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Wismar Wismar: Jetzt gibt’s Hering satt
Mecklenburg Wismar Wismar: Jetzt gibt’s Hering satt
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17:54 17.03.2019
Anne-Kathrin Werth vom Hanseatischen Köcheclub Wismarbucht bringt frisch gefangenen Hering mit dem Fischkutter - Hunderte Schaulustige schauen zu. Quelle: Kerstin Schröder
Wismar

Der Duft von gebratenen Heringen zieht über den Wismarer Marktplatz. „Hm, da kriegt man gleich Hunger“, sagt Erich Badecke (71). Der Rentner aus Brandenburg ist extra für die Heringstage in die Hansestadt gekommen. Um frischen Fisch zu essen. Mit seiner Frau Ursula steht er geduldig in einer Warteschlange. Die ist ziemlich lang. Denn nicht nur die beiden wollen sich den Hering schmecken lassen, sondern Hunderte Menschen.

In Akkordarbeit werden Heringe gebraten

In Akkordarbeit werden die schlanken Fische deshalb von vielen fleißigen Helfern zuerst in gesalzenem Mehl gewälzt und dann in heißes Öl gelegt. Dort brutzelt das Silber des Meeres vor sich hin und wird schließlich goldbraun. „Es dauert etwa sieben Minuten, bis die Heringe fertig sind“, erklärt Dirk Höft. Der Rostocker ist Direktor des neuen MV Werften-Hotels in Wismar. Das hat noch gar nicht geöffnet, „aber bald“, betont Höft. Damit die Fische von beiden Seiten knusprig werden, dreht er sie im heißen Öl um. Beäugt wird er dabei von vielen Neugierigen. Und alle haben Hunger. An eine Pause ist deshalb erst einmal nicht zu denken. „Doch irgendwann klappt es, dass ich zwischendurch auch mal einen Hering naschen kann“, hofft er. Die Veranstaltung kenne der Hotelier schon von einem früheren Job in Gägelow. „Deshalb wollte ich hier unbedingt mitmachen“, erzählt Höft. Er ist einer von rund 30 Helfern, die auf dem Marktplatz die Heringe zubereiten, braten und verkaufen. Eine Portion kostet 2,50 Euro. Der Erlös – nach Abzug aller Kosten – kommt einem guten Zweck zugute.

Wismarer Heringstage eröffnet

Veranstaltung ist ein Besuchermagnet

Der Hanseatische Köcheclub Wismarbucht eröffnet mit den Heringstagen jedes Jahr die kulinarische Saison, um Gäste in die an der Aktion beteiligten Restaurants zu locken. „Der Aufwand lohnt sich“, sagt Chef-Organisatorin Anne-Kathrin Werth. Die Heringstage seien ein Besuchermagnet. Volle Busse, vor allem aus Berlin und Brandenburg, würden extra wegen des Fisches in die Hansestadt kommen. Mit einem Bus aus Dessau (Sachsen-Anhalt) hat Christa Gülzow am Sonnabend Wismar erreicht. Die 78-Jährige hat sich den Umzug vom Alten Hafen zum Marktplatz angeschaut. Frische Heringe sind mit dem Fischkutter gebracht und per Karren in die Innenstadt geschoben worden – von Landrätin Kerstin Weiss und Bürgermeister Thomas Beyer (beide SPD). Unterwegs haben sie Zutaten für ein Heringsgericht eingesammelt: Zitronen, Dill, Salz, eine Pfanne, ein Kochbuch und Kräuterlikör. Das Blasorchester Dorf Mecklenburg und die Wismarer Schützen haben den Tross begleitet. Christa Gülzow hat den Umzug bis zum Ende auf dem Marktplatz angeschaut und später Heringe mit Brot gekauft. „Sie schmecken sehr lecker“, lobt die Rentnerin. Die Wismarer Heringstage seien für sie eine Premiere und „eine tolle Veranstaltung“.

Viele nehmen Fische mit nach Hause

Damit viele Gäste von außerhalb den Hering in der Hansestadt probieren, rührt der Köcheclub jedes Jahr die Werbetrommel auf der Grünen Woche in Berlin. In diesem Jahr hat er dort das bisher beste Ergebnis gehabt. Alle Heringe sind verkauft worden. Der Stand musste schon Stunden früher schließen, weil kein Fisch mehr da war. In Wismar ist zeitweise auch kein Fisch mehr da – allerdings nur auf dem Verkaufstresen. Die Nachfrage ist so groß, dass die Köche nicht immer sofort Nachschub liefern können. Doch die Kunden sind geduldig. Und viele von ihnen haben was zum Einpacken dabei – Behälter, in die gleich mehrere Fische passen. Auch Lothar Holst aus Karow möchte das Essen mit nach Hause nehmen. Zwölf Heringe lässt er sich einpacken – für sich und seine Familie. „Ich bin jedes Jahr bei den Heringstagen. Früher haben wir hier auf dem Marktplatz gegessen, aber zuhause schmecken die Fische auch sehr gut“, lacht er.

Svenja Preuß, ebenfalls Mitglied im Köcheclub, verkauft mit ihrer Tochter Shirley (13) Heringe. Ihr Sohn Shawn (10) wickelt derweil Besteck in weiße Servietten. „Es ist toll, dass viele Besucher eigene Behälter mit dabei haben“, lobt Svenja Preuß. So würde Folie gespart und durch weniger Verpackungsmüll etwas für die Umwelt getan.

14 Restaurants bieten identische Gerichte an

Gut 5000 Heringe werden am Eröffnungstag verkauft. Gerald Frassek vom Köcheclub hat nach einer Stunde 110 Stück goldbraun gebraten. Er selbst isst den Fisch, der in Wismar gefeiert wird, auch sehr gerne – allerdings „am liebsten sauer eingelegt mit Gurkensalat und Stampfkartoffeln“, verrät er.

Die Eröffnungsfeier am Sonnabend ist nur der erste Teil der Heringstage. In den kommenden zwei Wochen bieten 14 Restaurants in Wismar und der Umgebung drei identische Heringsgerichte an: Zum einen als „Hering klassisch“ mit Bratkartoffeln und Salatgarnitur, dann als „Hering Seefahrer“ mit Wirsing-Rahm-Gemüse und Kartoffeln und als „Herings-Wrap“ mit Rösti und Knoblauch-Dip. Etwa 20 000 Fische werden in der Zeit verspeist. Die Zubereitung unterscheidet sich nur durch kleine Nuancen, denn jeder Koch hat seine eigene Handschrift. Im nächsten Jahr will auch das neue Werft-Hotel mitmachen. „Wir sind auf jeden Fall dabei, das ist eine tolle Aktion“, verspricht Hotel-Direktor Dirk Höft.

Diese Restaurants machen mit

Bereits zum 17. Mal finden auf Initiative des Hanseatischen Köcheclubs Wismarbucht die Wismarer Heringstage statt. Sie dauern von 16. bis 31. März. 14 Restaurants bieten in der Zeit drei identische Gerichte an. Mit dabei sind das Galerierestaurant „To’n Ossen“ im City Partner Hotel Alter Speicher, das Steigenberger Hotel „Stadt Hamburg“, das Restaurant & Hotel Wismar, das Brauhaus am Lohberg, das Phönix Hotel Seeblick, das Phönix Hotel Reuterhaus, das Gasthaus „To’n Zägenkrog“, Gottfried’s – das Fisch- und Steakrestaurant in Wismar, das Restaurant-Café Schwedenwache, das Wyndham Garden Wismar Hotel, die Restaurant Oase, Möllers Krug, das Hotel Schloss Gamehl und das Restaurant Kutterkaten. Mehr Informationen im Internet: www.heringstage-wismar.de.

Kerstin Schröder

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