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Teures Pflaster: 70 Cent für 20 Minuten auf dem Markt?

Wismar Teures Pflaster: 70 Cent für 20 Minuten auf dem Markt?

Politik soll Änderungen am Parkkonzept beschließen – Keine Brötchentaste

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Direkt auf dem Marktplatz gibt es noch 38 Stellplätze. Hinzu kommen etwa 28 an der Marktumfahrung. Die Verwaltung schlägt vor, dass künftig 70 Cent für 20 Minuten Parken anfallen, noch sind es 50 Cent.

Quelle: Foto: Heiko Hoffmann

Wismar. Parkplätze am Wismarer Markt sind ein lukratives Geschäft für die Stadt. Die Gebühr soll von 50 auf 70 Cent für 20 Minuten Parken erhöht werden. Das schlägt die Verwaltung für die Sitzung der Bürgerschaft am 23. Februar vor. Bei 38 Stellplätzen auf dem Markt und weiteren etwa 28 rings um den Markt kommt da ein stattliches Sümmchen zusammen.

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Politik soll Änderungen am Parkkonzept beschließen – Keine Brötchentaste

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Heiko Hoffmann ist gegen höhere Gebühren und autofreien Marktplatz.

Nicole Buchmann wünscht sich einen autofreien Marktplatz.

„Die Stellflächen dort sind eigentlich immer voll“, sagt Stadtsprecher Marco Trunk. Die Auslastung liege bei nahezu einhundert Prozent, im Jahr 2015 wurden rund 110 000 Parkscheine gezogen.

Die Begründung der Stadt für die Erhöhung lautet: Der Parksuchverkehr soll eingeschränkt werden, weil viele Autofahrer Runde um Runde drehen, um einen Parkplatz zu ergattern.

Für Kai Woellert, sachkundiger Einwohner für die FDP, ist „das ein Scheinargument. Es geht um mehr Geld“. Er sprach im Verwaltungsausschuss der Bürgerschaft von „Gewinnmaximierung“, die Verwaltung überziehe mit ihren Plänen. Woellert machte eine Rechnung auf, wonach die Stadt mit dem Parken jährlich etwa eine Millionen Euro Gewinn macht.

Bausenator Michael Berkhahn (CDU) will die Summe nicht im Raum stehen lassen. Er spricht von einem Überschuss von rund 500000 Euro in der Parkraumbewirtschaftung. Dieses Geld werde wieder komplett für Vorhaben investiert. Die FDP, so Berkhahn, wollte Parkhäuser privatisieren. Die Stadt habe sich für einen anderen Weg entschieden. „Was wir erwirtschaften, wird wieder investiert“, so der Bausenator.

Die Auftragsvergabe für das Parkhaus am Alten Hafen mit 210 Stellplätzen erfolgt Ende Februar/Anfang März. Ende März/Anfang April sollen die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2018 vorgesehen. Die Kosten für das Gesamtprojekt betragen etwa 5,5 Millionen Euro.

Das Projekt Parkdeck zwischen der Turmstraße und der Dr.-Leber-Straße befindet sich noch in der Planungsphase. Einen genauen Zeitpunkt für den Baubeginn gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung noch nicht. Die Planung sieht etwa 250 Stellplätze vor. Geschätzte Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Zugleich verteidigt der Senator die geplanten Änderungen am Parkkonzept. Geld habe eine Steuerungsfunktion. So wolle man auch erreichen, dass Autofahrer mehr die Bademutter- und Gerberstraße nutzen.

Dort kosten 20 Minuten 50 Cent. Für die geplante Gebührenerhöhung auf dem Markt wird es aber eng. Die SPD hat Ablehnung signalisiert, so auch die CDU. Im Verwaltungsausschuss gab es drei Ja- und sechs Nein- Stimmen. Alle anderen Punkte (siehe Infokasten) scheinen mehrheitsfähig zu sein. Für Tom Brüggert (CDU) hat das Parkraumbewirtschaftungskonzept „gefruchtet“, aus der Sicht von Ulrich Litzner (SPD) „hat es sich bewährt“.

Für die Einführung der „Brötchentaste“ für kostenfreies 15-minütiges Parken am Markt, in der Mecklenburger Straße und in der oberen Dankwartstraße gab es nur eine Ja-Stimme von Einreicher Kai Woellert, fünf Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Die FDP hatte diesen Antrag bereits 2012 gestellt. Michael Berkhahn sprach sich dagegen aus, weil diese Möglichkeit oft missbraucht werde. Woellert kritisierte „übertriebenes Misstrauen gegenüber dem Bürger“.

Geplante Änderungen

Sommersaison: Beginn der Sommersaison am 15. März statt wie bisher am 1. April. Sie endet am 31. Oktober.

Marktplatz: Die Parkkosten am Markt von 50 auf 70 Cent für 20 Minuten erhöhen.

Turmstraße: Der Parkplatz soll kostenpflichtig werden (50 Cent für 30 Minuten, 1 Euro pro Tag).

Zeughaus: Bewirtschaftete Fläche wird in den Wechsel Sommer- und Winterzeit aufgenommen, auf dem anderen Teil wird die Höchstparkdauer auf eine Stunde reduziert, jetzt zwei Stunden.

Volkshochschule: kostenfrei.

Die Evaluierung des Parkraumkonzeptes finden Sie auf www.wismar.de/Bürger/Verkehr-Parken

Parken? Muss denn das sein?

20 Minuten Parken für 70 Cent. Wie wäre es damit, gar nicht mehr zu parken am Markt? Wie wäre es, die 38 Stellflächen, die an der Marktkante liegen, durch sonnenbeschienene Tische zu ersetzen, auf denen wohlduftender Kaffee dampft zum Frühstück, der erste Spargel serviert wird zum Mittag oder ein Stück Stachelbeertorte am Nachmittag? Wie wäre es, wenn das Herz der Stadt dem Verweilen, Schlendern, Staunen vorbehalten bliebe? Undenkbar? Werfen wir einen Blick auf die Weltkulturerbe-Schwester Stralsund: Gut zehn Jahre ist es her, dass parkende Autos vom Markt vor dem Rathaus verbannt wurden. Gegen Widerstände, die so manchen Backstein hat aus der Fuge fallen lassen. Heute ist klar: Der autofreie Marktplatz hat niemandem geschadet – den Händlern in der Altstadt nicht, den Gastronomen erst recht nicht. Im Gegenteil. Seitdem tummelt sich auf dem Alten Markt in Stralsund das Leben.

Schönheit ist nicht alles

Bei Ambiente und Flair der Innenstadt hat Wismar gerade Platz eins bei einer Umfrage belegt. Das darf aber den Blick nicht vernebeln. Die Stadt sollte bei den Parkgebühren nicht überziehen. Und es bei 50 Cent für 20 Minuten am Markt belassen. Sicher, die Stellplätze werden wohl auch für 70 Cent genutzt. Der Gewinn ist verlockend. Doch der Preis ist heiß. Viele Wismarer und Leute aus dem Umland wollen nur auf die Schnelle etwas erledigen. Den Ruf nach der Brötchentaste kann ich sehr gut verstehen. Und den Vorwand der Trickserei nicht mehr hören.

Der Bereich Alter Hafen wird immer attraktiver. Gleichzeitig verschwinden Parkplätze auf dem Theaterplatz, das Angebot bei St. Marien wird ersatzlos reduziert, an der Turmstraße fallen mit der Kita-Bebauung weitere Plätze weg. Reduzieren und das Parken teurer machen schaden dem Einzelhandel und damit einer belebten Innenstadt. Das kann es nicht sein.

Heiko Hoffmann

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