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Wismar „Wir nehmen jeden Tag mit Humor“
Mecklenburg Wismar „Wir nehmen jeden Tag mit Humor“
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06:00 27.10.2017
Horst Ahrens (76) aus Wismar leidet an Parkinson. Die Diagnose erhielt er vor drei Jahren. Seitdem wird er von seiner Frau Karin (75) liebevoll gepflegt. Quelle: Sylvia Kartheuser
Wismar

Das Aufstehen fällt Horst Ahrens (76) schwer. Seine Schritte sind langsam und seltsam kurz. Seine Beweglichkeit und seine Mimik wirken eingeschränkt. „Vor drei Jahren bekamen wir die Diagnose: Parkinson“, sagt Karin Ahrens. Seitdem pflegt die 75-Jährige ihren Mann. Im Bad ihres Hauses in Wismar ist der erste Umbau erfolgt: eine höhere Toilette. Bezahlt aus eigener Tasche, da die Pflegekasse dem Ehepaar nur einen Aufsatz für die Toilette habe zugestehen wollen. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt die 75-Jährige.

2005 erste Symptome

Die ersten Symptome traten bei Horst Ahrens 2005 auf. Da habe er angefangen, nachts um sich zu boxen und unruhiger zu schlafen, erzählt seine Frau. „Da seine Schwester an Parkinson leidet, haben wir mit der Ärztin darüber gesprochen. Sie gab nach der Untersuchung aber Entwarnung, Horst habe kein Parkinson.“ Dennoch wurden die Symptome offensichtlicher. „Ich war 2010 nach einer Herz-OP in Boltenhagen zur Kur. Und da habe ich bemerkt, dass sich der Gang von Horst verändert hatte, er kleinere Schritte machte“, erinnert sich seine Ehefrau.

Diagnose 2014

Sohn Peter recherchierte im Internet. Alles deutete auf Parkinson. Aber wie es dem ehemaligen Chief, der jahrzehntelang auf der Ostsee unterwegs, später im Wismarer Tonnenhof tätig und nie auch nur einen Tag krank war, sagen? Ein Freund überredete ihn 2014 schließlich, zu einem Spezialisten zu gehen. Dessen Diagnose war eindeutig: Parkinson – auch ohne das typische Zittern. „Das war erst mal ein Schlag, aber das Leben ist voller Wechsel, mal hoch und mal tief“, sagt Horst Ahrens. Nach einigem Hin und Her mit den Medikamenten sei er ganz gut eingestellt. „Jetzt laufe ich 'rum wie’n Kutscher mit Besenstiel hintendrin.“

Hilfe beim Pflegesützpunkt

Hilfe fanden Karin und Horst Ahrens beim Pflegestützpunkt in der Rostocker Straße. „Stefanie Hermann ist eine tolle Ansprechpartnerin und sehr kompetent“, lobt Karin Ahrens. Und auch die Selbsthilfegruppe biete Unterstützung. „Da bekomme ich Tipps von Fachleuten und Menschen, die auch mit kranken Familienangehörigen leben, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten soll.“Nur ein Punkt liegt Karin Ahrens auf der Seele, bei dem sie sich mehr Hilfe wünschte. „Horst muss nachts öfter raus und braucht – auch wenn er sehr rücksichtsvoll ist – zum Aufstehen manchmal meine Hilfe. Dann werde ich immer wach.“ Seit Jahren habe sie nicht durchgeschlafen. Einige Pflegedienste in Wismar bieten im Rahmen der individuellen Pflege auch eine nächtliche Betreuung. Die Crux: die pflegende Person müsste beim Ehepaar Ahrens im Haus übernachten. „Ich weiß nicht, ob Horst das akzeptieren würde.“ Daher nimmt Karin Ahrens die nächtlichen Einsätze lieber in Kauf. „Bis jetzt geht es ja auch noch so.“

Spaziergang wurde tägliche Routine

Zur täglichen Routine gehört außer der kontrollierten Einnahme der Tabletten der Spaziergang. Die Bushaltestelle ist nur zwei Minuten entfernt „und meine Frau hat den Fahrplan immer in der Tasche“, sagt Horst Ahrens. Ausflüge in Wismars Innenstadt sind daher kein Problem. Auch mit Physiotherapie versucht der 76-Jährige, seine Beweglichkeit zu erhalten. „Und wenn schlechtes Wetter ist: im Wohnzimmer steht mein Fahrrad.“Ja, sagt Karin Ahrens, durch die Krankheit ihres Mannes, habe sich ihr Leben schon sehr verändert. „Aber da wir ziemlich lustige und alberne Leute sind, nehmen wir jeden Tag mit Humor.“

Morbus Parkinson:

Morbus Parkinson zählt zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems. Symptome sind vor allem eine gestörte Beweglichkeit und ein gestörter Bewegungsablauf. Kennzeichnend für Parkinson ist ein stetiger Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Dopamin sorgt dafür, dass bestimmte Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben werden.Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 220000 Menschen mit Parkinson.

Sylvia Kartheuser

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