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Wismar „Wir wachsen im Heimathafen“
Mecklenburg Wismar „Wir wachsen im Heimathafen“
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00:23 08.05.2018
Steht seit knapp drei Jahren an der Spitze von Deutschlands größter Kreuzfahrt-Reederei: Aida-Chef Felix Eichhorn. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Stadthafen

Ein „Warnemünder Jung“ steht an der Spitze eines der erfolgreichsten und bekanntesten Unternehmen des Landes: Im OZ- Interview spricht Aida-Chef Felix Eichhorn über neue Jobs am Standort Rostock, nautische Herausforderungen in Warnemünde und seine Wünsche an Stadt und Land.

Aida-Chef Felix Eichhorn setzt auch in Zukunft auf Rostock – als Hauptsitz der Reederei und als Hafen für die Schiffe. Aber: Stadt und Land müssten sich bewegen.

„Warnemünde ist unser Heimathafen und wir wollen auch hier unser Geschäft weiter ausbauen.Felix Eichhorn Aida-Chef

12

Schiffe gehören

mittlerweile zur

Aida-Flotte.

Bis zum Jahr 2023

sollen drei weitere

Neubauten

hinzukommen.

13,5

Milliarden Euro

Umsatz machte die

Carnival Corporation,

der amerikanische

Mutterkonzern von

Aida, im Jahr 2016.

Herr Eichhorn, fünf neue Schiffe in sieben Jahren: Aida wächst weiter – wie lange noch?

Felix Eichhorn: Ich habe vor fast 19 Jahren bei Aida angefangen. An meinem allerersten Arbeitstag wurden die Schiffe zwei und drei in Auftrag gegeben. Auch damals gab es an uns oft die Frage, ob das nicht ein bisschen viel ist für den deutschen Kreuzfahrt-Markt. Die vergangenen 20 Jahre haben aber gezeigt, dass der Kreuzfahrt-Markt stark gewachsen ist – auch und vor allem durch Aida. 2017 hatten wir erstmals mehr als eine Million Passagiere. Und trotzdem machen Kreuzfahrten weiterhin nur einen kleinen Teil des Urlaubsmarktes aus. Die Deutschen buchen pro Jahr 70 Millionen Reisen – nur zwei Millionen davon sind Kreuzfahrten. Wir sehen da definitiv noch Potenzial.

Ein Grund für den Boom war auch die unsichere Lage in der Türkei, Ägypten, Tunesien. Zumindest in die Türkei kehren die Urlauber nun zurück. Macht Ihnen das Sorgen?

Nein, wir haben ja selbst Fahrten in diese Regionen angeboten. Ein Vorteil unserer schwimmenden Hotels ist ja, dass wir in die Regionen ausweichen können, die unsere Gäste nachfragen. Wenn sich die Lage im östlichen Mittelmeer nun beruhigt, können auch wir mit Schiffen dorthin zurückkehren.

Die „Aidanova“ wird in diesem Jahr in Dienst gestellt, 2021 und 2023 folgen weitere Neubauten. Was wird aus den kleineren Schiffen?

Wir haben jetzt zwölf, ab 2023 dann 15 Schiffe in der Flotte. Und wir wollen auch danach wachsen. Gerade unsere drei kleineren Schiffe sind bei Gästen sehr beliebt. Wir haben für „Vita“, „Cara“

und „Aura“ mit „Aida Selection“ eine neue Reiseform entwickelt. Wir fahren kleinere Häfen an, bleiben auch mal länger in den Orten. Wenn man neue Produkte entwickelt und die richtige Zielgruppe anspricht, kann man auch weitere Nachfrage schaffen.

Welches sind eigentlich die erfolgreichsten Routen von Aida?

Im Sommer sind das die Ostsee- Kreuzfahrten. Wir haben in diesem Jahr wieder zwei Schiffe in Warnemünde stationiert, in Kiel sogar ein zusätzliches. Im Winter ist natürlich die Karibik für viele Passagiere das Traumreiseziel.

Aida läuft Kiel 2018 mit fünf Schiffen 63 Mal an, Warnemünde nur 43 Mal. Ist Kiel attraktiver?

Wir sind auch in Warnemünde in den vergangenen Jahren stark gewachsen, werden im nächsten Jahr 47 Reisen anbieten. Ganz klar: Warnemünde ist unser Heimathafen und wir wollen auch hier unser Geschäft weiter ausbauen. Insgesamt sehen wir auf den Ostsee-Routen einen starke Nachfrage – auch ab Warnemünde. Aber das ist alles eine Frage der Möglichkeiten – zum Beispiel, welche Liegeplätze man uns anbietet.

Hamburg und Kiel bieten Reedereien Landstrom und auch die Versorgung mit dem Flüssiggas LNG an. Muss Rostock nachlegen?

Die Frage, vor der die Branche und wir als Marktführer stehen, ist, wie wir unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern können. Wir gehen schon über das gesetzlich Geforderte hinaus. In Hamburg sind wir der erste und bisher einzige Abnehmer von Landstrom. Wir haben da mit dem Hafen und der Stadt eine Pilot-Anlage entwickelt. Und in Kiel bauen wir das jetzt auch aus. Natürlich wollen wir in Warnemünde eine ähnliche Entwicklung und wünschen uns auch in unserem Heimathafen eine entsprechende Vereinbarung mit Land, Stadt und Hafen.

Warnemünde ist Deutschlands größter Kreuzfahrt-Hafen. Nun wollen Stadt und Land für 100 Millionen Euro sogar noch ausbauen. Macht das Sinn?

Wir sind sehr zufrieden mit Warnemünde und dem Service, der uns hier geboten wird. Mit Stadt, Hafen und Land sind wir im Gespräch, wie wir im Terminal-Bereich weitere Ausbau-Stufen umsetzen können. Aber wenn Rostock ein neues Terminal baut, dann nicht nur für uns.

Das Flaggschiff „Prima“ läuft jetzt Kiel an. Wie sehen Ihre Pläne für Warnemünde konkret aus?

Wenn wir mit größeren Schiffen nach Rostock kommen wollen, stehen wir bei den Wind-Bedingungen, die hier herrschen, zunächst vor nautischen Herausforderungen. Es geht jetzt darum, Voraussetzungen zu schaffen, diese Schiffe hier auch abfertigen zu können.

Mit jedem Schiff entstehen auch Tausende neue Arbeitsplätze an Bord. Aber wie sieht es am Standort Rostock aus?

In Rostock haben wir derzeit mehr als 50 Jobs zu besetzen, um das Wachstum vorzubereiten. Das geht querbeet durch alle Bereiche. Wir suchen aber zum Beispiel verstärkt Entwickler und IT-Spezialisten. Aber auch im Hotel- und Vertriebsbereich haben wir Bedarf.

Andere Unternehmen klagen über Probleme, Fachkräfte an die Warnow zu locken. Rostock sei nicht so attraktiv wie München. Wie sieht es bei Aida aus?

Wir haben eine starke Marke mit hoher Strahlkraft. Aber nichtsdestotrotz stehen auch wir in diversen Bereichen vor der Herausforderung, die Stellen schnell zu besetzen. Leider sehen viele Menschen außerhalb Rostocks gar nicht, was wir für eine tolle Stadt haben – mit sehr hoher Lebensqualität, gerade für Familien. Finanziell nehmen sich die Stellen in unserer Branche in Ost und West nichts mehr.

Wird irgendwann der Platz im „Aida Home“ knapp?

Es gibt keine konkreten Pläne für weitere Bauten. Wir haben bereits vier Bürogebäude auf der Silo- Halbinsel. Aktuell setzen wir im Kundencenter-Bereich stark auf Heim-Arbeit. Gerade in diesem Bereich gibt es in Rostock und Umgebung kaum noch Arbeitskräfte. Aber mit dem „Home Office“-Angeboten können wir auch Menschen von weiter weg für uns gewinnen. Die Kollegen arbeiten von Zuhause am Telefon für uns. Davon profitieren beide Seiten: Die Kollegen können sich nachmittags um ihre Kinder kümmern, arbeiten am Abend von daheim. Dadurch sind auch wir flexibler aufgestellt, um Spitzen im Kundencenter abzudecken. Auch die Kunden rufen ja oft nach Feierabend an.

Was bringen die Kreuzfahrt-Gäste eigentlich den Häfen und Städten, in denen die Schiffe festmachen?

Wir wissen, dass viele unserer Gäste vor oder nach einer Kreuzfahrt noch einige Tage Urlaub an Land in Mecklenburg-Vorpommern machen. Auch unsere Dienstleister, Taxi-Anbieter, der Einzelhandel profitieren. Auch der Flughafen Laage wächst dank der internationalen Gäste, die hier landen.

Was würden Sie sich vom Flughafen wünschen, damit auch Aida den Airport stärken nutzen kann?

Für Gäste, die hier ihre Kreuzfahrt starten, wäre es wichtig, mehr Flugverbindungen nach Süddeutschland, in die Schweiz und nach Österreich anzubieten. Aber Flugzeiten müssen zu unseren Abfahrtzeiten passen. Sehr frühe oder sehr späte Flüge nutzen uns nichts.

Die Neptun-Werft baut - auch für Aida - die saubersten Kreufahrtschiffe der Welt, der Wettbewerber Genting will nun die größten abliefern. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Schiffbaus im Land?

Ich bin Warnemünder und habe von daher eine sehr enge Bindung zum Schiffbau. Natürlich freut es mich sehr, dass dieser wichtige Teil der Industrie sich hier wieder ansiedelt. Das gilt für die Neptun-Werft, mit der wir eng zusammenarbeiten, aber auch für die anderen Anbieter, die jetzt auf Mecklenburg-Vorpommern setzen.

Wie oft waren Sie eigentlich schon selbst auf Kreuzfahrt – also ganz privat, mit der Familie?

Wir versuchen, einmal im Jahr Urlaub an Bord zu machen – wenn es nach meiner Familie ginge, dann sogar noch deutlich öfter.

Immer mit Aida?

Ja, wir haben deutlich mehr Routen im Angebot, als ich Urlaub habe.

Interview: Andreas Meyer

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