stimmt Schmidt froh. „Vor zwei Jahren bin ich in einen Schachverein eingetreten“, erzählt er und grient wieder. „Ich hab mich vorbereitet.“

Ein Campingwagen, Haus und Garten warten, Frau, Kinder und Enkelkinder. Und ein Angelkahn. Hinaus auf See.

Nicole Buchmann

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