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Wismar 17 Vogelarten auf dem Wismarer Friedhof entdeckt
Mecklenburg Wismar 17 Vogelarten auf dem Wismarer Friedhof entdeckt
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18:21 07.01.2019
Mit Blick in den Himmel und in die Baumkronen zogen die Naturfreunde über den Wismarer Friedhof. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

„Da höre ich was!“ - raunt einer der Mitspaziergänger in die Gruppe. Sofort lauschen alle mit. „Und wer sieht sie?“, fragt Rolf-Rüdiger Strache lächelnd zurück. Die kleinen Meisen mit dem typisch gelben Bauch sind schwer zu entdecken im Geäst. Aber Rolf-Rüdiger Strache und seine Kollegen vom Nabu-Kreisverband Nordwestmecklenburg und Wismar muss es genau wissen. Die Gruppe ist mit ihrem fachkundigen Führer auf dem Wismarer Ostfriedhof unterwegs. Eine Stunde lang werden dort zur „Stunde der Wintervögel“ eben diese gezählt. Und das ist höchst spannend! „Wir wollen mit dieser Methode die Maximalzahl der gleichzeitig von einer Art an einem Ort vorkommenden Vögel herausfinden“, erklärt der engagierte Fachmann.

Viele Ringeltauben und ein Kernbeißer

Bei den Ringeltauben ist das schon schwerer. Aufgeschreckt durch die Besuchergruppe flattern sie hoch, fliegen weg, lassen sich wieder nieder. 22 Ringeltauben zählt die Gruppe. Da muss man aufpassen, beim Rundgang durch die Parklandschaft des großen Friedhofes nicht jeden Vogelschwarm doppelt zu zählen. Aber um die absolute Zahl geht es bei der bundesweiten Aktion sowieso nicht, sondern um Tendenzen, Beobachtungen, Entwicklungen und darum, die Augen für Naturschutz und die heimische Artenvielfalt zu öffnen.

Und die Ohren. „Da, ein Kernbeißer“, freut sich Rolf-Rüdiger Strache. Der ist vergleichsweise selten zu beobachten, er „verrät“ sich durch seinen hohen Lockruf von der Baumspitze. „Das Rotkehlchen klingt so ähnlich“, erklärt Strache seinen Mitzählern.

Genau gucken und hören

War das ein Buchfink oder eine Kohlmeise? Eindeutiger sind die Krähen mit ihrem Ruf zu erkennen. „Aber welche war das, die Nebel- oder die Rabenkrähe?“, fragt Strache seine Gruppe. Ein Gast lacht: „Heute ist Nebel, also war es die Nebelkrähe!“ Der Fachmann erkennt die Rabenkrähe, „die ist auch hier viel häufiger.“

Es ist spannend, wie viel Leben es mit dem Fachmann an der Seite auf dem Friedhof zu entdecken gibt. „Die Spechthöhle wird nun wahrscheinlich von einer Fledermaus bewohnt“, zeigt er auf ein Loch im Baumstamm, das Holz darunter ist feucht, weil die Fledermäuse ihre Geschäfte in der Höhle erledigen. „Irgendwann läuft die über“, lässt Strache seine Gäste staunen und schmunzeln.

23 Birkenzeisige und zwei Haussperlinge später schimpft ein Zaunkönig, der Gimpel pfeift unscheinbar, der fast schimpfende Gesang des Rotkehlchens ist deutlich zu erkennen.

Milde Witterung

Dann ein ungewöhnlicher Gesang – das Handy von Rolf-Rüdiger Strache piept. Die Zählstunde ist vorbei. Er kommt zur Auswertung: „Das Artenspektrum sowie die Individuenzahlen halte ich entsprechend Witterung und Örtlichkeit für angemessen. In den vergangenen Jahren haben wir Ähnliches beobachtet.“ Nicht alltäglich waren die beiden Misteldrosseln, eigentlich sollte der „Teilzieher“ im Mittelmeergebiet und in Westeuropa überwintern. „Durch die milde Witterung werden sie zum Bleiben animiert, bei den Ringeltauben ist das ganz auffällig schon seit Jahren so“, erklärt Strache. „Aus dem Osten oder Norden kamen die Birkenzeisige, in diesem Jahr offenbar wieder einmal in größerer Anzahl. Typische Standvögel, also welche, die nicht wegziehen, sind Rabenkrähe, Elster, Amsel, Blau- und Kohlmeise, Buntspecht, Kleiber, Haussperling, Rotkehlchen. Vom Buchfinken überwintern meist nur die Männchen.“ Auf dem Rückweg zum Parkplatz hat er sogar noch einen Gartenbaumläufer gehört, außerhalb der Wertungszeit. „Schade!“

Gefiederte Artenvielfalt auf dem Friedhof

Gesichtet, gehört und gezählt wurden Amseln (drei Stück), Kohlmeisen (3), Blaumeisen (2), ein Buntspecht, ein Buchfink, 22 Ringeltauben, ein Kernbeißer, vier Rabenkrähen, ein Zaunkönig, zwei Kleiber, eine Elster, 23 Birkenzeisige, zwei Misteldroseln, ein Gimpel und ein Rotkehlchen sowie zwei Haussperlinge. Gesichtet, aber nicht in die Wertung aufgenommen wurden 170 überfliegende Blässgänse, zwei Lachmöwen und ein auf dem abgelassenen Fischteich stehender Graureiher.

Die Aktion „Stunde der Wintervögel“ ist vorbei, aber Interessierte können auch im heimischen Garten die Vögel zählen und beobachten. Eine kostenlose Vogelführer-App fürs Handy hilft beim Bestimmen (www.nabu.de/vogelfuehrer). Vom 7. bis zum 11. Januar können Schulklassen bei der „Schulstunde der Wintervögel“ der Naturschutzjugend mitmachen (www.naju.de/sdw).

Nicole Hollatz

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