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Wiedmer und Leibold vor Beteiligung an drei Pelletwerken

Wismar Wiedmer und Leibold vor Beteiligung an drei Pelletwerken

Hamburger Pellex AG will Woodox-Werke kaufen / Leibolds Tochter soll Großaktionärin werden / Ehemaliger German Pellets-Chef dann wieder mit Zugriff auf Produktion

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Wiedmer und Leibold vor Beteiligung an Woodox-Werken

Ex-German Pellets-Chef Peter Leibold bleibt noch im Hintergrund. Seine Tochter soll über ihre Firma an drei Pelletwerken beteiligt werden.

Wismar. Noch ein paar Monate, dann könnte Peter Leibold wieder Pellets produzieren. Mithilfe von verschlungenen Firmenpfaden sollen nach gemeinsamen Recherchen von „Wirtschaftswoche“ und OSTSEE-ZEITUNG drei Pelletwerke Teil des Unternehmenskonstrukts von Leibold und seiner Tochter (OZ berichtete) werden.

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Hamburger Pellex AG will Woodox-Werke kaufen / Leibolds Tochter soll Großaktionärin werden / Ehemaliger German Pellets-Chef dann wieder mit Zugriff auf Produktion

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Die Pellex Bioenergie Aktiengesellschaft Hamburg: Dort soll Kathrin Wiedmer, geborene Leibold, Großaktionärin werden. Dafür will sie das Stammkapital ihrer Mitteldeutschen Pellet Vertrieb GmbH (MPV) in die Hamburger AG einbringen. Gleichzeitig mit dem Stammkapital bringt Wiedmer sogenannte Sacheinlagen in das Unternehmen ein – im Wert von fünf Millionen Euro. Das Entscheidende: Altaktionäre haben in diesem Fall nicht die Möglichkeit, ihren Anteil an der AG automatisch mit zu erhöhen.

Das bedeutet, dass Kathrin Wiedmer einen Großteil der Aktien der Pellex halten würde, sollte die Hauptversammlung der Pellex Bioenergie AG dem Anfang September zustimmen. Zuvor aber steht bei Pellex die Neuwahl des Aufsichtsrates auf der Tagesordnung. Vorgeschlagen ist unter anderem Kai Becker. Becker war Prokurist bei der insolventen German Pellets Logistics GmbH – ein Vertrauter Leibolds.

In der Einladung zur Hauptversammlung heißt es zudem, dass zusätzlich Aktien im Wert von elf Millionen Euro ausgeschüttet werden sollen. Die Begründung: „Letztendlich dienen die Mittel der hier zu beschließenden Barkapitalerhöhung zu wesentlichen Teilen der Übernahme von Pelletwerken mit einer Gesamtproduktionskapazität von mehr als 200 000 Jahrestonnen.“ Bei den Pelletwerken handelt es sich um die insolventen Werke in Oranienbaum, Osterfeld (Sachsen-Anhalt) und Löbau (Sachsen) – die sogenannten Woodox-Werke. Die gehörten offiziell nie zu German Pellets, wurden aber von einer der vielen Firmen, in denen Leibold Geschäftsführer war, gemanagt.

Leibold kontrollierte auf diese Weise dort die Produktion und den Vertrieb. Den wiederum hatte Ende vergangenen Jahres kurz vor der Insolvenz Tochter Kathrin Wiedmer mit der MPV übernommen, wie die „Wirtschaftswoche“ herausgefunden hatte. Jedes der drei Werke produziert nach Unternehmensangaben bis zu 75000 Tonnen pro Jahr.

Insolvenzverwalter der drei zum Verkauf stehenden Werke ist Lucas Flöther – der Mann, mit dem Leibold erfolglos die Insolvenz in Eigenverwaltung bei German Pellets beantragt hatte. Flöthers Mitarbeiter schweigen auf Nachfrage und verweisen auf das laufende Bieterverfahren.

In der Gläubigerversammlung der Woodox-Werke am Montag wurde einem Verkauf an die Pellex AG bereits zugestimmt. Das bestätigte der Geschäftsführer Carsten Schramm. Die Pellex AG befinde sich in der finalen vertraglichen Umsetzung hinsichtlich der Übernahme der drei Pelletwerke. Hauptgläubiger bei Woodox ist eine österreichische Bank. Sie muss die Grundschulden noch freigeben. Laut Schramm wird Kathrin Wiedmer dann bei Pellex für den Aufbau von Marken und Märkten zuständig sein. „Frau Wiedmer hat sich in den vergangenen Jahren ein profundes Vertriebs-Know-How angeeignet“, teilte Schramm mit. Heute sei nur derjenige auf dem Pelletmarkt gut aufgestellt, der über Produktionskapazitäten und einen schlagkräftigen Vertrieb verfüge.

„Die Insolvenz des bisherigen Marktführers (German Pellets, Anm. d. Red.) ist für Pellex eine besondere Chance, die wir nutzen werden“, ist die Ansage an die Konkurrenz. Ziel der Pellex AG:

Sie will die Jahresproduktion auf etwa 300000 Tonnen erhöhen und einen grenzüberschreitenden Vertrieb. „Wir möchten die Marktneuordnung aktiv mitgestalten.“ Unterschrieben aber ist der Vertrag noch nicht.

Mit Unterschrift aber wäre Kathrin Wiedmer Eigentümerin der Pelletwerke. Vater Peter Leibold bleibt noch im Hintergrund. Seine im April gegründete Firma US Wood Service GmbH, die in Stellenanzeigen mit einem internationalen Betätigungsfeld wirbt, gehört zur MPV von Kathrin Wiedmer. Beide wollten sich weder zur Beteiligung an der Pellex AG noch zu den Woodox-Werken äußern. Peter Leibold sucht unterdessen in Wismar neue Büroräume. Bevorzugtes Objekt – ein Speicher auf der Hafeninsel. Wer seinen Schreibtisch auf der Ostseite des Gebäudes hat, blickt ganz wunderbar und unverbaut auf das ehemalige Gelände von German Pellets.

Von der Insolvenz zurück auf den Markt

Dezember 2015: German Pellets-Chef Peter Leibold überträgt den Vertrieb der Woodox-Werke auf Tochter Kathrin Wiedmer mit der Mitteldeutschen Pellet Vertrieb GmbH (MPV).

Januar 2016: Die erste Firma im German Pellets-Geflecht stellt Insolvenzantrag.

Februar 2016: German Pellets kann Anleihen im Wert von gut 54 Millionen Euro nicht mehr bedienen und stellt Antrag auf Insolvenz; Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.

März 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock nimmt Ermittlungen gegen Peter Leibold auf – unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Betruges.

April 2016: Peter Leibold gründet die US Wood Service GmbH und sucht Mitarbeiter für den Standort Wismar; seine Firma gehört zu 100 Prozent der MPV.

August 2016: Die Pellex AG erhält den Zuschlag für die Woodox–Werke; die MPV soll Miteigentümer werden.

Nicole Buchmann

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