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Marina lässt keine Fremdfirmen mehr zu

Boltenhagen/Wismar Marina lässt keine Fremdfirmen mehr zu

Bootseigner sollen die betriebseigene Werft in Tarnewitz nutzen. In Wismar und Rostock geht es anders zu.

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Die Marina Boltenhagen: Seit Herbst lassen die Betreiber keine Fremdfirmen mehr auf ihr Gelände, die Reparatur- oder Wartungsarbeiten für Liegeplatzmieter erledigen wollen.

Quelle: Ulrike Oehlers

Boltenhagen. Bootsbesitzer, die in der Marina Boltenhagen einen Liegeplatz gemietet haben, dürfen seit diesem Herbst keine Fremdfirmen für Reparatur- oder Wartungsarbeiten auf dem Gelände der Marina mehr beauftragen. „Es gibt eine Vertragsklausel, laut der die Marina dem Einsatz einer Fremdfirma zustimmen muss“, sagt Yachteigner und Liegeplatzmieter Uwe Beier. „Bisher war das auch immer möglich.“ Doch jetzt müssten die Wassersportler die Dienste der am 1. Juli 2011 eröffneten Werft auf der Marina in Anspruch nehmen.

Betreiber von Werft und Marina ist die Sea-Site GmbH. Deren Geschäftsführer ist Andreas Hundsdörfer. „Wir geben dazu keine Stellungnahme ab“, erklärte Stephanie Salziger, Pressesprecherin des Unternehmens auf Anfrage.

Wie Uwe Beier schildert, habe er von Hundsdörfer die Antwort erhalten, „dass man eine eigene Werft hätte und das Geld selbst verdienen möchte und dass versicherungsrechtliche Probleme hinzukämen. Und wenn mir das nicht passt, könne ich ja in einen anderen Hafen gehen“. Das wolle er aber auch nicht, sagt der 55-Jährige, der in Hamburg und Düsseldorf wohnt und in Boltenhagen eine Zweitwohnung besitzt. „Nun stehe ich vor der Situation, dass ich Preis und Leistung der Werft ,Weiße Wiek‘ akzeptieren muss.“ Beier fände es besser, wenn die neue Firma der Sea-Site GmbH sich dem Wettbewerb stellen und durch Preis und Leistung überzeugen würde.

Außerdem hält er es für problematisch, „wenn jemand mit einem neuen Boot in der Marina oder Halle in Tarnewitz liegt und Garantieansprüche geltend machen möchte, weil irgend etwas defekt ist.

Das bedeutet ja, dass der Garantiegeber nicht aufs Gelände darf, um diese Ansprüche auszuräumen“. Seiner Ansicht nach nutze die Marina ihre Monopolstellung in Boltenhagen aus, was möglicherweise als sittenwidrig eingestuft werden könnte.

Stephanie Salziger verwies in einer Mail an Beier, die der Redaktion vorliegt, darauf, „dass wir als Wirtschaftsbetrieb, Betreiber, Finanzierer und vor allem Versicherungsbezahler und Arbeitgeber mit hohen Kosten keine anderen Gewerke mehr zulassen können, die unsere Facility nutzen, dafür aber keine Kosten übernehmen und ggfs. noch nicht einmal eine Versicherung vorweisen können“. Nach einer „gewissen Übernahmephase“ seien nun nur noch „absolute Spezialisten“ zugelassen, heißt es in der E-Mail von Stephanie Salziger. Die Firma Müller & Müller aus Kirchdorf/Poel sei die letzte Firma gewesen, die bis Sommer noch auf der Marina tätig werden durfte.

„Wir hatten sehr, sehr viele Kunden dort“, sagt Mario Müller, Junior-Chef des Familienunternehmens. Sie hätten teilweise als Subunternehmer für die Marina gearbeitet, teilweise seien sie von den Kunden direkt beauftragt worden. „Wenn ich Kunde bin, möchte ich selber bestimmen, wer an meinem Boot arbeitet“, sagt er. Mit der neuen Situation „haben wir uns abgefunden. Viele Kunden nehmen wir mit. Sie kommen dann vor der Wintereinlagerung zu uns nach Poel“. Uwe Deutschmann, Betreiber des Wismarer Westhafens, bezeichnet die neue Boltenhagener Vorgabe als „ein Unding. Es ist die Entscheidung des Eigners, welche Firma er an sein Boot lässt“. Auf seiner Steganlage hätten andere Firmen uneingeschränkt Zugang, sofern der Eigner diese autorisiert habe. „Im Winterlager prinzipiell auch“, fügt er hinzu. „Für manche Boote haben wir sogar den Schlüssel.“ Nur bei ganz speziellen Arbeiten, die besondere Anforderungen an die Arbeitsumgebung stellen, gebe es Einschränkungen. Deutschmann nennt als Beispiel Sandstrahlarbeiten bei der Sanierung des Unterwasserschiffs. Ebenso wie die Betreiber der Marina in Tarnewitz habe auch er seinen Hafen aus eigenen finanziellen Mitteln aufgebaut und somit ein wirtschaftliches Interesse an der Auslastung seines Bootsservice-Betriebs. „Die Wasserfläche habe ich gepachtet, das Club- und Servicegebäude erworben und saniert und die Steganlage bauen lassen“, zählt er auf. Außerdem beschäftige er drei Vollzeitmitarbeiter. Er setzt jedoch auf die Partnerschaft mit anderen Dienstleistern in der Branche. „Je mehr Service wir im Verbund anbieten können, desto attraktiver ist der Standort für Gast- und Dauerlieger“, lautet seine Philosophie. In Tarnewitz werde eine Monopolstellung ausgenutzt, so Deutschmann.

Ähnlich sieht es Silke Glomm, Geschäftsführerin der Kongresshotel Rostock GmbH, zu der auch der Yachthafen Hohe Düne gehört. „Ich würde es nicht einsehen, dass man jemandem vorschreibt, durch wen er sein Boot reparieren lässt“, sagt sie. Ihr Unternehmen habe keine eigene Werft, auf dem Gelände sei aber eine Fremdfirma ansässig.

Bei Eckhard Spillman, Betriebsleiter der Marina Rostock-Bramow, müssen Fremdfirmen pro Tag auf dem Hafengelände einen „Obolus“ entrichten, den genauen Betrag möchte er nicht öffentlich machen.

Da damit aber nicht die von den Firmen produzierten Zusatzkosten gedeckt werden könnten, arbeite er gerade an einer „Neuordnung“. Sein Betrieb habe Fördermittel erhalten, mit denen die Auflage verbunden gewesen sei, Dauerarbeitsplätze zu schaffen. „Die Leute müssen das ganze Jahr über beschäftigt werden“, so Spillmann. Wenn er eigene Leute für alle Dienstleistungen rund ums Boot hätte, würde er auch keine Fremdfirmen mehr zulassen.

Hier wird eine Monopol- stellung ausgenutzt.“

Uwe Beier, Bootseigner

 

Ulrike Oehlers

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