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Wismar Wismar ist wieder Festspielstadt!
Mecklenburg Wismar Wismar ist wieder Festspielstadt!
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00:00 13.07.2018
13 Vorstellungen gibt es vom „Drachen“ bis zum 28. Juli in St. Georgen. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz (5), Privat
Wismar

Höchst politisch und sehr aktuell hat „Der Drache“ nach den ersten Vorstellungen seine Gäste begeistert. Noch bis zum 28. Juli ist das Stück von Jewgeni Schwarz (1896 – 1958) in der Wismarer St.-Georgen-Kirche zu sehen. Mit der Neuinszenierung haben auch einige neue und altbekannte Gesichter den Weg wieder zu den Wismarer Klassikertagen und den Festspielen in St. Georgen gefunden. Im Stück aus dem Jahr 1943 geht es um einen Drachen, der eine Stadt seit 400 Jahren unterdrückt. Gegenwehr gibt es nicht mehr, trotz der armmachenden Abgaben und der jährlich zu opfernden Jungfrau. Die Menschen sind glücklich, auch weil die Drachenpropaganda das so vorgibt. Bis der Held, Lanzelot, den Drachen herausfordert.

„Der Drache“ in St. Georgen lockt mit viel Humor und starken Bildern

Die OZ stellt einige Protaginisten vor.

Alexander Höchst spielt den Drachen in seiner menschlichen Form. Serienfans könnten ihn durch seine Rolle als Dr. Marius Berg in der ARD-Serie Familie Dr. Kleist kennen. Beim „Jedermann“ in Wismar spielt er seit fünf Jahren den Glauben und den Schuldknecht.

Höchst: „Das Stück behandelt auf eine fantastische, humorvolle, leichte Art und Weise menschliche Schwächen wie Bequemlichkeit, Opportunismus, Egoismen, Machtstreben, aber auch Wolllüstigkeit. Der Drache ist ein gewiefter, mit allen Wassern gewaschener Manipulator, vergleichbar mit so manch einem Politiker oder Wirtschaftsboss von heute, welche ihre Untergebenen nach ihrem Dünken zu beeinflussen suchen, um ihre persönlichen Ziele erreichen zu können. Die Figur des Drachen ist ein Festessen für jeden Schauspieler! Mich reizt die Schamlosigkeit des Drachen, mit der er versucht, seine Interessen durchzusetzen. Dabei aber eigentlich ein armes Würstchen ist, das nur mit Hilfe seines grausamen Zynismus so viele Jahrhunderte überleben konnte.“

Sascha Gluth spielt den Bürgermeister der Stadt, die der Drache beherrscht. Er ist Vorstandsmitglied im Trägerverein der Klassikertage und künstlerischer Leiter. Elf Jahre lang spielte er den Störtebeker auf Rügen, stand und steht in Wismar als Jedermann und als Faust auf der Bühne und hat seit 2016 zusammen mit seiner Frau Julia Horvath sein „Theater am Wandlitzsee“.

Gluth: „Nach dem dramatischen Faust spiele ich wieder was lustiges und leicht schizophrenes, was mir sehr entgegenkommt. Der Bürgermeister entscheidet wie ein Diktator über Leben und Tod und gibt dabei vor, geisteskrank zu sein! Was beim Drachen so leicht und harmlos daherkommt, hat so einen ungeheuer aktuellen politischen Bezug. Seit der Entstehungszeit des Stücks hat sich nicht viel verändert, ob das nun die Schreie nach dem neuen starken Mann sind oder die nach dem Geld, dem man sich unterwirft. Ich meine, wir hatten ein halbes Jahr lang keine Bundesregierung und es ging weiter wie vorher. Der Apparat funktioniert, jeder ist austauschbar.“

Vlad Chiriac spielt den Heinrich .als Sohn des Bürgermeisters und Sekretär des Drachen. Er gehört zu den neuen Gesichtern der Klassikertage. Geboren in Bukarest und aufgewachsen bei Stuttgart bezeichnet sich der Schauspieler selbst als „Romano-Schwabe“ und spielt damit gerne den leicht trotteligen Kleinkriminellen oder Schwaben. Chiriac: „Ich bin eigentlich ein körperbetonter, emotionaler und impulsiver Spieler. Beim Heinrich ist allerdings die Kälte und das Zurücknehmen im Spiel gefragt.“

Robert Glatzeder spielt den Lanzelot, im Jedermann den Teufel und den guten Gesell. Der Schauspieler wird durch seine markante Stimme gerne als Synchronsprecher gebucht.“Das Stück war schon in meiner Kindheit ein Thema, da es zu dieser Zeit eine aufsehenerregende Inszenierung hier in Berlin gab. Einen heldenhaften Drachentöter zu spielen ist eine schöne Aufgabe. Die Übersetzung menschlicher Unzulänglichkeiten in eine märchenhafte Welt finde ich großartig. Es fordert die Phantasie aller Beteiligten von Kostüm über Bühnenbild bis zur Schauspielerei und kennt im Grunde keine Grenzen. Mein Anliegen ist es, keinen eindimensionalen Helden darzustellen.“

Friederike-Maria Nölting spielt die Elsa, die dem Drachen geopfert wird. Die gebürtige Rostockerin gehört zu den neuen Gesichtern der Klassikertage. „Elsa ist anfänglich sehr gehorsam und tugendhaft, sie fügt sich dem, was von ihr erwartet wird. Im Laufe des Stücks fängt sie an, selbstständig zu denken und Entscheidungen zu treffen. Irgendwann begreift sie, dass sie es immer allen Recht gemacht hat, aber nicht an sich selbst gedacht hat. Sie emanzipiert sich. Für mich war es eine Herausforderung, die ruhige, sittsame Elsa zu spielen. Mir war schon nach dem ersten Lesen klar, dass ich diese Rolle nicht spielen möchte, wenn sie in dem untergeordneten Status geblieben wäre und ich diese Frauenrolle repräsentiere. Dem Regisseur und mir war es wichtig zu zeigen, wie sie sich emanzipiert. So finde ich es wunderbar, sie spielen zu dürfen. Ich kenne diesen ,Weg der Elsa' persönlich sehr gut und denke, dass fast jeder Zuschauer sich mit Elsa und ihrem „Sich-für-sich-selber-stark-machen' identifizieren kann. Zumindest wünsche ich es jedem.“

Holger Mahlich ist der Regisseur des „Drachen“, er hat für St. Georgen schon den Jedermann und Goethes Faust inszeniert. Er arbeitet als Regisseur, Schauspieler sowie Hörspiel- und Synchronsprecher. Zehn Jahre lang war er unter anderem Autor und Regisseur der Störtebeker-Festspiele auf Rügen, 1998 inszenierte er in Hamburg den „Drachen“ schon einmal.

Bei seinem Wismarer Drachen legt er ein Augenmerk auf die Bürger der Stadt, die sich freiwillig unterdrücken lassen. Mahlich: „Ist Anpassung zwingend? Überfordert uns Eigenverantwortung? Wie schnell ist man gern wieder Untertan? Braucht Unfreiheit den großen Diktator? Die Liste der ,neuen Drachen’ wird länger und es sind in unserer Zeit nicht nur Staatsführer.“

Karten

Bis zum 28. Juli sind 13 Vorstellungen geplant. Gespielt wird donnerstags, freitags und samstags um 19.30 Uhr.

Karten: oz-tickets.de oder 0381/38303017.

Das Stück „Der Drache“ wurde 1943 von dem russischen Autor Jewgeni Lwowitsch Schwarz geschrieben,unter Stalin verboten und 1961 uraufgeführt.

Vom 2. bis zum 11. August ist im Rahmen der Klassikertage Wismar das Stück „Jedermann“ zu sehen, das inzwischen in der fünften Saison aufgeführt wird.

Nicole Hollatz

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