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Software aus Wismar sorgt für Sicherheit in Atomanlagen

Wismar Software aus Wismar sorgt für Sicherheit in Atomanlagen

Der Quellcode umfasst mehr als 13 Bibeln und schützt Wachleute, Kinder einflussreicher Eltern und trocknende Baumstämme im Wald.

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Sucht nach weiteren Mitarbeitern für seine Firma: Gerd Allmendinger mit Dobermann „Hugo“.

Quelle: Nicole Buchmann

Wismar. Auf dem braunen Tisch in einem Besprechungsraum in Wismar Süd klirren die Kaffeetassen auf den Untertellern. Ein Handy ist krachend auf die Tischplatte gefallen. „Sie können auch mit dem Auto drüber fahren“, sagt Gerd Allmendinger und grient. Überhaupt ist der Wismarer Unternehmer gut gelaunt. Die Geschäfte laufen. Zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet die Soft Clean GmbH.

Kontrolle in Echtzeit

Der Firmensitz wirkt eher unscheinbar. Zweckmäßig und ohne TamTam. Sicherheitsschleuse am Eingang. Arbeitszeiterfassung. Kameraüberwachung. Denn das, was die 17 Mitarbeiter an ihren Rechnern programmieren, ist eine Software, mit der Botschaften, Gebäude der Bundesregierung, Museen und sogar Atomanlagen überwacht werden - beziehungsweise das dortige Sicherheitspersonal. „Deshalb die Handys“, sagt Allmendinger. „Wir liefern die Software für die Geräte.“

Die Software selbst liefert Daten unter anderem darüber, welcher Kontrollgang in den Gebäuden absolviert, welcher ausgelassen wurde, sie sendet Alarm, wenn der Wachmann beispielsweise stürzt, oder meldet, dass der Handy-Akku zur Neige geht - in Echtzeit.

Mit der Idee seiner Zeit voraus

Allmendinger gibt ein paar Befehle auf der Computertastatur ein. Auf einem riesigen Monitor erscheint das Überwachungsprotokoll eines Versandzentrums in Berlin. Eine Karte zeigt, wo sich der Wachmann befindet. Der hat Fotos gemacht auf seinem Rundgang. „Paket vom Band gefallen“, „Eingangstür beschädigt“, „Fenster nicht geschlossen“. Diese Informationen laufen auf drei Servern auf und bei Allmendingers Auftraggebern.

Als sich Allmendinger vor 25 Jahren selbstständig machte, waren ausschließlich Gebäudereinigungsfirmen seine Kunden. „An meine Idee hat damals niemand geglaubt“, erinnert sich der 53-Jährige. „Ich kam mir vor wie Walt Disney. Der hat 200 Banken abgeklappert, die 201. hat ihm dann Geld gegeben.“ Allmendinger musste auf Kredite oder Förderung verzichten, hat seine Firma aus eigener Kraft aufgebaut. „Wir waren unserer Zeit voraus. Aber unsere Mitarbeiter haben an die Idee geglaubt. Auch in Zeiten von Durststrecken.“

Auftraggeber wollen Effizienz

Inzwischen hat der Quellcode, auf dem die Software basiert, den Umfang von mehr als 13 Bibeln. Denn längst haben die Programmierer das Einsatzgebiet erweitert. Fahrzeuge werden damit geortet, Personenschützer damit ausgestattet oder Kinder einflussreicher Menschen, um sie vor Entführung zu schützen. Aber auch an im Wald trocknenden Baumstämmen oder hochwertigen Teppichen haftet mitunter ein solcher Personentracker mit Allmendingers Software - zum Schutz vor Diebstahl.

GPS-Tracking, Bluetooth, Near-Field-Communication, GeoFence - Gerd Allmendinger spricht begeistert von all den Technologien, die ihm sein Geschäftsmodell ermöglichen. Auch, wenn der Mensch, der Mitarbeiter, damit ein gläserner ist. Für die Auftragnehmer gehe es vor allem um Effizienz.

Soft Clean expandiert

Ein Thema auch für Allmendinger. Die Firma wächst stetig. Die Lehrlinge, die hier anfangen, werden am Ende auch bei Soft Clean arbeiten - wenn sie denn wollen. Projekte in Sri Lanka stehen an, in der Schweiz, in Luxemburg, Österreich oder Italien ist die Software aus Wismar bereits im Einsatz.

Dafür ist Allmendinger auch auf Messen unterwegs. Für die nächste Ende September in Berlin hat er 5000 Kondome geordert - „Mit Sicherheit die beste Lösung“ oder „Wir wollen, dass Sie kommen“ steht darauf. Da ist es wieder - das Grienen auf seinem Gesicht. Marketing? Das machen Programmierer und Geschäftsführung gemeinsam.

Nicole Buchmann

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