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Wismar Vor Poel auf Krabbenfang

Jörg Bernier ist der letzte Wismarer Krabbenfischer / Sechs Wochen im Jahr legt er die Reusen aus

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Von Anfang Juni bis Mitte Juli: Ostseekrabben fangen Günter und Jörg Bernier nur etwa sechs Wochen im Jahr. Fotos (3): Nicole Buchmann

Wismar. „Schiet“, brummt Günter Bernier und reicht den schwarzen Kübel an Bord der „Lisette“. „Das reicht gerade mal für ein Krabbenbrötchen.“ Sohn Jörg schüttelt den Kopf. Vor gut einer Stunde sind die beiden im Stadthafen von Wismar aufgebrochen – kurz vor fünf. Haben mit dem zum Zeesboot umgebauten Fischkutter Kurs genommen auf die Südküste von Poel.

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Jörg Bernier ist der letzte Wismarer Krabbenfischer / Sechs Wochen im Jahr legt er die Reusen aus

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Grau am Himmel. Wind. Welle. Schon auf der Seefahrtsstraße ist Jörg Bernier skeptisch. Kein gutes Wetter für Krabbenfang. Dabei hat die Saison so gut angefangen. Vier Kisten, 70 Kilo, an einem Tag, sagt Bernier. Nach anderthalb Stunden auf dem Markt sei alles weg gewesen.

Freie Fahrt voraus. Nichts und niemand ist unterwegs auf dem Wasser an diesem Morgen. „Normalerweise fahren wir bei Tagesanbruch raus“, sagt Jörg Bernier. Heute hat er die Zeitung an Bord und deshalb um eine Stunde verschoben. „Konnte ich ausschlafen“, scherzt er.

Günter Bernier hält auf ein Leuchtfeuer zu. Zu flach liegen die Reusen, als dass sie dort beiliegen könnten. Deshalb liegt ein Beiboot vor Anker am Leuchtfeuer. „Lisette“nimmt es in Schlepp. Die Holzplanken vibrieren unter dem 36 PS-Dieselmotor. Die Fußsohlen kribbeln. Zweieinhalb Jahre haben Berniers an „Lisette“ gebaut. Gaffelgetakelt segeln sie nun in der freien Zeit mit dem einstigen Fischkutter über die Ostsee.

Gischt legt sich in feinen Tropfen auf Jörg Berniers schwarze Gummistiefel. Die Männer ziehen Ölzeug über – grüne Gummihosen mit Latz bis über die Brust. Kurs auf den zweiten Krabbenkorb Höhe Kirchdorf. Vom Strand ziehen sich die Reusen der verbliebenen sechs Ostseekrabbenfischer in der Wismarbucht ins flache Wasser.

Jeder hat seinen eigenen Platz im sogenannten „Krabbenring“. Vereinbart auf der Krabbenversammlung – per Handschlag vor mehr als 100 Jahren. „Wir treffen uns einmal im Jahr“, sagt Bernier. „Bleibt alles beim Alten? – Bleibt alles beim Alten.“ Viel mehr werde da nicht beredet, sagt der 45-Jährige und grient. Dann übernimmt er die Pinne. Wind und Wellen treiben „Lisette“ in Richtung Land.

Bernier wirft Anker. Vater Günter steigt über ins Beiboot, paddelt zum Leitwehr. Bleibeschwert und einer grobmaschigen Gardine gleich, soll es nach unten hängen, damit die Krabben dagegen schwimmen.

„Dann suchen sie den Weg ins tiefe Wasser und landen automatisch im Korb“, erklärt der Fischersohn.

Zwei Zentner fasst der Korb, der aussieht wie aneinandergenähte Reifröcke. Doch Wind und Wellen aus Westnordwest haben das Leitwehr trotz Blei vom Grund gehoben. Die Krabben vor Poel hatten freie Fahrt. Im Korb: Krebs, Stichling, Flunder, Grundel, Seenadel, Jungaal. Krabben – nur etwa vier Kilo. „Gekocht macht das etwa fünfeinhalb“, sagt Bernier. Wir rechnen um: Das sind gut zehn Mal Rührei mit Krabbe. Für den Markt am nächsten Tag heißt das – wer zuerst kommt, mahlt zu erst.

Insgesamt sechs Wochen – noch bis Mitte Juli – dauert die Saison. Berniers leeren die Körbe, kochen die Krabben zu Hause, laden sie in den Wagen und beliefern ihre Marktstände. Als kleiner Fischer müsse man das alles schon selbst machen, sagt Jörg Bernier. Sonst komme man nicht über die Runden – bei den Aufkaufpreisen.

Aus dem Handgelenk schleudert Jörg Bernier den Beifang wieder über Bord. Mit dem Sortieren ist er an diesem Morgen schon auf der Rückfahrt fertig. Ach, wenn man immer alles gegenrechnen wolle, sagt er und winkt ab. Wasser, Wind, Natur – und die Freiheit seien das, was dem Fischer in fünfter Generation wichtig ist. Und dass er Segel setzen kann auf „Lisette“ – diesen Sommer will die Familie ins Kattegat.

Nicole Buchmann

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