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Wismar Wenn wir das größte Kreuzfahrtschiff schaffen, sind wir ganz vorn dabei
Mecklenburg Wismar Wenn wir das größte Kreuzfahrtschiff schaffen, sind wir ganz vorn dabei
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11:33 20.04.2018
Jarmo Laakso (l.), bisheriger Chef von MV Werften, mit seinem Nachfolger Peter Fetten Quelle: Sebastian Krauleidis
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Wismar

Peter Fetten (62) ist der neue Chef bei Mecklenburg-Vorpommerns größter Werftengruppe MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund. Zum 1. Mai übernimmt er das neu geschaffene Amt des Präsidenten und Geschäftsführers (CEO). Die OZ hat mit ihm gesprochen. 

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie der Chef von MV Werften werden wollten?Die interessante Aufgabe.

Wie schwer wird die?Sehr schwer.  Aber ich glaube, die Ansätze sind 100-prozentig da. Trotzdem sind wir noch ein bisschen rostig. Wir haben ein so komplexes Kreuzfahrtschiff noch nicht gebaut. Wir bauen immerhin das nach der Passagierzahl größte Schiff der Welt. Das letzte Schiff, dass wir hier gebaut haben, war ungefähr ein Fünftel so groß. Bei der Fertigung und vor allem der Ausrüstung wird es nicht einfach, die Übersicht zu behalten. Daran müssen wir arbeiten. Jeder muss nach Möglichkeiten suchen, Probleme aus dem Weg zu räumen und Lösungsansätze zu finden.

Was ist Ihr vorrangiges Ziel für dieses Jahr?Die Abläufe, die ein bisschen eingerostet sind, zu stabilisieren, neu organisieren und zu stärken. In den letzten Jahren sind von dieser Komplexibilität hier keine Arbeiten durchgeführt worden. Die Leute müssen wieder die einzelnen Systemzusammenhänge finden. Und da müssen wir daran arbeiten.

Wie motioviert sind Ihre Mitarbeiter?Die Motivation ist keine Frage. Jeder möchte einen guten Job machen. Wir müssen ihnen nur die Prozesse vorgeben. Die Prozesse sind das Ausschlagebende, damit wir erfolgreich sind. Wir hier in Mecklenburg-Vorpommern haben jetzt die Möglichkeit, für die nächsten zehn, 20, 30 Jahre eine Basis zu schaffen. Der Bau von Passagierschiffen wird nicht stoppen. Es gibt begrenzte Kapazitäten auf der Welt und eine ganze Menge Nachholbedarf, wenn jetzt die erste Generation  der Passagierschiffe ausgemustert wird. Im Moment ist die gesamte europäische Werften-Industrie nur ausgelegt für Wachstum, aber nicht dafür, wenn ausgemusterte Schiffe ersetzt werden müssen. Diese Kapazität gibt es Moment noch nicht auf dem Markt. Die erste Generation der Kreuzfahrtschiffe ist jetzt um die 30 Jahren und ist kann nicht mehr lange in Betrieb sein.

Was heißt das?Das eröffnet immense Chancen für unsere Werften. Wenn wir unser Ziel schaffen, dass große Kreuzfahrtschiff der Welt zu bauen, dann sind wir ganz vorne dabei. Aber wir müssen es erstmal beweisen. Und das ist die Aufgabe.

Dafür sind Sie angetreten?Dafür bin  ich angetreten.

Wie gefällt Ihnen Wismar?Super. Wismar ist eine sehr schöne Stadt.

Wollen Sie herziehen oder pendeln?Ich pendel nicht. Ich ziehe hierher.

Wie sind Sie an diesen Job gekommen?Ich kenne meinen Vorgänger, den bisherigen Geschäftsführer Jarmo Laakso, schon seit vielen Jahren. Wir haben mal bei Royal Carribean zusammen gearbeitet und haben Schiffe bei Meyer in Papenburg gebaut. Er mich angerufen und gesagt: „Ich habe da eine super Aufgabe für dich. Hast Du Lust, dir das mal anzuschauen?“ Und ich sagte: Ja. Mich reizt die Aufgabe. Sie ist lösbar und schön, weil sie langfristig ist. Es wird schwierig werden - klar. Aber was heißt das schon. Wenn man was erreichen will, muss man auch Probleme umschiffen. Und das können wir hier ganz gut.

Wird MV Werften in der Branche mittlerweile ernster genommen oder werden die Schiffbaupläne aus Mecklenburg-Vorpommern noch belächelt?Ich bin sicher, dass man über uns redet, da wir das Team permanent verstärken, auch mit den richtigen Leuten. Deshalb hört das Belächeln wahrscheinlich bald auf. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft. Und wir in Deutschland müssen konkurrenzfähig bleiben und das können wir nur, indem wir jeden Tag daran arbeiten und uns nicht zurücklehnen. Dafür sind unsere Lohnkosten einfach zu hoch. Um gegen die Konkurrenz in Italien, Frankreich und Asien bestehen zu können, müssen wir permanent an unseren Prozessen und Arbeitsformen arbeiten - so wie es die  Meyer-Werft in Papenburg seit 50 Jahren erfolgreich macht. Die ist immer Vorreiter für Technologien gewesen. Mit Papenburg müssen wir mithalten können und zumindest auf der gleichen Ebene sein, wenn nicht besser. Meine Aufgabe ist es, MV Werften dorthin zu bringen, dass wir hoffentlich besser sind als alle anderen.

Wie schwer ist es, Fachkräfte und Zulieferer zu finden?Das weiß ich im Moment nicht, dafür ist es noch zu früh. Was Zulieferer angeht, da haben wir gute Möglichkeiten. Was Fachkräfte angeht, wird es sicherlich hier und da einige Probleme geben. Aber Vollbeschäftigung, die sehe ich in spätestens zwei, drei Monaten. Da wird es richtig losgehen. Und dann gibt es auch keine Pausen mehr, sondern es geht kontunierlich weiter. Denn wir müssen jetzt richtig Gas geben  und das wird auch passieren.

Werden Sie auch oft an den anderen Werften-Standorten Rostock und Stralsund sein? Selbstberständlich. Ich möchte mindestens einmal in der Woche in Stralsund sein und einmal in der Woche in Rostock. Wenn mehr erforderlich ist, dann werde ich noch öfters vor Ort sein.   

Schiffbau-Experte mit 40 Jahren Erfahrung

Peter Fetten verfügt über fast 40 Jahre Erfahrung in der maritimen Industrie, sowohl auf Werften- als auch auf Reedereiseite. Der Schiffbau- und Schweißtechnik-Ingenieur begann seine Karriere in Hamburg. Erst auf der Norderwerft, danach für 16 Jahren in Führungspositionen bei Blohm+Voss. Anschließend wechselte er zu Kreuzfahrt-Reedereien: Bei Royal Caribbean in Miami war er als Vize-Chef acht Jahre lang für Neubauten zuständig. Hier arbeitete er mit dem späteren MV-Werften-Geschäftsführer Jarmo Laakso zusammen.

2009 wechselte er zur US-Firma Carnival Cruises, wo er für Umbauten von Kreuzfahrtschiffen zuständig war. Seine Arbeit in Wismar beginnt offiziell am 1. Mai.

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