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Wismar Wismar will Stadtbusse ins Umland schicken
Mecklenburg Wismar Wismar will Stadtbusse ins Umland schicken
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00:00 17.01.2018
Zum Wismarer Busbahnhof fahren viele Busse – auch von Grevesmühlen aus. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt, Michael Prochnow, Heiko Hoffmann
Wismar

will künftig verstärkt auf Busse setzen, um Autos aus dem stark belasteten Stadtverkehr zu bekommen. Dafür sollen einige Stadtlinien größere Runden drehen und auch Umlandgemeinden anfahren. Das berichtet Wismars stellvertretender Bürgermeister Michael Berkhahn (CDU). Die Gespräche mit dem Landkreis, dem Nahbus und anderen Bürgermeistern seien bereits aufgenommen worden.

Stadt und Kreis wollen Routen verlängern / Neue Fahrpreise ab Februar

Als nächstes wird nun eine Studie in Auftrag gegeben. Sie soll voraussichtlich bis Mai Vorschläge liefern, welche Routen das größte Potenzial haben. Die Stadt, die sich mit dem Kreis die Kosten der Studie teilt, erhoffe sich mit einem neuen Linienplan vor allem eine attraktive Alternative für Pendler. „Für Menschen, die zum Arbeiten in die Stadt kommen, hier zum Arzt müssen oder einkaufen wollen“, sagt Berkhahn. Die städtischen Bustouren könnten unter anderem nach Dorf Mecklenburg, Lübow und Metelsdorf erweitert werden oder zur Insel Poel. Auch die Wismarer sollen profitieren: Denn mit neuen Linien und Linienzeiten soll ebenfalls erreicht werden, „dass man aus allen Stadtteilen innerhalb von 25 Minuten den Marktplatz beziehungsweise den Zentralen Omnibusbahnhof erreicht“, erklärt Berkhahn.

Auslöser der Überlegungen ist das im vergangenen Jahr erstellte Verkehrskonzept, das zu dem Ergebnis kommt: Wismars Straßen sind überlastet – vor allem die Knotenpunkte wie zum Beispiel die Zufahrt zum Werftgelände oder der Burgwall. Und da mit den neuen Plänen der Werft (sie will ab Frühjahr riesige Kreuzfahrtschiffe bauen) noch mehr Zulieferer- und Pendlerverkehr erwartet wird, soll vor allem für den Individualverkehr eine Möglichkeit geschaffen werden, auf anderem Weg in die Stadt zu kommen als mit dem Auto. Das ist natürlich jetzt schon möglich, aber besonders attraktiv sind die meisten Angebote nicht: Weil die Linien nicht so oft fahren oder in Umlandgemeinden Anrufbusse geordert werden müssen. „Mit so einem Angebot kann man nicht viele Leute dazu bewegen, in den Bus zu steigen, das müssen wir ändern“, betont Berkhahn. Ziel sei es, die Überland-Stadt-Busse verstärkt morgens und abends fahren zu lassen. Aber auch tagsüber sollen sie ihre Runden drehen.

So richtig ins Rollen kommt beim öffentlichen Personennahverkehr in Nordwestmecklenburg bislang nur die Buchhaltung. Rund 4,5 Millionen Euro muss der Kreis pro Jahr als Gesellschafter des kommunalen Unternehmens Nahbus in den Betrieb pumpen – zwei Millionen mehr als vor der Umstellung zum 1. Januar 2016. Damals war der gesamte Linienverkehr umgekrempelt worden, neben dem Einheitspreis von vier Euro für sämtliche Linien wurden Anrufbusse eingesetzt, die für einen Euro pro Fahrt in den ländlichen Regionen dafür sorgen sollen, dass die Fahrgäste zu den Hauptlinien gebracht werden.

Nun geht Nahbus neue Wege, der Kreistag hat den neuen Zonentarif (siehe Kasten) beschlossen, der ab dem 1. Februar gilt. Ziel sei es gewesen, so Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau, die Fahrpreise fairer zu gestalten. Deshalb gibt es fünf Zonentarife. Zwischen zwei und fünf Euro kostet eine Einzelfahrkarte. Wie hoch die Kosten für den jeweiligen Fahrschein sind, das kann der Fahrgast auf mehreren Wegen erfahren. „An jeder Bushaltestelle hängen die Karten mit den Zonen, eine App wird am 22. Januar freigeschaltet, mit der man den Preis sofort berechnen kann, und der Busfahrer ist auch noch da“, erklärt Jörg Lettau weiter.

Neu ist ebenfalls: Ab dem 1. Februar gelten die Schülertickets auch außerhalb der Schulzeiten und an den Wochenenden. Wer kein Schülerticket besitzt, da er nicht mit dem Bus zur Schule fährt, der kann für 120 Euro ein ermäßigtes Jahresticket kaufen und für zehn Euro im Monat überall hinfahren.

Einen Zuwachs erhofft sich das Unternehmen bei den Zeitkarten. Hier gab es in den vergangenen Monaten bereits eine deutliche Steigerung der Nutzerzahlen. Das Modell Anrufbus bleibt bestehen. Für einen Euro pro Fahrt werden die Anrufer auch weiterhin zu den Hauptlinien gebracht.

Der ÖPNV in Zahlen

5 Euro kostet beispielsweise eine Fahrt von Wismar nach Boltenhagen. Hin und zurück beträgt der Fahrpreis 9,60 Euro. Von Grevesmühlen nach Schwerin kostete bisher der Fahrschein vier Euro, ab dem 1. Februar sind es sechs Euro. Das billigste Ticket (ohne Ermäßigung) kostet zwei Euro, der teuerste Einzelfahrschein schlägt mit sechs Euro zu Buche. Ergo: Kurzstrecken werden billiger.

120 Euro kostet ein Jahresabo für Jugendliche. Damit können sie außerhalb der Schulzeiten alle Linien innerhalb des Landkreises nutzen.

100 Busse fahren für Nahbus, dazu kommen etwa 70 weitere Fahrzeuge von Subunternehmern. Etwa 230 Busfahrer sorgen dafür, dass jeden Tag alle Linien bedient werden.

18,50 Euro kostet eine Monatskarte für die Kreisstadt Wismar, mit diesem Ticket kann der Inhaber alle Linien im Stadtgebiet nutzen.

80 Euro kostet das Monatsticket „Regional“ für Abo-Kunden. Damit sind alle Fahrten bis zu 50 Kilometer für einen Monat abgegolten. Für 85 Euro sind die Linien über 50 Kilometer enthalten.

Kombiticket Mit Schwerin hat der Landkreis beziehungsweise Nahbus eine Vereinbarung getroffen. So können die Nahbus-Kunden auch Fahrscheine erwerben, die für die Landeshauptstadt gelten.

Auch in Richtung Ratzeburg gibt es inzwischen Kooperationen. Die hätte Nahbus auch gern mit der Hansestadt Lübeck. „Wir sind auf einem guten Weg“, betont Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau in Sachen Lübeck. „Aber zurzeit ist es so, dass unsere Fahrgäste sich in Lübeck ein neues Ticket besorgen müssen. Ich hoffe, dass sich das sehr bald ändert.“

Kerstin Schröder und Michael Prochnow

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