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Wismar Solarmodule: Diebe werden mit künstlicher DNA aufgespürt
Mecklenburg Wismar Solarmodule: Diebe werden mit künstlicher DNA aufgespürt
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03:43 31.08.2013
Die Solaranlage in Warin besteht aus mehr als 14 000 Modulen. Künstliche DNA soll sie ab sofort besser vor Dieben schützen. Quelle: Fotos: Sylvia Kartheuser
Steinhausen

Schier endlos scheinen die Reihen der Solarmodule. Ameisengleich laufen mehrere Männer unter den glänzenden Paneelen hin und her. Jeder hat eine Sprühflasche in der Hand. An jedem Modul wird gestoppt, ein Sprühstoß und weiter geht‘s zum nächsten der insgesamt weit über 14 000 auf diesem Feld bei Warin. Die Sprühdosen enthalten das Modernste, was derzeit an Sicherheitstechnik auf dem Markt ist: Flüssigkeit mit künstlicher DNA, hergestellt im Labor.

„Unser Ziel ist es, Solaranlagen und andere Wertgegenstände für Diebe unattraktiv zu machen, weil diese durch die DNA leicht zu identifizieren, aber nur noch schwer zu verkaufen sind“, sagt Axel René

Matz (40), Geschäftsführer von Spectrum Distribution. Das Unternehmen aus Calau am Spreewald hat die Anlagen in Warin und Steinhausen ausgestattet.

Zu sehen ist auf den besprühten Flächen nichts. Jedenfalls nicht mit bloßem Auge. Doch unter UV-Licht leuchtet die Fläche bläulich und unter einem elektronischen Handmikroskop, kaum größer als ein Handy, ist der Code sofort ablesbar. Es ist eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben.

Jede Reihe der Solaranlagen bekommt eine eigene DNA. Die Codes sind einzigartig wie Fingerabdrücke. „Entdeckt die Polizei eine vermeintlich gestohlene Anlage, kann sie in der Datenbank nachfragen, zu welchem Eigentümer der Code gehört — ähnlich wie bei codierten Fahrrädern“, erklärt Matz. Das würde die Ermittlungszeit deutlich verkürzen.

Die große Anlage in Warin und die etwa halb so große in Steinhausen bei Neuburg sind die ersten Solaranlagen in Mecklenburg-Vorpommern mit künstlicher DNA als Diebstahlssicherung. Durch einen Zeitungsbericht sei man auf diese Technik aufmerksam geworden, erklärt Harald Eder (35), Geschäftsführer der FinRo Finanzberatung, die den Betreiber, die Solargesellschaft Warin, betreut. „Wir haben länger überlegt, welches Sicherheitssystem wir am besten verwenden, denn die Täter haben bis jetzt noch jedes geknackt“, sagt Eder. So sei man auf die künstliche DNA gekommen. Mit der werden nicht nur die einzelnen Module, sondern auch die Zaunfelder rings um die Anlagen versehen. Schilder in verschiedenen Sprachen weisen auf die besondere Sicherung hin.

Und was kostet das Ganze? „Etwa 12 000 Euro — das ist umgerechnet weniger als einen Euro pro Modul. Das sollte einem die Sicherheit doch wert sein“, sagt Harald Eder. Axel René Matz steht daneben und erklärt: „So große Anlagen und Summen sind aber die Ausnahme.“ Die Technik eigne sich durchaus auch für Wertsachen im eigenen Haushalt. „Die Hansestadt Bremen, übrigens die Stadt, die die Technik aus Holland importiert hat, ließ 2009 zum Test mehr als 6000 Haushalte in verschiedenen Stadtteilen mit künstlicher DNA ausrüsten. Die Einbrüche sind auf ein Viertel gesunken“, berichtet Matz. So ein Haushaltskit würde es ab 75 Euro geben.

Auch aus Brandenburg gibt es mittlerweile Erkenntnisse, wie wirksam die aufgesprühten Sicherheitsmarken mit den Microdots sind. Neben Solaranlagen sind Baumaschinen und teure landwirtschaftliche Technik beliebte Ziele von Dieben. „Wir haben dort bis jetzt mehr als 3000 Land- und Baumaschinen ausgerüstet — und die Diebstahlsrate ist um mehr als 60 Prozent gesunken, hat uns die Polizei versichert“, so Axel René Matz.

Die Kundenliste des Unternehmens aus Brandenburg ist prominent besetzt. Die Deutsche Bahn steht dort, Karstadt Bremen, Mercedes-Benz, mehrere Städte, Bauernverbände und mehr. Selbst das Bundeskriminalamt setzt auf die DNA-Sicherung Ein weiterer Pluspunkt für die künstliche DNA ist, dass sie viele Jahrzehnte haltbar ist. Außerdem lässt sich diese Sicherung durch kein wie auch immer geartetes Lösungsmittel entfernen. Axel René

Matz bestätigt: „Das wäre ausschließlich mit roher Gewalt möglich, zum Beispiel mit einer Flex. Aber dann wäre das Objekt der Begierde zumindest beschädigt, wenn nicht gar zerstört.“ Der Geschäftsführer grinst: „Und damit unbrauchbar für die Diebe.“

Diebstähle in diesem Jahr
24./25. August: Mehr als 100 Solarmodule werden von unbekannten Tätern aus einem im Aufbau befindlichen Solarpark bei Wismar gestohlen. Der Schaden beträgt etwa 27 000 Euro. Die Module waren zwar bereits installiert, aber noch nicht alarmgesichert.

27./28. Juli: Auf dem Gelände eines Solarparks in der Nähe von Groß Stieten werden 36 Solarmodule gestohlen. Auch hier sind die Täter unbekannt. Um auf das Areal zu kommen, durchtrennten die Diebe den Metallzaun.

10./13. Mai: Von einer Baustelle in Levetzow bei Lübow haben unbekannte Täter zwischen dem Arbeitsende am Freitag und dem Arbeitsbeginn am Montag ein komplettes Baugerüst und eine Vielzahl Solarmodule gestohlen. Die Solarmodule waren noch nicht montiert und sind direkt als Palette entwendet worden. Der Schaden beträgt etwa 10 000 Euro.

Was ist DNA?
Desoxyribonukleinsäure, deutsche Abkürzung DNS und englische Abkürzung DNA, ist ein Biomolekül und Träger der Erbinformation.

DNA hat im Normalzustand die Form einer Doppelhelix, also einer vielfach miteinander verbundenen Doppelspirale. Chemisch gesehen sind es lange Kettenmoleküle, die aus verschiedenen Bausteinen aufgebaut sind.

Die Entdeckung von DNA geht auf den Schweizer Arzt Friedrich Miescher zurück. 1869 entdeckte er in den Zellkernen eines Eiter-Extraktes eine Substanz, die er Nuklein nannte. Doch erst 1953 beschrieben der US-Amerikaner James Watson und der Engländer Francis Crick in einem Artikel erstmals den strukturellen Aufbau der DNA.

Der DNA-Code ist mit einem Hand- mikroskop oder im Labor ganz einfach zu entschlüsseln.“ Axel René Matz,

Geschäftsführer

Sylvia Kartheuser

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