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Wismar Wismar und Lübeck seit 1987 Partner
Mecklenburg Wismar Wismar und Lübeck seit 1987 Partner
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00:01 28.10.2017
Für die Unterzeichnung der Urkunden war eine außerordentliche Stadtverordnetenversammlung im Wismarer Rathaus einberufen worden.
Wismar

Ein besonderer Tag für Wismar und Lübeck: Am 28. Oktober 1987 wurde die Partnerschaft der beiden hanseatischen Schwesterstädte im Bürgerschaftssaal des Rathauses in Wismar besiegelt. Wismars Oberbürgermeister Günter Lunow und Lübecks Bürgermeister Robert Knüppel unterzeichneten die Urkunden. Schon zwei Tage zuvor war eine Delegation aus Lübeck unter Leitung von Knüppel (CDU) angereist. Mit ihm kamen die Senatoren Egon Hilpert (SPD), Heinz Lund, Gerd Rischau und Johannes Wendelborn (alle CDU). Sie absolvierten ein umfangreiches Besichtigungsprogramm, bei dem ihnen die Stadt vorgestellt wurde.

Die schleswig-holsteinische Stadt wollte erst mit Rostock „anbändeln“, doch DDR-Obere legten Veto ein

1986 gab es erste deutsch-deutsche Partner

Begonnen hatten die Städtepartnerschaften zwischen der DDR und der BRD Ende 1985, als Oskar Lafontaine, Ministerpräsident des Saarlandes, bei Erich Honnecker zu Besuch war und eine Partnerschaft zwischen Eisenhüttenstadt und Saarlouis angebahnt hatte. Diese wurde am 25. April 1986 besiegelt und weckte große Hoffnungen in der DDR, meinten doch viele, dass es dadurch zu wechselseitigen Begegnungen kommen könnte und der Besuch unproblematischer werden würde. Eine der weiteren Partnerschaften ging von Wuppertal aus. Die nordrhein-westfälische Stadt wollte 1987 enger mit Schwerin zusammenarbeiten wollten. Am 18. August 1987 wurde im Rostocker Rathaus die Rahmenvereinbarung über die Städtepartnerschaft mit Bremen unterzeichnet. Doch so schnell wollten die alten Funktionäre die Zusammenarbeit nicht, und auch die Staatssicherheit warnte vor einer Aushöhlung der DDR durch vermehrte Austausche.

Bereits Mitte 1986 bekundeten 300 westdeutsche Städte und Gemeinden Interesse an einer solchen Verbindung, ein Jahr später waren es fast 500. Im März 1989 existierten 38

deutsch-deutsche Städtepartnerschaften. Das Zentralkomitee der SED und der Ministerrat der DDR hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 19 weitere genehmigt. Von westdeutschen Städten und Gemeinden lagen rund 800 Anträge für die Aufnahme einer Partnerschaft mit einem ostdeutschen Ort vor. Bis 1989 wurden insgesamt 62 Städtepartnerschaften beurkundet. Honecker selbst genehmigte diese oder lehnte sie ab, wie bei Kreisen und der Hauptstadt Berlin. Denn die DDR versuchte, Städtepartnerschaften zentral zu organisieren und politisch zu benutzen. Bis zum Ende der DDR ließ die SED nur ausgewählte „Reisekader“ zu städtepartnerschaftlichen Westreisen zu und machte nur wenig Werbung für gemeinsame Veranstaltungen. Für die Verhandlungsführer aus Ost wie West ergaben sich schwierige Verhandlungen und man meinte, dass dies schon ein „diplomatischer Akt auf der unteren Ebene des kleinen Mannes“ sei.

Wismarer Delegation hatte keinen Lübecker Stadtplan

Nicht anders war es in Wismar, doch hier lief es etwas anders ab, denn der Vorschlag mit Lübeck eine Partnerschaft einzugehen, ging von Wismar aus. Natürlich auf Weisung von „oben“, denn das ging nun wirklich nicht, dass sich eine DDR-Stadt aussuchen konnte, mit welcher Stadt in der Bundesrepublik sie zusammenarbeiten wollte. Die Lübecker wollten zunächst mit Rostock eine Partnerschaft einzugehen. Doch daraus wurde nichts, weil die DDR-Führung ihr Veto einlegte. Die Partnerschaft zwischen den Hansestädten Lübeck und Wismar begann mit einem Antrag Wismars an Lübeck.

Dazu fuhr am 6. September 1987 eine Wismarer Delegation mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister Wolfram Flemming und vier Abgeordneten von SED, CDU, NDPD und FDGB nach Lübeck. Das Kuriosum dabei war, dass sie keinen Stadtplan von Lübeck hatten. Dieser wurde ihnen von Rentnern zur Verfügung gestellt, die nach Lübeck reisten. Die Wismarer blieben bis 8. September in Lübeck. Nach hartnäckigen Verhandlungen hatten beide Seiten die Vertragsbedingungen abgesteckt. Am 12. September 1987 bestätigte die Wismarer Stadtverordnetenversammlung die Verhandlungsergebnisse, und es wurde eine außerordentliche Versammlung zum 28. Oktober einberufen, bei der Lunow und Knüppel die Partnerschaft perfekt machten.

Stasi fing Briefe von Lübeckern ab

Groß waren nun die Erwartungen der Einwohner in Wismar und Lübeck. Das wurde unter anderem deutlich aus den von der Stasi abgefangenen Briefen, wie dem Schreiben des Deutschen Alpenvereins (Sektion Lübeck), der Kontakte zu Jugendlichen in Wismar aufnehmen wollte. Oder dem Brief des Passat-Chores aus Lübeck, der die Bitte um eine Auftrittsmöglichkeit in Wismar enthält. Der Lübecker Rassegeflügelzüchter-Verein wollte eine Partnerschaft mit der Rassetaubenzuchtsparte „Seeblick“ in Wismar eingehen. Und die Anonymen Alkoholiker aus Lübeck wollten Kontaktpersonen kennenlernen.

Viele der deutsch-deutschen Städtepartnerschaften haben heute ihren ursprünglichen Sinn verloren. Sie sollten innerdeutsche Grenzen überwinden helfen und für Begegnungen sorgen. Die Grenze ist weg, und vielerorts sind internationale Beziehungen wichtiger geworden. Doch in Wismar wird die Partnerschaft auch aufgrund der gemeinsamen nahezu 800-jährigen Geschichte sehr wohl gepflegt.

Weitere Partnerschaften hat Wismar seit 1959 mit Kemi (Finnland), seit 1961 mit Aalborg (Dänemark), seit 1966 mit Calais (Frankreich) und seit 2002 mit Kalmar (Schweden).

Was sonst noch geschah

30. Oktober 1902: Ein hölzerner Schwedenkopf wurde durch den finnischen Segler „Alfa“ zerstört. Die Schwedenköpfe sind im April 1903 durch zwei gusseiserne Köpfe aus der Eisengießerei Crull ersetzt worden. Die beiden Schwedenköpfe sind 1803 in der Hafeneinfahrt aufgestellt und befanden sich als Schmuck auf dem ehemaligen schwedischen Kriegsschiff „Hercules“, das 1651 in Wismar vom Stapel lief und 1689 grundlegend umgebaut wurde, wobei die Köpfe entfernt wurden und in Wismar eingelagert worden sind.

31. Oktober 1375: Kaiser Karl IV. besucht Wismar. Zuvor war er in Lübeck.

1. November 1881: Die Benennung der Bahnhofstraße erfolgt.

2. November 1991: Der erster Tag der offenen Tür in der sowjetischen Garnison nach 46 Jahren findet statt.

Detlef Schmidt

Am 31. Oktober beginnt um 10.15 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche zu Schönberg ein Festgottesdienst

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