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Neuer Eigentümer für Bahnhof gesucht

Dorf Mecklenburg Neuer Eigentümer für Bahnhof gesucht

Das gut 100 Jahre alte Gebäude in Dorf Mecklenburg wird am 20. September in Berlin versteigert.

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Der um 1900 gebaute Bahnhof in Dorf Mecklenburg kommt am 20. September bei einer privaten Grundstücksauktion in Berlin unter den Hammer. Fotos (5): Sylvia Kartheuser

Dorf Mecklenburg. Eine Verjüngungskur könnte das Bahnhofsgebäude in Dorf Mecklenburg durchaus vertragen. Und genau die erhofft sich Bürgermeister Peter Sawiaczinski (FWG) vom künftigen Eigentümer des um 1900 aus roten Ziegeln erbauten Bahnhofs. Am 20. September wird die Immobilie bei einer privaten Grundstücksauktion in Berlin aufgerufen. Startpreis: 29 000

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„Ich finde es gar nicht so schlecht, wenn der Bahnhof einen neuen Besitzer bekommt, der ihn saniert. Als Nutzung könnte ich mir Wohnungen vorstellen — außerdem wäre ein Café toll.“ Karl-Heinz Otto, Rentner

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„Wir fangen mit einem niedrigen Startpreis an, damit Steigerungsmöglichkeiten bleiben“, sagt Matthias Knake vom Auktionshaus Karhausen. Mittlerweile gebe es ein regelrechtes Klientel für alte Bahnhöfe. „Die schauen ganz gezielt nach derartigen Immobilien und fragen auch schon mal bei uns nach“, erklärt der Auktionator. Ihm wäre sehr lieb, wenn jemand aus der Region den Bahnhof ersteigern würde. „Der hätte einen ganz anderen Bezug zu dem Gebäude als ein völlig Fremder, es bedeutet ihnen einfach mehr“, so Knake.

Der Auktionator ist zuversichtlich, einen neuen Eigentümer zu finden für die Immobilie in Dorf Mecklenburg, die etwa 245 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche hat und auf einem rund 700 Quadratmeter großen Grundstück steht. Denn erstens sei die Lage zwischen Wismar und Schwerin attraktiv und zweitens sei die Baustruktur weitgehend in Ordnung. „Sicher muss renoviert und einiges, wie Dach und Fenster, erneuert werden, aber das ist kein Objekt, bei dem eine Kernsanierung ansteht“, betonte Matthias Knake. An den Kauf seien allerdings einige Bedingungen geknüpft. Zum Beispiel müsse das Wegerecht für Reisende und Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG gewährleistet bleiben.

Die Gemeinde Dorf Mecklenburg hatte ein Vorkaufsrecht, doch sie hat abgelehnt. „Der Bahnhof ist zwar ein Gebäude, das seit Jahrzehnten den Ort mit prägt, er passt aber nicht in unser Entwicklungskonzept“, erklärt Bürgermeister Peter Sawiaczinski. Derzeit konzentriere sich die Gemeinde vielmehr darauf, gemeinsam mit der Kirchgemeinde die 1701 erbaute Pfarrscheune zu sanieren. „Sie ist immerhin der älteste Profanbau, den wir hier haben“, sagt der Bürgermeister.

Von der OZ befragte Dorf Mecklenburger stehen dem Verkauf des Bahnhofs durchaus positiv gegenüber. „Es wäre gut, wenn das Gebäude saniert würde“, sagt Birgit Schufft, die im Ort eine Geschenkboutique mit Bestellservice betreibt. Auch Rentner Karl-Heinz Otto findet Gefallen an einem Eigentümerwechsel: „Es wäre gar nicht schlecht, wenn am Bahnhof etwas passieren würde. Vielleicht könnte dort neben den beiden Wohnungen ja auch ein Café eingerichtet werden.“

Für Ilse Bartsch ist der Bahnhof ein alter Vertrauter. Die 91-Jährige ist ihm gegenüber aufgewachsen. Auf die Frage, was sie von dem Verkauf hält, antwortet sie knapp: „Blödsinn.“ Sie würde lieber sehen, dass der Bahnhof wieder von der Bahn genutzt und wenigstens ein Schalter eingerichtet wird. „Wir Alten können ja gar nicht mehr mit der Bahn fahren, weil wir nicht wissen, woher wir ein Billett bekommen“, bedauert die Seniorin und fährt fort: „Früher hat man sich außerdem mal mit den Bahnbeamten über den Zaun hinweg unterhalten. Jetzt weiß man nicht einmal mehr, wer da drin wohnt.“

Die rüstige 91-Jährige, die noch selbst das Unkraut im Garten jätet, steckt voller Bahn-Erinnerungen. Eine geht so: Man hatte gerade Wäsche gekauft und sie hatte ihrer Mutter geraten, das Bettzeug zum Auslüften doch draußen aufzuhängen. Die Augen von Ilse Bartsch blitzen verschmitzt: „Und dann kam eine Dampflok und hat eine ganze Zeit hier gestanden und kräftig Dampf abgelassen. Die Bettwäsche konnten wir gleich noch mal in den Waschtrog legen.“

Das Auktionshaus
Die Auktionshaus Karhausen AG führt in Berlin seit 1991 private Grundstücksauktionen durch. Es bezeichnet sich selbst als zweitgrößtes Auktionshaus Deutschlands, hat Niederlassungen in Stralsund und Leipzig sowie diverse Repräsentanzen.

2011 begann das Auktionshaus damit, die mehr als 1000 Bahnhöfe zu vermarkten, die eine Gesellschaft zwischen 2005 und 2008 von der Deutschen Bahn gekauft hatte. Knapp 500 haben nach Angaben des Auktionshauses neue Besitzer.

Im Auftrag der öffentlichen Hand (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Hessen, Brandenburg, Städte, Gemeinden und so weiter), Wohungsbaugesellschaften, Insolvenzverwaltern, Banken und privaten Eigentümern führt das Auktionshaus vier mehrtägige Auktionen pro Jahr durch.

„Wir haben 2011 mit der Vermarktung von Bahnhöfen begonnen. Inzwischen gibt es ein echtes Klientel dafür.“
Matthias Knake, Auktionator

 

Sylvia Kartheuser

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