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Handwerkerschaft wirbt um Azubis auf allen Kanälen

Wismar Handwerkerschaft wirbt um Azubis auf allen Kanälen

151 Ausbildungsverträge wurden in Nordwestmecklenburg bisher abgeschlossen, 60 weniger als im vergangenen Jahr / Neue Ansprache der Jugendlichen auf Facebook

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Auch in diesem Ausbildungsjahr hat es nicht gereicht, eine Berufsschulklasse für Friseure am Standort in Wismar zu eröffnen. Zehn junge Leute aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg beginnen in diesem Jahr mit der Lehre.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa (1), Annett Meinke (1), Sylvia Kartheuser (1)

Wismar. Neues Jahr, altes Problem: Das Handwerk sucht nach Auszubildenden – auch in Nordwestmecklenburg. Ein Problem: falsche Vorstellungen. Oftmals wissen die Jugendlichen gar nicht, welche Aufgaben die jeweiligen Berufe beinhalten. „Tischler, das kennen alle“, erklärt Antje Lange, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar.

OZ-Bild

151 Ausbildungsverträge wurden in Nordwestmecklenburg bisher abgeschlossen, 60 weniger als im vergangenen Jahr / Neue Ansprache der Jugendlichen auf Facebook

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Mach das, wofür dein Herz schlägt!“ Ein Slogan der

Werbekampagne

„Das Handwerk“

Ausbildungsberuf 2014 2015 2016
KfZ-Mechatroniker 40 36 33
Tischler 15 23 16
SHK 19 12 14
Elektroniker 10 22 16
Friseur 18 20 10
Maler 9 7 8

„Aber bei SHK, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Branche, denken noch viele, dass sie Heizkörper schleppen müssen. Dabei ist das so ein schöner und spannender Beruf.“ Und dafür werden händeringend Auszubildende gesucht.

Die bundesweit angelegte Werbekampagne des Handwerks zeigt mittlerweile zwar Erfolge, doch noch ist Luft nach oben. Maurer, Maler, Zimmermänner, Bäcker – überall wird gesucht. „Jede Innung wirbt zwar für sich, doch wir koordinieren als Dachverband“, erklärt Antje Lange. So versorgt die Kreishandwerkerschaft die Betriebe mit Info-Materialien, schafft Kontakte zu den Schulen im Kreis oder vermitteln Praktika. Unterstützung ganz getreu der Satzung. Tobias Böse, „Willkommenslotse“ der Kreishandwerkerschaft, weiß: „Eine Orientierung vorab ist ungemein wichtig, um die Jugendlichen zu informieren und die Berufe richtig darzustellen.“

Zum Start des aktuellen Ausbildungsjahres, das traditionell im September beginnt, wurden im Landkreis 151 Lehrverträge bei der Kreishandwerkerschaft abgeschlossen. „Erfahrungsgemäß werden das noch mehr, bis Mitte Oktober ist ein Einstieg in die Ausbildung unproblematisch“, erklärt Böse. Dennoch: Vor einem Jahr waren es 211 Azubis, die einen Handwerksberuf in Nordwestmecklenburg begonnen haben. „Und mir graut es schon vor der Zukunft“, gibt Antje Lange zu. „Erst werden die MV-Werften in Wismar viele Jugendliche abgreifen, dann wird Egger nachziehen und das Handwerk steht wieder hinten an“, so ihre Befürchtung.

Wenn die Zahl Auszubildenden nach unten geht, gibt es auch mehr Probleme, die Berufsschulklassen zu füllen. Voriges Jahr wurden die Friseure nach Schwerin ausgelagert, die Mindestanzahl von 20 Schülern pro Klasse am Standort Wismar konnte nicht erfüllt werden (die OZ berichtete). Das klappt auch in diesem Jahr nicht. „Wir haben genügend Ausbildungsbetriebe, aber zu wenig Bewerber“, erklärt Antje Lange. „Die Fahrerei nach Schwerin schreckt einige ab.“ Denn gerade bei den Friseuren seien oftmals junge Mütter dabei, für die das Pendeln weder finanziell noch zeitlich tragbar ist.

Andere Auszubildende umgehen das Fahren, indem sie wegziehen. „Wir haben beispielsweise einen Tischler aus dem Raum Neukloster, der den Betrieb gewechselt hat und nach Schwerin gezogen ist. Doch das kann nicht die Lösung sein“, erzählt Böse.

Eine weitere Aufgabe der Kreishandwerkerschaft ist das Beraten. „Wir haben nun ganz neu, quasi noch auf Probe, ein Betreuungsangebot für die Azubis eingerichtet“, sagt die Geschäftsführerin. Stimmen beispielsweise die Ergebnisse der Zwischenprüfung nicht, dann wird frühzeitig geschaut, woran es hakt. „Denn im Schnitt kommt nur die Hälfte der Auszubildenden am Ende an, die Abbrecherquote ist hoch“, sagt Böse. Präventiv soll dem nun entgegengewirkt werden.

Und dafür geht die Kreishandwerkerschaft viele neue Wege. „Wir sind nun auf Facebook aktiv und wollen dort die Firmen im Umland präsentieren“, erklärt Böse. Unter „Ausbildung in Nordwestmecklenburg“ gibt es beispielsweise Imagefilme, die Berufsbilder gerade rücken. „Außerdem sind wir per WhatsApp erreichbar. Das macht es vielen Jugendlichen leichter, mit uns in Kontakt zu treten.“ Denn er weiß: „Die große Werbekampagne für das Handwerk ist zwar toll, aber für uns zu weit weg. Wir wollen mit den jungen Menschen auf Augenhöhe sprechen.“ Sein Rat lautet: „Wer Interesse am Handwerk hat, der soll Mut haben und sich trauen! Auch wenn das Zeugnis nicht unbedingt passt, bei uns ist der persönliche Eindruck entscheidend.“

Der Weg in die Lehre

Eine weitere Chance , in eine Ausbildung zu kommen, ist die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Sollten dem Bewerber einige Kentnisse noch fehlen, dann gibt es die Möglichkeit, diese betriebliche Berufsvorbereitung zu absolvieren. In der Regel ist das auf ein halbes Jahr ausgelegt. Die Teilnehmer besuchen in diesem Zeitraum auch die Berufsschule und können sich im Idealfall diese Zeit bei der folgenden Ausbildung anrechnen lassen.

Auch für das bereits begonnene

Ausbildungsjahr können sich Bewerber bei der Kreishandwerkerschaft (Turnerweg 11, Wismar) melden.

• Internet: www.wismar-handwerk.de

Vanessa Kopp

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