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„Die Stallpflicht ist Tierquälerei“

Martensdorf/Wismar „Die Stallpflicht ist Tierquälerei“

Landwirt Bienstein bezweifelt Sinn der Maßnahme / H5N8-Virus bei totem Schwan in Wismar

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Blick in das „Hühnermobil“: Die Tiere möchten gerne ins Freie, dürfen es aber wegen der Vogelgrippe nicht. FOTOS (4): NORBERT WIATEREK

Martensdorf/Wismar. . Hans und Heidi sind momentan arbeitslos. Normalerweise beschützen die beiden Soayschafe die Hühner von Franz-Joachim Bienstein vor Habicht-Attacken.

OZ-Bild

Landwirt Bienstein bezweifelt Sinn der Maßnahme / H5N8-Virus bei totem Schwan in Wismar

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„Wenn die Tiere nicht rauskommen, bedeutet das für sie Stress und sie werden krank.Franz-Joachim Bienstein, Landwirt aus Martensdorf

Doch wegen der Vogelgrippe, die auch in Nordwestmecklenburg angekommen ist, musste der Landwirt sein Federvieh einsperren, damit es nicht in Kontakt mit Wildvögeln kommen kann. Die braunen, zotteligen Schafe laufen weiter unbeschwert über die Wiese des Hofes Martensdorf, sie scheinen keine Langeweile zu haben. Doch die 250 Legehühner leiden unter der Einstallpflicht, ebenso wie ihr Besitzer.

Im „Hühnermobil“ gibt es zwar recht viel Platz. Dennoch sind die Tiere unruhig. „Sie wollen raus an die frische Luft“, weiß Bienstein. Die robusten Hühner seien es gewohnt, dass sich jeden Tag morgens die Klappe in die Freiheit öffnet und abends nach dem unbeschwerten Picken und Scharren auf der Wiese wieder hinter ihnen schließt. „Wenn die Tiere nicht rauskommen, bedeutet das für sie Stress und sie werden krank. Schon jetzt lässt die Legeleistung nach.“ Statt der üblichen 180 Eier pro Tag würden laut Bienstein nun deutlich weniger im Stroh liegen.

Das Prinzip des „Hühnermobils“, in dem die Tiere nachts Schutz suchen und die Eier legen, ist simpel. Es kommt auf eine geeignete Grünfläche. Um den etwa sieben Meter langen und vier Meter breiten Wagen mit zwei Etagen wird dann ein mehrere Hundert Quadratmeter großes Areal eingezäunt, auf dem sich die Hennen frei bewegen können. Ist das Grün abgefressen, setzt der Landwirt den Wagen um und parzelliert eine neue Fläche. So ist gewährleistet, dass die Hühner immer unverbrauchten Boden unter den Zehen haben. „Die Stallpflicht ist Tierquälerei.“ Deshalb will Bienstein jetzt eine große Voliere am Mobil anbauen. „Die ist zwar nur ein Notbehelf und kann den Freilauf nicht ersetzen. Aber die Hühner bekommen doppelt so viel Platz. Im Stroh in der Voliere können sie scharren, haben eine Beschäftigung. Und sie können sich aus dem Weg gehen. Ich möchte, dass es meinen Tieren so gut wie möglich geht“, betont der 50-Jährige, der zum Vorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Mecklenburg-Vorpommern gehört.

In Nordwestmecklenburg wurde der H5N8-Erreger inzwischen bei zwei Mantelmöwen aus Tarnewitz, einer Silbermöwe aus Hohen Viecheln und einem Höckerschwan in der Nähe der Seebrücke in Wismar-Wendorf nachgewiesen. Amtstierarzt Dr. Philipp Aldinger unterzeichnete gestern eine Verfügung, wonach um den Fundort des Schwans in Wismar ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern festgelegt wurde. Betroffen sind neben dem gesamten Stadtgebiet auch alle Orte und Ortsteile in der Gemeinde Zierow sowie die Orte Gägelow und Proseken. Der Sperrbezirk gilt zunächst für 21 Tage. Das ebenfalls ausgewiesene Beobachtungsgebiet hat einen Radius von zehn Kilometern und reicht bis Hoikendorf im Westen, Boiensdorf und Neu Farpen im Osten sowie Wietow im Süden.

Experten gehen davon aus, das vermutlich Zugvögel aus Russland und der Mongolei das H5N8-Virus nach Mitteleuropa eingeschleppt haben. „Diese Viren gibt es schon immer. Aber der aggressive Stamm ist wahrscheinlich in großen Geflügelanlagen entstanden“, meint Franz-Joachim Bienstein. „Die, die keine Schuld an der Misere tragen, müssen nun die Zeche zahlen.“

Die industrielle Massentierhaltung lehnt der Martensdorfer Landwirt, der einen rund 300 Hektar großen Betrieb führt, ab. Ebenso wie die Stallpflicht. „Das Problem mit aggressiven Erregern haben wir alle paar Jahre. Und wir können davon ausgehen, dass es uns auch in Zukunft beschäftigt. Da wäre es wichtig, zu klären, ob das Wegsperren überhaupt Sinn macht. Ich jedenfalls habe auf meinem Hof noch keine Wildgans landen sehen. Durch eine solche Maßnahme kann man Existenzen bedrohen.“

Bienstein hofft, dass die Seuche bald überstanden ist und das Einstallgebot in Kürze aufgehoben werden kann. Dies würde nicht nur den aus Westfalen stammenden Mann und seine freiheitsliebenden Hühner, sondern bestimmt auch Hans und Heidi freuen.

Norbert Wiaterek

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