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Stadt will „Weinberg“ vermieten an Schweriner Gastronomen

Wismar Stadt will „Weinberg“ vermieten an Schweriner Gastronomen

Endlich! Zwei Jahre nach der Millionen-Sanierung des Restaurants „Zum Weinberg“ in der Wismarer Altstadt zeichnet sich eine Lösung ab.

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Der Hinweis im Eingangsbereich, dass der „Weinberg“ zu vermieten ist, kann wieder weg.

Wismar. Endlich! Zwei Jahre nach der Millionen-Sanierung des Restaurants „Zum Weinberg“ in der Wismarer Altstadt zeichnet sich eine Lösung ab. In Anzeigen werden bereits Köche, Servicekräfte, Barkeeper und Aushilfen für Restaurant, Cocktailbar und Lounge gesucht.

OZ-Bild

Endlich! Zwei Jahre nach der Millionen-Sanierung des Restaurants „Zum Weinberg“ in der Wismarer Altstadt zeichnet sich eine Lösung ab.

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Wenn die Bürgerschaft Ende des Monats dem Vertrag zustimmt, kann der neue Pächter in der städtischen Immobilie Hinter dem Rathaus loslegen. Der Verwaltungsausschuss der Bürgerschaft hat bereits sein Okay gegeben.

Auf OZ-Anfrage bestätigt Marco Pusceddu sein Interesse. In der Schweriner Innenstadt betreibt er das Steakhouse „Steak‘s & More“ sowie den „M8“-Party- und Tanzclub in der Mecklenburgstraße 8.

Pusceddu: „Von unserer Seite ist alles klar.“

Bei Zustimmung der Bürgerschaft am 31. März werde Anfang April der Vertrag zwischen der Hansestadt und der „Gastro GmbH Zum Weinberg“ unterschrieben. Mitte Mai soll dann die Eröffnung unter dem Namen „Steak‘s & More Zum Weinberg“ erfolgen.

Das Restaurant werde an 365 Tagen im Jahr geöffnet sein, klarer Schwerpunkt auf der Speisekarte (identisch mit Schwerin) werde Fleisch sein, doch auch Pasta und Pizza kommen nicht zu kurz.

Um den „Weinberg“ wirtschaftlich betreiben zu können, will der neue Pächter außerdem donnerstags bis sonntags auf Angebote in der Lounge und Cocktailbar setzen, im Gewölbekeller plant Marco Pusceddu einmal wöchentlich eine Tanzveranstaltung. Die Gespräche mit der Stadt werden seit August 2015 geführt.

Seit fast zwei Jahren wartet das für 3,6 Millionen Euro sanierte Haus auf eine Nutzung. Mehrere Interessenten waren in der Anfangsphase abgesprungen, vor einem Jahr musste die Stadt mit der Suche von vorn beginnen. „Wir sind froh, dass wir einen Interessenten gefunden haben“, so Stadtsprecher Marco Trunk, der sich mit weiteren Details zum jetzigen Zeitpunkt zurückhält. Die Suche nach einem Pächter uferte schon fast zu einer Endlosgeschichte aus. Mitte April 2014 wurde die Einweihung für das geschichtsträchtige Gebäudeensemble gefeiert. Es gab Interessenten, einen Aprilscherz über den Einzug von McDonald‘s, Gästeführungen mit großem Besucherandrang, zwischendurch eine auf einen Monat befristete Nutzung. Was fehlte, war aber ein Pächter.

Dafür gab es reichlich Kritik an der Verwaltung. Vorwurf: Bei der Sanierung des Gebäudes wurden zu wenig gastronomische Belange berücksichtigt. „Da alle abgesprungen sind, liegt die Annahme nahe, dass sich bei der geforderten Pacht eine Gastronomie nicht wirtschaftlich betreiben lässt“, monierte etwa die Für-Wismar- Fraktion. Der Verwaltung war die verwaiste Immobilie natürlich ein Dorn im Auge.

Zwischenzeitlich gab es ein Schreiben der Abteilung Liegenschaften an die Fraktionen, in dem sämtliche Bemühungen seitens der Verwaltung, die Fehlschläge und die Pläne für die Zukunft aufgeführt wurden. So gab es 2013 und 2014 zwei ergebnislose Interessenbekundungsverfahren der Stadt. Später wurde ein Rostocker Immobilienbüro mit der Vermarktung beauftragt. Ohne Ergebnis. Zwischen August und November 2014 habe es zehn Kontaktaufnahmen gegeben. Mit sieben Interessenten wurde der „Weinberg“ besichtigt. Letztlich waren diese Bemühungen ergebnislos.

Der Stadt blieb nichts anderes übrig, als weiterhin mit Maklern im Gespräch zu bleiben und auf die Karte Hoffnung zu setzen. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) wollte sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern. Die Bürgerschaft befasst sich Ende des Monats im nicht öffentlichen Teil der Sitzung mit dem Vertrag.

Haus gehört der Hansestadt — mit testamentarischen Auflagen

Das Gebäude , 1355 errichtet, wurde um das Jahr 1575 im Renaissancestil gestaltet und wurde nachweislich seit 1648 als Weinhandlung genutzt.

1710 wurde das Haus umgebaut und die heute noch sichtbare barocke Fassade zur Straßenansicht errichtet. Aus dieser Zeit stammt auch die Figur des Weingottes Bacchus über der Eingangstür. 1751 erhielt das Haus erstmalig die Bezeichnung „Zum Weinberg“.

Am 1. Oktober 1822 kaufte Ferdinand Gustav Michaelis Haus und Weinhandlung. Die Weinhandlung behielt zwar den Namen „Zum Weinberg“, aber die Firma hieß „F.G.Michaelis“. Bis 1953 war die Familie Michaelis Eigentümer der späteren Weingroßhandlung „F. G. Michaelis“. Sie prägte die geschmackvolle Innenausstattung des Hauses.

Gustav und Lilly Michaelis hatten zwei Söhne, die jung verstarben. So war dieser Familienzweig ohne Nachkommen. Am 19. Dezember 1941 nahm der Wismarer Rat die Verfügung des Testamentes der am 22. August 1941 verstorbenen letzten Eigentümerin des Hauses, Lilly Michaelis, an, wonach diese der Stadt Wismar das Haus mit Grundstück „auf ewig“ mit der Auflage vererbte, es innen wie außen zu erhalten.

1953 setzte eine regelrechte Hetzjagd auf private Unternehmer ein und Michaelis wurde „beschuldigt“, Kronenkorken zu horten. Die Familie floh in den Westen. Im gleichen Jahr wurde die Enteignung des Traditionsunternehmens „Weingroßhandel F. G. Michaelis“ angeordnet. Im Januar 1954 übernahm der VEB „Wismaria“ dieses Haus.

 

Am 7. Mai 1966 wurde im „Weinberg“ eine „Verköstigungsstube“ des VEB Wismaria eröffnet, 1973 die Gaststätte von der damaligen Handelsorganisation (HO) eingerichtet.

Am 16. April 2014 ist das Haus nach einem Sanierungsaufwand von 3,6 Millionen Euro übergeben worden. Nicht nur das Vorderhaus wurde saniert, sondern auch der Kemladen. 45 Prozent der Gesamtkosten zahlte der Bund aus dem „Investitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten“ und 45 Prozent steuerte das Land MV bei, zehn Prozent die Stadt Wismar.

Von Heiko Hoffmann

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