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Peter H. Leibold: Auf dem Weg zum neuen Imperium?

Wismar Peter H. Leibold: Auf dem Weg zum neuen Imperium?

Als Geschäftsführer einer neuen Firma mischt er wieder mit auf dem Pellet-Markt / Rostocker Staatsanwälte arbeiten sich noch immer durch Aktenberge

Wismar. Die Fuggerstraße 1a in Leipzig. Dort steht der Fugger Business Park. Ein vierteiliger Gebäudekomplex mit begrüntem Innenhof, unweit der Autobahn Magdeburg-Dresden, gegenüber ein Vier-Sterne-Businesshotel – das ist der offizielle Firmensitz von Peter Horst Leibold.

Seit Anfang April drängt Leibold zurück ins Pellet-Geschäft. Die Neueintragung im Handelsregister heißt US Wood Service GmbH, als alleiniger Geschäftsführer ist Leibold vermerkt. Einziger Gesellschafter ist die Mitteldeutsche Pellet Vertrieb GmbH (MPV). Geschäftsführerin der MPV ist Leibolds Tochter Kathrin Wiedmer, geborene Leibold. Mit der MPV war sie bis dahin allein in Erscheinung getreten. Ende Dezember übernahm Wiedmer mit dieser Firma den Vetrieb dreier Werke in Sachsen und Sachsen-Anhalt – die sogenannten Woodox-Werke.

Peter H. Leibold hatte dafür noch kurz vor der Insolvenz von German Pellets Teile des Vertriebs auf seine Tochter übertragen. In einem Brief ließen beide Ende vergangenen Jahres Kunden und Händler wissen, dass die Lieferungen aus den Werken in Löbau, Oranienbaum und Osterfeld von nun an über die MPV abzurechnen seien. Bis dahin war dafür die Woodox Management GmbH zuständig, eine Tochter von German Pellets. Peter H. Leibold ist laut Auskunft von Moneyhouse seit Anfang Januar als Geschäftsführer in der Firma tätig. Geschäftsadresse: Fugger Business Park in Leipzig. Inzwischen aber ist das Unternehmen eines von zehn, die Rechtsanwältin Bettina Schmudde in Insolvenz verwaltet.

Die insolventen Woodox-Werke hingegen werden von Lucas Flöther verwaltet. Dem Rechtsanwalt, mit dem Peter H. Leibold den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hatte. Das Amtsgericht in Schwerin lehnte den Antrag ab. In Branchenkreisen munkelt man nun, dass Leibold die Woodox-Werke zurückkaufen will. Auf Nachfrage der OZ zu seinem derzeitigen geschäftlichen Wirken ließ Leibold am Telefon wissen, dass er aktuell keine Auskunft gebe. Zu gegebener Zeit wolle er zu verschiedenen Themen Stellung nehmen. Eine E-Mail mit weiteren Fragen ließ er unbeantwortet.

Wismar, Philosophenweg 3a. Auf dem Parkplatz steht ein Firmen-BMW mit Leipziger Kennzeichen. Ein DIN A 4-Blatt an der Eingangstür des zweigeschossigen Gebäudes verweist auf die Mitteldeutsche Pellet Vertrieb GmbH. Aus dem „V“ im Logo schlägt eine Flamme. Darunter ist die US Wood Service GmbH aufgeführt. Ein weiteres solches Blatt klebt in der ersten Etage an einer Tür, hinter der im Vorzimmer zwei Mitarbeiter kurz von ihren Laptops aufsehen und freundlich grüßen. Die Tür zum Büro von Kathrin Wiedmer nebenan steht offen. Ein Mann beugt sich über seinen Schreibtisch.

Morgenkonferenz mit den Vertriebsleuten – ein Mann und eine Frau. Das Telefon ist laut gestellt: „Sie kümmern sich weiter um Bayern und den Norden – 24 und 25 – in der Region bleiben Sie dran. Dass Sie das können, haben Sie ja gestern bewiesen. – Wie viel nimmt Löper? – 25 Tonnen. – Ach, und nerven Sie Cora. Nerven Sie den!“ Löper, Hellmuth, Illingen. Alle Namen oder Orte, die in der Telefonschalte mit den Vertrieblern fallen, gehören jenen, die einst Pellets von German Pellets gekauft haben.

An den Wänden im Vorzimmer: zwei großformatige Fotos. Das eine zeigt die Werkhalle und die fünf riesigen Silos von German Pellets in Wismar von der Seite. Das andere ist eine Aufnahme des Werkgeländes von oben. Kurz vor halb zehn an diesem Morgen betritt Peter H. Leibold das Büro. Weißes Hemd, marineblaue Anzugshose, braune Lederschuhe. Nach einem kurzen Gruß an die Mitarbeiter verschwindet er in seinem Büro. Leibold sucht Verstärkung für seine US Wood Service GmbH. Bislang hat er laut Creditreform einen einzigen Mitarbeiter. Zwei Stellen für Projektassistenz am Standort Wismar sind vakant. Die künftigen Mitarbeiter erwarten laut Stellenanzeige unter anderem „verantwortungsvolle Aufgaben und spannende Projekte in einem international agierenden Unternehmen“.

In Rostock indes arbeiten sich seit Mitte März dieses Jahres zwei Staatsanwälte durch sämtliche Buchhaltungsunterlagen der Leiboldschen Unternehmungen. Jeder Zahlungsfluss müsse kontrolliert werden, ein Ende der Ermittlungen sei vorerst nicht abzusehen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, Harald Nowack. Ermittelt werde wegen Insolvenzverschleppung, Veruntreuung und Unterschlagung.

Allein 17000 Anleger haben rund 280 Millionen Euro verloren.

Nicole Buchmann

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