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Eine Frau ist bester Industriemechaniker

Wismar Eine Frau ist bester Industriemechaniker

Olga Petrov war bei Egger in Wismar der erste weibliche Lehrling in einem klassischen Männerberuf. Das Unternehmen zählt zudem erneut zu den Top-Ausbildern.

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Olga Petrov hat beim Schweißen den Bogen raus. Auch sonst ist die 23-Jährige spitze. Bei der Egger Holzwerkstoffe Wismar GmbH wurde sie zur Industriemechanikerin ausgebildet und hat ihre Prüfung vor der IHK als Klassenbeste abgeschlossen. Fotos (2): Sylvia Kartheuser

Wismar. Bei Olga Petrov sprühen Funken. Die 23-Jährige greift so selbstverständlich zum Schweißgerät wie andere Frauen zu Handy oder Lippenstift. „Da ist doch nichts dabei“, sagt sie und schweißt eine tipptopp Naht. Die junge, alleinstehende Frau aus Wismar ist Industriemechanikerin. Sie war Klassenbeste bei der Abschlussprüfung durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin — und die erste Frau, die bei der Egger Holzwerkstoffe GmbH in Wismar diesen Beruf erlernt hat.

„Anfangs hatte ich schon Bedenken, weil das doch noch immer ein reiner Männerberuf mit körperlich schwerer Arbeit ist“, gesteht Ausbilder Heiko Böhnke. Olga Petrov hat ihn eines Besseren belehrt.

„Das war fast ein Selbstläufer, so gut ist das gelaufen“, sagt er jetzt. Und Ausbilder Mirko Gaitzsch stimmt in das Loblied ein: „Es ist ein einfaches Arbeiten, wenn man Sachen nur einmal erklären muss. Über solche Auszubildenden freut man sich einfach — und man hat mehr Zeit für die Lehrlinge, die etwas länger brauchen.“

Olga Petrov aus Wismar-Wendorf sagt, die Ausbildung bei Egger war für sie ein Glücksfall. „In einem Vorbereitungsjahr für Metallberufe habe ich dann festgestellt, dass ich mich weder für den Umgang mit Kunden noch fürs Büro eigne“, erzählt sie. Ein Praktikum im Bereich Informatik sei schon nicht schlecht gewesen, „aber erst als ich in eine Metallwerkstatt kam, wusste ich: Das ist es.“

Allerdings klappte es bei ihrem ersten Ausbildungsbetrieb im niedersächsischen Meppen nicht gut. Olga schmiss im dritten Lehrjahr hin. „2012 hatte ich dann die Chance, bei Egger ins zweite Lehrjahr einzusteigen.“ Diesen Schritt hat die 23-Jährige nicht bereut. „Ich wurde sofort aufgenommen und angenommen, sogar die Zwischenprüfung wurde anerkannt“, sagt sie. Gedankt hat sie es ihrem Lehrbetrieb mit dem ersten Platz bei der Abschlussprüfung, für deren praktischen Teil sie eine alte hydraulische Versorgungseinheit aufgearbeitet hat. „Dazu habe ich eine Dokumentation geschrieben, die ich dann vor den Prüfern verteidigen musste“, erklärt sie. Ansonsten spielt sie ihre Leistungen gern etwas herunter: „Dass ich Klassenbeste war, zeigt doch nur, dass ich einen tollen Ausbildungsbetrieb hatte.“

Das hat die IHK zu Schwerin per Urkunde bestätigt. Egger ist nach 2012 und 2013 zum dritten Mal in Folge Top-Ausbildungsbetrieb. Mit dieser Auszeichnung will die IHK die besonderen Leistungen von Unternehmen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung, in der Berufsorientierung und der Entwicklung von Fachkräften anerkennen und würdigen. Die Top-Ausbildungsbetriebe seien Aushängeschilder für herausragende Ausbildung, teilt die IHK mit. „Leider hat sich diese Auszeichnung bei den Jugendlichen noch nicht als Marke durchgesetzt“, bedauert Egger- Geschäftsführer Ralf Lorber. Aber immerhin lasse sich damit Werbung machen, „und vielleicht können wir darüber den einen oder anderen Jugendlichen für unseren Betrieb gewinnen“, fährt Lorber fort.

Dreimal hat der Hersteller von Holzwerkstoffen die Urkunde inzwischen bekommen. Heiko Böhnke und Mirko Gaitzsch, die Ausbilder im Metallbereich, arbeiten bereits jetzt daran, damit Egger die Urkunde auch 2015 bekommt. „Das ist schon ein Anreiz, weil dafür die Ausbildung jedes Jahr verbessert werden muss. Ist sie nur auf dem Stand des Vorjahres, gibt‘s keine Auszeichnung — und die Bedingungen werden immer härter“, sagt Mirko Gaitzsch. Ralf Lorber freut sich über so engagierte Mitarbeiter. „Ohne sie würden wir nicht da stehen, wo wir stehen. Die Einsatzbereitschaft beweist mir auch, dass das Betriebsklima bei uns gut ist“, sagt er.

Das bestätigt Olga Petrov: „Das gesamte Umfeld stimmt einfach. Hier wird auch sehr auf die Gesundheit der Mitarbeiter geachtet.“ Das heißt zum Beispiel, dass keiner schwere Sachen allein heben darf. Natürlich stehen Hebe- und Transportvorrichtungen zur Verfügung, wenn beispielsweise ein 16 Tonnen schwerer Motor bewegt werden muss. Doch auch da ist Hilfe erwünscht. „16 Tonnen kriegt kein Mann allein bewegt“, sagt Olga und lacht. Industriemechaniker sei ein Beruf, der Muskeln schafft. Trainiert sie, um mit den Männern mithalten zu können? „Ich mache Kraftsport für den Aufbau und den Erhalt.“ Olga Petrov denkt kurz nach: „Es ist nicht wirklich nötig, bringt aber Vorteile.“

Das Unternehmen in Zahlen

1998 beginnt das Familienunternehmen Egger aus Österreich in Wismar mit dem Bau des Werks. Ein Jahr später wird die Produktion von Mitteldichten Faserplatten (MDF), Fußbodenplatten und Beschichtungen aufgenommen. 2000 kommt die Herstellung von Grobspanplatten (OSB) hinzu, 2001 die Leimfabrik, 2006 das Biomasse-Heinzkraftwerk.
900 000 Quadratmeter groß (etwa 126 Fußballfelder) ist das Betriebsgelände. 430 Millionen Euro wurden investiert, davon 135 Millionen im Bereich Umwelt. Im Geschäftsjahr 2012/13 erwirtschaftete die Egger-Gruppe in ihren europaweit 17 Standorten einen Jahresumsatz von 2,18 Milliarden Euro.
800 Mitarbeiter hat Egger in Wismar, in Spitzenzeiten kommen bis zu 100 Leiharbeiter hinzu.
26 Lehrlinge werden derzeit in Wismar ausgebildet: Holzbearbeitungsmechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker für Instandhaltung, beziehungsweise Anlagen- und Fördertechnik, Industriekaufmann/-frau, Maschinen- und Anlagenführer, Chemielaboranten und Medientechnologe Druck, der zum Beispiel Designs und Farben für Laminate kreiert.
„Dass ich als Klassenbeste abgeschnitten habe, beweist die Qualität der Ausbildung.“
Olga Petrov (23),
Industriemechanikerin

 



Sylvia Kartheuser

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Industriemechanikerin Olga Petrov hat den Bogen beim Schweißen raus. 23-Jährige, die bei Egger in Wismar gelernt hat, hat ihre Prüfung vor der IHK hat sie als Klassenbeste abgeschlossen. Fotos: Sylvia Kartheuser

Die IHK hat die Firma aus Wismar zum dritten Mal in Folge ausgezeichnet. Mit Olga Petrov stellt das Unternehmen zudem die Beste der Abschlussklasse.

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