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Verschwindet das Seegras in den Äckern?

Klütz Verschwindet das Seegras in den Äckern?

Sobald das angeschwemmte Material nicht mehr der Abfallverordnung unterliegt, kann es als Dünger verwendet werden / Landwirte haben bereits Interesse signalisiert

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Seegras als Dünger? Ab dem kommenden Jahr könnte das angeschwemmte Material in Ackerflächen eingearbeitet werden.

Quelle: Jens Koehler

Klütz. Die Gemeinden im Klützer Winkel mit Strandabschnitten könnten das dort anfallende Seegras ab dem nächsten Jahr einfacher loswerden. Während der Stadtvertretersitzung in Klütz erklärte Bauamtsleiterin Maria Schultz, dass voraussichtlich ab 2017 Landwirte das Sand-Seegrasgemisch als Bodenhilfsstoff in ihre Äcker einbringen könnten.

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Sobald das angeschwemmte Material nicht mehr der Abfallverordnung unterliegt, kann es als Dünger verwendet werden / Landwirte haben bereits Interesse signalisiert

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Möglich würde das durch einen bürokratischen Akt. „Es mussten einige Untersuchungen gemacht werden und es ist unter anderem noch zu klären, wie viel Ackerflächen in den betreffenden Zeiten zur Verfügung stehen“, sagt Maria Schultz. Sind alle Ergebnisse so, wie man es sich im Klützer Winkel erhofft, würde das Seegras nicht mehr der Abfallverordnung unterliegen, sondern der Düngemittelverordnung.

„Das würde uns schon entlasten“, sagt der Klützer Bürgermeister Guntram Jung (CDU). „Allerdings entstehen für uns die meisten Kosten bei der Beräumung des Strandes“, fügte er hinzu.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) sagt: „Es wäre eine wesentliche Erleichterung für uns, das Seegras an Landwirte abzugeben. Die Logistik könnte man sicher klären.“ Ein Hauptpunkt ist nämlich, dass momentan über frisches Seegras vermischt mit Sand verhandelt wird. Nur wenn es nicht von der Kommune gelagert wird, unterliegt es nicht mehr der Abfallverordnung. „Wenn der Landwirt das Material aber abgenommen hat, könnte er es kurz zum Beispiel auf Strohmatten lagern, weil es dann als Düngemittel eingestuft wird“, erklärt Maria Schultz.

Ein weiterer Punkt, der geklärt werden muss, ist die Technik, mit der das Seegras vom Strand geholt wird. „Optimal wäre es, erst gar keinen Sand mit vom Strand zu transportieren“, sagt Hohenkirchens Bürgermeister Jan van Leeuwen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Material vom Strand bis zu 80 Prozent aus Sand besteht. Daher wird es in Boltenhagen seit diesem Jahr gesiebt. Durch eine Lagerung, wie in Boltenhagen bislang geschehen, verliert das Seegras aber an Nährstoffen, sagt van Leeuwen, der auch Betriebsleiter des Erdbeerhofs Glantz in Hohen Wieschendorf ist und sich daher in der Landwirtschaft auskennt. „Heute ist schon in vielen angebotenen Bodenhilfsstoffen Seegras enthalten“, sagt er. „Es ist ähnlich wie Humus und verbessert durch anhaftende Algen und andere natürliche Wirkstoffe das Pflanzenwachstum.“ Aus Sicht des Landwirts habe er anfangs lediglich ein Problem im Salz aus der Ostsee gesehen. „Allerdings werden im herkömmlichen Ackerbau auch chloridhaltige, also salzhaltige Düngemittel eingesetzt. Mir wurde versichert, dass der Gehalt beim Seegras weitaus geringer ist als in solchen Düngemitteln und von daher kein Problem darstellt“, so van Leeuwen.

Allerdings sei das Seegras damit doch nicht so gut geeignet für Erdbeerfelder. „Zuckerrüben mögen das aber sehr und auch bei Getreide und Raps wird chloridhaltiger Dünger eingesetzt“, sagt van Leeuwen.

Er steht wie auch die anderen Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Klütz, Boltenhagen und Zierow in Kontakt mit Landwirten, die sich für den Einsatz von Seegras auf ihren Feldern interessieren.

„Die Anregung ist ja auch von einigen Landwirten gekommen“, sagt van Leeuwen. Erfreut ist auch Zierows Bürgermeister Franz Josef Boge von der Entwicklung. Er ist selber Landwirt und sagt: „In unserer Gemeinde hätten wir gute Möglichkeiten, das Seegras auszubringen, und ich denke auch insgesamt stünden genug Ackerflächen zur Verfügung.“

Bereits 2014 hatte der Klützer Stadtvertreter Arne Nölck, Landwirt aus Oberhof, erklärt: „Wir haben schon überlegt, das Seegras nach der Ernte auf unsere Äcker auszubringen.“ Auch der Betrieb Hünemörder in Gägelow sowie Juliane Pieper in Hohenkirchen hatten sich zu der Zeit schon für das Thema interessiert.

Jetzt wird an einem Konzept gearbeitet, in dem es um die Abläufe der Strandreinigung, eventuell neue Maschinen und die Übergabe des frischen Seegrases an Landwirte gehen soll. Das Konzept, so informiert Maria Schultz, soll im September vorgelegt werden.

Probleme und Nutzen

Bereits 2003 hatte das Amt Klützer Winkel schon eine Seegras-Trocknungsanlage in Grundshagen in Betrieb genommen. Im Vorfeld hatte es Forschungsprojekte rund um die Seegrasverwertung gegeben, die von der EU mit etwa 1,8 Millionen Euro gefördert wurden und 2002 den Umweltpreis des Landes einbrachten. International fand die Anlage in Grundshagen Beachtung.

Allerdings konnte sie nicht wirtschaftlich betrieben werden.

In der Medizin wurde Seegras bereits 2700 vor Christus von den Chinesen zur Behandlung eines Kropfes empfohlen. Man hatte herausgefunden, dass Meerespflanzen viele Rohstoffe wie Jod, aber auch diverse Öle wie Paraffinöl liefern.

Das Ostseebad Boltenhagen ist Spitzenreiter. Dort werden jährlich zwischen 4000 und 8000 Tonnen Seegras-Sandgemisch vom Strand entfernt. Hohenkirchens Bürgermeister Jan van Leeuwen vermutet, dass seine Gemeinde, Klütz und Zierow diese Menge gemeinsam nicht erreichen.

Malte Behnk

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