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Wismar Wismarer Jung fand seine Liebe im Erzgebirge
Mecklenburg Wismar Wismarer Jung fand seine Liebe im Erzgebirge
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00:05 14.06.2017
Seltenes Ehejubiläum: Margot und Günther Krüger aus Wismar begehen heute die eiserne Hochzeit. Quelle: Foto: Haike Werfel

Jung gefreit, hat nie gereut. Diese Volksweisheit trifft auch für Margot und Günther Krüger zu. Sie begehen heute ihren 65. Hochzeitstag. Am Sonnabend wollen sie mit ihrer Familie das Fest der eisernen Hochzeit feiern.

Der gebürtige Wismarer hat seine Frau in ihrer erzgebirgischen Heimat kennengelernt. „Beim Tanzen, das ist dafür ja auch die schönste Möglichkeit“, sagt Margot Krüger. Sie war gerade 17 Jahre jung, er 18. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, verrät ihr Ehemann, der sich noch genau an die Situation erinnern kann.

„Ich arbeitete im Hafen und war zum Bergbau verpflichtet worden.“ Sonnabends ging er mit den Kollegen zum Tanz in dem kleinen Dorf, in dem die jungen Männer untergebracht waren. In der großen Gaststätte mit Saal spielte eine Kapelle. „Die Mädchen saßen an einem großen Tisch. Ich bin sofort losgestürzt, als die Musik begann. Wir waren vier Kumpel, die später dort geheiratet haben.“ Bis dahin vergingen noch fast drei Jahre. Am 14. Juni 1952 führte Günther Krüger im Frack und mit Zylinder seine Margot ganz in Weiß vor den Traualtar.

1956 zog das junge Paar nach Wismar. „Mit Brikett und Holz im Anhänger“, erzählt Margot Krüger und lacht. „Ja, so war das damals.“ Nach sieben Jahren im Uran-Bergwerk, Dreischichtsystem unter Tage, hatte Günther Krüger genug. „Wir hatten auch was von Gesundheitsgefährdung gehört“, sagen die Eheleute. Im Lenensruher Weg in Wismar bekam die junge Familie – Sohn Heinz war geboren – eine schöne Wohnung. „Bis 2001 haben wir hier gelebt.“ Günther Krüger hatte wieder im Seehafen angefangen. Als das Geld knapp wurde, wurde er Dachdecker. In diesem Beruf war er fast 40 Jahre tätig. Nach einem schweren Unfall wechselte er erneut und arbeitete bis zur Rente als Klempner.

Ehefrau Margot, die noch eine Tochter zur Welt brachte, fing in der Buchhaltung der Fleischwirtschaft am Philosophenweg an, als der Sohn zur Schule kam. Hier war sie bis zur Wende angestellt.

„Ich habe die Ortsgruppe der Volkssolidarität in Wismar-Süd geführt“, erzählt die heute 85-Jährige. Mit ihrem Mann nahm sie an Ausflügen teil, die sie auch ins Ausland führten. „Privat haben wir auch schöne Reisen gemacht“, blicken die Eheleute zurück. Oft waren sie in Norwegen, weil Günther Krüger gerne angelte. Auch die anderen skandinavischen Länder haben sie kennengelernt sowie einen Urlaub in Kanada verbracht.

Ihre beiden Kinder schenkten den Eltern fünf Enkel, auch zwei Urenkel hat das Paar. Im Jahr 2001 zog es ins Dachgeschoss des sanierten Gutshauses am Viereggenhof. „Von unserer Dachterrasse schauten wir auf den Lenensruher Teich“, erzählt Margot Krüger begeistert.

Als die gesundheitlichen Probleme ihres Mannes zunahmen, zogen die Eheleute abermals um: in eine schöne Erdgeschosswohnung im Schillering. Auch hier kümmert sich Günther Krüger, der immer einen Garten bestellt hat, um die Blumen auf der Terrasse. „Er muss immer etwas zu tun haben“, sagt seine Frau und schaut ihren Mann liebevoll an. Seit dem schweren Unfall stickt der heute 86-Jährige im Kreuzstich Tischdecken und Bilder. Seine Frau klöppelt und geht dazu auch in einen Kurs in der Fritz-Reuter-Schule. Gerne lösen sie die Kreuzworträtsel in der OZ.

„Man muss ein Ziel haben und zusammenhalten“, nennt Margot Krüger das Rezept ihrer langen Ehe. „Es gibt gute und schlechte Zeiten“, ergänzt ihr Mann. „Gemeinsam muss man sich durchboxen.“ Nur so haben sie den frühen Tod ihrer Tochter ertragen und die Kraft aufbringen können, deren Kinder, damals acht und sieben Jahre, großzuziehen.

Haike Werfel

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