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Neues Konzept, altes Modell: Wirtschaftsförderung im Kreis

Wismar Neues Konzept, altes Modell: Wirtschaftsförderung im Kreis

Die Verwaltung hat ihre Ideen für die künftige Ausrichtung der Wirtschaftsförderung präsentiert / Zur Wahl stehen eine Stabsstelle und eine GmbH

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Noch sind einige Flächen im Upahler Gewerbegebiet frei, doch das Thema Neuansiedlung soll künftig in den Hintergrund rücken.

Quelle: M. Prochnow

Wismar. Der nächste Versuch: Der Landkreis Nordwestmecklenburg will die Wirtschaftsförderung wieder zum Leben erwecken. Nachdem der damalige Geschäftsführer der kreiseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG), Martin Broziat, Ende 2010 nach Differenzen mit der Kreisverwaltung entlassen wurde, existierte das Unternehmen nur noch auf dem Papier. Weder die personellen Maßnahmen der ehemaligen Landrätin und jetzigen Landessozialministerin Birgit Hesse (SPD) noch die Einrichtung einer Stabsstelle und die personellen Umstrukturierungen durch die amtierende Landrätin Kerstin Weiss (SPD) konnten an der Talfahrt und dem jährlichen Defizit der WFG in Höhe von rund 40000 Euro etwas stoppen. Nun soll das Kapitel Wirtschaftsförderung komplett neu geschrieben werden. So zumindest der Ansatz von Politik und Verwaltung.

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Die Verwaltung hat ihre Ideen für die künftige Ausrichtung der Wirtschaftsförderung präsentiert / Zur Wahl stehen eine Stabsstelle und eine GmbH

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Der Leiter der Stabsstelle, Dr. Roland Finke, und Kerstin Weiss stellten das neue Konzept der Wirtschaftsförderung in Nordwestmecklenburg vor. Soviel vorweg: Wirklich etwas neu ist an dem Konzept nicht sehr viel. Denn auch künftig muss die Politik sich entscheiden: zwischen einer Stabsstelle in der Verwaltung, die das Thema betreut, oder der Gründung einer GmbH mit einem Geschäftsführer und einem Aufsichtsrat.

Stand der Dinge ist, dass es derzeit die Wirtschaftsfördergesellschaft als GmbH gibt, die 13 Hektar Gewerbeflächen, unter anderem in Upahl, versucht zu vermarkten. Als Interims-Geschäftsführer fungiert ehrenamtlich Heiko Boje aus der Kreisverwaltung. Marktwert des Unternehmens auf dem Papier: rund eine Million Euro. Weiterhin existiert das Gewerbe- und Technik-Zentrum (GTZ) in Warin, ebenfalls eine kreiseigene GmbH. Die vermarktet das 5000 Quadratmeter große Objekt in Warin, 85 Prozent davon hat der Landkreis quasi an sich selbst für den Katastrophenschutz vermietet. Wie Roland Finke erklärte, lässt sich an der GTZ GmbH nicht sehr viel ändern, da die Fördermittelbindung eine Liquidation der Gesellschaft verhindere. Anders sehe es da bei der WFG aus, die pro Jahr 40000 Euro verschlingt.

Eine Übertragung der 13 Hektar an den Landkreis sowie eine Auflösung der GmbH würde mit rund 20000 Euro Notarkosten und Grunderwerbssteuer in Höhe von etwa 50000 Euro bedeuten, dass in zwei Jahren die Liquidation die jährlichen Kosten aufrechnen würde. Nur: Die 13 Hektar schwer verkäufliches Brachland würden dann die Kosten direkt beim Landkreis verursachen.

Wie Kerstin Weiss bei der Präsentation des Konzeptes betonte, liege der Schwerpunkt künftig nicht mehr auf der Neuansiedlung von Firmen, sondern bei der Bestandspflege. Der Grund dafür: „Wir sind eine starke Region mit einer starken Kreisstadt Wismar. Andere klappern vielleicht lauter, aber sie sind nicht besser als wir, im Gegenteil.“ Bedeutet: Nordwestmecklenburg muss die Firmen halten, die sich hier angesiedelt haben. „Dass Baltic Elektronik umzieht, gefällt mir überhaupt nicht. So etwas darf nicht passieren.“ Land und Kreis hatten dem Unternehmen, dass von einem Lübecker Konkurrenten aufgekauft worden war, zahlreiche Möglichkeiten und Fördermittel angeboten. Aber vergeblich, noch in diesem Jahr wird der Standort nach Lübeck verlagert — inklusive 100 Arbeitsplätzen.

Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses gaben zwar kein Votum ab für die künftige Ausrichtung der WFG. Konsens der sachlichen Debatte war allerdings, dass eine GmbH mit einem Geschäftsführer und einem separaten Aufsichtsrat die beste Lösung sei. So favorisiert es auch Kerstin Weiss.

Aktuell sind im Haushalt des Landkreises 200000 Euro für die Wirtschaftsförderung im Jahr 2016 eingefroren. Sollte der Kreistag die GmbH-Lösung absegnen, müsste ein Geschäftsführer eingestellt werden. Und weil Qualität kostet, rechnet der Kreis allein für den Geschäftsführer mit Personalkosten von rund 80000 Euro pro Jahr. Denn: „Wenn wir jemanden haben wollen, der richtig gut ist, müssen wir auch ein entsprechendes Gehalt ansetzen“, sagte Roland Finke. Bestandteil des Konzeptes ist aber auch, dass ein Teil des Gehaltes erfolgsbezogen sein soll.

Von Michael Prochnow

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