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Wismar Wildschwein zum Frühstück
Mecklenburg Wismar Wildschwein zum Frühstück
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08:30 18.10.2017
Unmittelbar vor Janina Weigels Terrasse in der Gartenstraße haben Wildschweine sich durch den Rasen gepflügt. Quelle: Nicole Buchmann
Wismar

Durchwühlte Hinterhöfe, abgefressene Blumen und Besuch bis vor die Frühstücksterrasse - Wismars Wildschweine rücken den Menschen auf den Pelz. Ob in der Poeler Straße (OZ berichtete), am Mühlenteich, am Ostseeradfernweg in Redentin oder in der Gartenstraße - die Meldungen über Wildschweine häufen sich. Für Jäger Jörg Bernier kein Wunder: Allein im vergangenen Jahr hätten die Jäger auf 1800 Hektarn in Wismar 110 Sauen geschossen. Die Population also wächst.

Die „Wildschweinopfer“ hören zu und schütteln den Kopf. Von der Zusammenkunft mit Bernier erhoffen sie sich Lösungen. „Sie staunen nicht schlecht, wenn Sie morgens die Gardine vorm Fenster wegziehen und alles bis an die Terrasse ran zerwühlt ist“, sagt Günter Weigel. Weigel wohnt mit seiner Frau im Parterre. Ein kleiner Holzzaun hat bislang verhindert, dass die Wildschweine auch noch auf der Terrasse nach Essbarem suchen.

Risiko bei Jagd zu hoch

Und die, die danach suchen, werden immer mehr. Bernier hat Horst Siefke zu dem Treffen mitgebracht. Siefke war viele Jahre lang Stadtjägermeister in Wismar. Der Posten - eingespart mit der Kreisgebietsreform. „Beim Schwarzwild gibt es inzwischen zwei Mal Frischlinge pro Jahr. Außerdem sind die Winter mild - da verhungert keines der Tiere“, erklärt Siefke. Im Gegenteil, sie kommen dann bis unters Küchenfenster wie in der Poeler Straße.

Auf Anfrage der OZ hatte der Landkreis Nordwestmecklenburg Anfang Oktober erklärt, die Jäger seien bereit, diesen Bereich verstärkt zu bejagen. Bernier und Siefke winken ab. Ein Versuch, Wildschweine in öffentlich zugänglichen Bereichen zu bejagen, sei bereits gescheitert. „Das war mal an der Kuhweide - da sind die Leute einfach durch die Absperrungen spaziert“, erinnert sich Siefke. Denn eines sollte nicht vergessen werden, ergänzt Bernier: „Wenn wir beim Jagen einen Menschen verletzen oder töten, sind wir dafür verantwortlich.“

Eigentümer für Zaun verantwortlich

Dass die ehrenamtlichen Jäger dieses Risiko nicht eingehen wollen, verstehen auch die Wildschwein geplagten Anwohner. Und so suchen sie weiter nach einer Lösung. Am Mühlenteich beispielsweise sei die Anlage mit den Eigentumswohnungen wie ein Park gestaltet. „Laut B-Plan darf dort kein Zaun gezogen werden“, sagt Verwalterin Jeannette Fleury. Etwa einen Meter hoch und zehn bis fünfzehn Zentimeter tief in der Erde müsse ein Zaun beschaffen sein, damit er Schwarzwild abhält, erklärt Bernier.

Bernier erzählt von Vergrämungsmitteln, von etwa nach Wolf oder Bär stinkender Flüssigkeit. „Wenn Sie damit einen Lappen oder Wattebausch tränken und den auf einen Stock legen, hilft das auch ein bisschen, denn Wildschweine mögen diesen Geruch nicht.“ Gerhard Puppe bleibt skeptisch. „Machtlos - das ist doch hier die Überschrift“, sagt der 81-Jährige.

Wiederholt hat er bei seinem Vermieter, der Wohnungsgenossenschaft Union Wismar angerufen und gefragt, wie sie das Problem lösen will. Denn - so informierte der Landkreis weiter - für das Erstellen von Zäunen sei der Eigentümer verantwortlich. Darauf hofft auch Günter Weigel. Doch bis dahin wird er morgens weiterhin mit Taschenlampe und Fotoapparat auf Wildschweinjagd gehen.

Nicole Buchmann

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