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Wismar Pellets will sich am Markt behaupten

Wismar Wismar Pellets will sich am Markt behaupten

Bald soll das Werk wieder profitabel sein / Land unterstützt Investor mit Kreditbürgschaft

Wismar. Der Holzbrennstoffhersteller Wismar Pellets will seine Position am Markt und vor allem Vertrauen zurückgewinnen. Erste Erfolge konnten die beiden Interimsmanager Michael Hessing und Thomas Kresser bereits verbuchen.

In einem Büro zu ebener Erde sitzt im rot-weißen Verwaltungsgebäude am Torney Anne Leibold, Frau von Peter H. Leibold des insolventen German Pellets-Imperiums, und arbeitet für die Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde. Auf der anderen Seite des Empfangs hat noch immer die German Horse Pellets GmbH ihre Büros. Eine Etage höher haben sich Hessing und Kresser einquartiert. Wenn sie denn überhaupt am Torney ausharren.

Die Männer sind viel unterwegs: in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, im westlichen Brandenburg, nördlichen Nordrhein-Westfalen. Kunden und Lieferanten des insolventen Vorgängers sind verunsichert.

Mit der Pleite von German Pellets haben allein die Anleger 270 Millionen Euro verloren. Von den Außenständen bei Firmen ganz zu schweigen.

An diesem Vormittag sitzen Kresser und Hessing im Besprechungsraum unterm Flachdach des Verwaltungsgebäudes an einem massiven, dunklen Holztisch mit Platz für zehn Personen. „Die Türen der Kunden und Lieferanten gehen langsam wieder auf“, sagt Hessing und wippt kurz auf seinem Stuhl. Ein Teil würde bereits wieder auf Vorkasse verzichten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern habe eine Kreditbürgschaft in Höhe von 4,8 Millionen Euro übernommen. Das Finanzministerium will das im Hinblick auf Firmeninterna gegenüber der OZ jedoch nicht bestätigen. „Wenn das Unternehmen Ihnen das so mitgeteilt hat, wird es stimmen“, sagte eine Sprecherin.

Hessing und Kresser arbeiten für Executive Interim Partners mit Sitz in München. Handys, Fahrräder, Energie, Schienenfahrzeuge, Pharmazeutika sind nur ein Bruchteil dessen, was die Männer in den vergangenen Jahren an Produkten am Markt platziert oder gehalten haben. Als sogenannte Interimsmanager sollen sie Wismar Pellets im Auftrag des amerikanischen Investors Metropolitan Equity Partners (MEP) wieder in die Gewinnzone bringen.

Ein wichtiger Schritt für mehr Handlungsfähigkeit: Wismar Pellets ist Ende Juni in das Eigentum der MEP übergegangen. Maschinen, Grundstück, Gebäude – all das gehört nun MEP. Und nicht wenig davon muss offenbar überholt werden. „Das Werk ist jahrelang auf Verschleiß gefahren worden“, sagt Thomas Kresser. Ob Matritzen, die für die stiftförmigen Pellets sorgen, oder das Heizwerk – rund eine Million Euro werden Kresser und Hessing bis Jahresende in den Standort gesteckt haben.

Wozu der Aufwand? „Am Ende geht es darum, das investierte Geld zurückzuerwirtschaften“, erklärt Hessing. Er meint die Millionen, die sich Peter Leibold vom amerikanischen Investor geborgt hat für das Pellet-Werk in Texas. Als Sicherheit stand Wismar zu Buche. Und Hessing meint auch die Millionen, die MEP jetzt investiert, um das Werk in Wismar wieder zum Laufen zu bringen.

Dass der deutsche Pellet-Markt überfüllt ist, schreckt dabei weder den einen noch den anderen. „Die Verkaufspreise sind im Moment niedriger als gewünscht“, räumt Hessing ein. Beide aber setzen auf den nahenden Herbst, wenn die Nachfrage steigt und die Lager sich leeren. Und: Dänen sollen hinzukommen zum Kundenstamm. „350 Kilometer im Umkreis von Wismar – das ist unser Vertriebsgebiet“, sagt Kresser. Sie hätten sich auf das Kerngeschäft konzentriert, alles andere abgeschnitten. Im Moment produziert Wismar Pellets auf einer Linie rund 200 Tonnen am Tag. Mit 50 Mitarbeitern im Werk und zwölf in der Verwaltung.

Hessing und Kresser haben sich eine Wohnung in der Altstadt gemietet. Männer-WG. Viel Zeit verbringen sie nicht in den vier Wänden. Businesspläne müssen angepasst, Lösungen für unvorhergesehene Probleme gefunden werden. Etwa für eine noch ausstehende Begrenzung der Umlage für erneuerbare Energien. Als stromintensives Unternehmen hatte German Pellets von dem 2014 in Kraft getretenen Gesetz profitiert. Diesen Vorteil auf das neue Unternehmen zu übertragen, sei nicht möglich gewesen. „Wir bekommen aber gute Unterstützung aus der Politik“, sagt Kresser. Ob die ausreicht, bleibt abzuwarten. Der Antrag auf Begrenzung jedenfalls ist gestellt. Nun muss die EU-Kommission entscheiden. Lehnt die ab, verdoppelten sich die Stromkosten, sagt Hessing. „Wir müssten noch mehr Pellets produzieren.“

Erst einmal wollen die beiden Männer irgendwann auch die zweite Linie wieder in Betrieb nehmen. 600 Tonnen Pellets pro Tag, gut 200 000 Tonnen pro Jahr – so viel kann das Werk dann wieder produzieren. Der Hof ist bereits leergeräumt für frisches Holz. „90 Tonnen Schrott haben wir entsorgt“, sagt Kresser. Potemkinsche Dörfer ließe sich der Investor aus den USA nicht vormachen, sagt Kresser dann. Die Leute von MEP kämen regelmäßig nach Wismar. „Soll - Ist - Werden“, nennt Hessing die selbst auferlegte Formel für die Zukunft.

Bis Ende des Jahres werden beide wohl in der Hansestadt bleiben. Vielleicht auch bis zum Ende der Heizperiode im Frühjahr 2017. Wismar Pellets soll schon im kommenden Jahr wieder profitabel sein. „In ein paar Jahren wollen die Investoren von MEP ihr Geld sehen.“

Nicole Buchmann

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