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Wismar „Wichtiger Baustein der Erinnerungskultur“
Mecklenburg Wismar „Wichtiger Baustein der Erinnerungskultur“
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01:35 04.05.2018
An der Gedenkstätte Cap Arcona am Schwarzen Busch auf der Insel Poel wurde gestern der Toten der Schiffskatastrophe vom 3. Mai 1945 gedacht. Vertreter von Politik, Kirche und Sport sowie Jugendliche der Poeler Schule und der Kreismusikschule gestalteten das Programm. FOTOS (5): HEIKO HOFFMANN
Am Schwarzen Busch

Die beiden Poeler Schüler Vivien Paleit (15) und Marvin Kypke (16) erinnern in einer traurigen Reise an den 3. Mai 1945. Britische Bomber hatten die „Cap Arcona“ und die „Thielbek“ in der Lübecker Bucht versenkt. Nazi-Deutschland hatte es in den letzten Kriegstagen darauf abgesehen. Tausende Menschen waren an Bord, KZ-Häftlinge sollten nicht „lebendig in die Hand des Feindes fallen“, ist auf der neuen Informationstafel aus Glas zu lesen. Und weiter: „Wie viele davon erschossen wurden, verbrannten oder beim Versuch, an Land zu schwimmen, ertranken, ist unbekannt. Da die Wassertemperatur an dem Tag nur 8 Grad betrug, konnten die meisten Häftlinge sich nicht schwimmend ans Ufer retten. Man kann jedoch davon ausgehen, dass etwa 8000 Menschen ihr Leben verloren.“

Gedenkstätte für Opfer der „Cap Arcona“ von 1945 renoviert und wiedereröffnet / 90 000 Euro investiert

Für Marvin Kypke ist es „unglaublich, was sich damals ereignet hat“. Vivien Paleit hat sich intensiv mit diesem Teil der Geschichte auseinandergesetzt. „Das ist sehr interessant“, vieles habe sie vorher nicht gewusst.

Gestern, 73 Jahre nach der Schiffskatastrophe, wurde an der Gedenkstätte Cap Arcona am Schwarzen Busch an die Gräueltaten erinnert. Tote Häftlinge trieben auch an Stränden vor der Insel Poel. In der Gräberliste existiert ein Nachweis von 34 bestatteten Kriegsopfern.

Bürgermeisterin Gabriele Richter (ptl.) sprach gestern von einem bewegenden Augenblick. „Nach vielen Jahren der Diskussion können wir endlich die Gedenkstätte nach erfolgter Sanierung einweihen. Mir persönlich war es sehr wichtig, dass die Gedenkstätte wieder ein würdiger Ort des Erinnerns und der Mahnung wird.“

Für 97 000 Euro aus Landesmitteln wurde die Gedenkstätte auf Vordermann gebracht. Die Bodenplatten waren stark verwittert und brüchig, die Einfassungsmauer drohte einzustürzen, Wege waren durch Baumwurzeln aufgebrochen. All das wurde erneuert. Hingucker ist eine Informationstafel, die an das Geschehen in Wort und Bild erinnert.

„Was fangen wir mit dem Ereignis vor 73 Jahren an?“, fragte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) die Gäste der Einweihung, darunter viele Schüler der Regionalschule. Traditionell übernehmen die Achtklässler die Pflege der Gedenkstätte. Für die Ministerin ist angesichts von Rassismus und Gruppenwahn wichtig, gegen Intoleranz vorzugehen und für Grundwerte einzutreten.

Die Bürgermeisterin spricht von einem „wichtigen Baustein der Erinnerungskultur“. Die Gedenkstätte sei „ein Lernort für die künftigen Generationen, um das Wissen über das historische Geschehen im Bewusstsein der Menschen wachzuhalten“.

Das meinte gestern auch Landrätin Kerstin Weiss (SPD): „Wer sich der Vergangenheit nicht stellt, hat kein Fundament für die Zukunft.“ Ein Ende des Erinnerns dürfe es niemals geben. Die Gedenkstätte für die Cap-Arcona-Katastrophe am Schwarzen Busch wurde zwischen 1946 und 1950 angelegt. 1979 wurde das Ehrenmal vom inzwischen verstorbenen Maler und Grafiker Rolf Möller künstlerisch umgestaltet.

Nun die Aufwertung.

Der Poeler Pastor Pastor Johannes Staak hielt gestern ein Friedensgebet, die Gruppe „Saxophonia Concertante“ von der Kreismusikschule sorgte für die musikalische Umrahmung, die Schüler Emma Broska und Julien Dombrowsky trugen das Gericht „Der einfache Frieden“ von Gisela Steineckert vor, Wilfried Beyer vom Poeler Sportverein warb für den Cap-Arcona-Gedenklauf, der seit vielen Jahren im September veranstaltet wird. Für die Bürgermeisterin ist wichtig, dass aus der Geschichte Lehren gezogen werden. „Wir sehen das unsägliche Leid, dass Tausenden Menschen in vielen Teilen der Erde zugefügt wird. Deshalb dürfen wir niemals aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt vor Augen zu führen“, so Gabriele Richter.

Heiko Hoffmann

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