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Wismar Tausendfache Grüße aus Wismar
Mecklenburg Wismar Tausendfache Grüße aus Wismar
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17:57 05.12.2018
Maria Ulonska hat gut 1000 Wismarpostkarten in ihrer Sammlung. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

Beim Blick in die dicken Alben von Maria Ulonska wird Zeit zu einem relativen Begriff. So viele schöne Motive, in denen es so viel zu entdecken gibt.

Die 54-Jährige sammelt Wismarer Ansichtskarten. Seit 2005 ist sie im Sammelfieber, sie hatte im Nachlass ihrer Mutter drei Wismarer Ansichtskarten aus der DDR-Zeit gefunden. „Das ist doch ein schönes Hobby“, sagte sie damals und sagt sie immer noch. Und wer ihre Schätze sieht, gibt ihr recht!

Viel über Ebay ersteigert

Über die Internet-Auktionsplattform Ebay und manch einen persönlichen Kontakt kamen über die Jahre gut 1000 Postkarten zusammen. Alle gut sortiert in Ordnern – der Alte Schwede aus den verschiedenen Zeiten mit den verschiedenen Werbungen an der Fassade, mal mit Menschen davor, mal nur die Fassade, mal von vorne, mal von der Seite. „Man macht eine Zeitreise beim Betrachten der Ansichtskarten, man findet so viele Details“, schwärmt Maria Ulonska.

Ihre ältesten Exemplare sind aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Mit Glück kann man die Postkarten anhand des Poststempels datieren. „Das sind die interessantesten, die, die gelaufen sind“, dreht sie solch eine Postkarte um und liest die feine Handschrift vor. Ihr Vater hilft ihr regelmäßig, die Texte, die oft noch in Sütterlin geschrieben sind, zu entziffern.

Wismargeschichte im Postkartenformat

Ein spannendes Eintauchen in die Wismarer Geschichte mit Gebäuden, die es so längst nicht mehr gibt, und bekannten Straßenzügen, aber auch in den Privatbereich der Menschen, die vor über 100 Jahren die Karten geschrieben und verschickt haben. Vielleicht an die Liebste? Oder an den Pfarrer in München. Am 10.7.1898 schreibt jemand – der Name ist leider kaum zu entziffern – in kleinsten Buchstaben auf die Vorderseite einer Postkarte mit dem Alten Schweden als Motiv: „Gewiss hast du schon lange auf eine Nachricht von mir gewartet, doch wir geplagten Lehrlinge der Landwirtschaft können derzeit kaum ans Schreiben denken.“

Maria Ulonska lächelt: „Die Menschen haben früher mehr geschrieben, das hat sich verändert.“ Sie verschickt selbst immer noch Urlaubspostkarten, aber die Postkarte als kleiner Gruß zwischendurch mit den Neuigkeiten aus dem Leben? „Das schreibt man heute als Mail oder über WhatsApp!“

Ob in 100 Jahren noch jemand diese digitale Korrespondenz liest, so wie die Ansichtskarten gelesen werden und mit Motiv und Nachricht zum Gegenstand der Geschichtsforschung werden? Sicher nicht.

Starke Sammlergemeinschaft

„Ich bin ja nicht die Einzige, die in Wismar Postkarten sammelt“, erzählt Maria Ulonska von der starken Sammlergemeinschaft und anderen Sammlern. Man tauscht sich aus, tauscht doppelte Postkarten und das Wissen dahinter. Und: „Wir arbeiten zusammen am Wismarer Wochenkalender“, wirbt Maria Ulonska. Sie begleitet den Kalender seit zehn Jahren mit eigenen Fotos und natürlich Ansichtskarten. Und mit dem Wissen „hinter“ den Motiven. „Das Stadtarchiv ist mir und uns dabei eine große Hilfe, Martina Pyl hat immer schnell Antworten auf meine Fragen“, dankt die Sammlerin. Sie engagiert sich im Archivverein, hat ihre wertvollen Schätze für die Reproduktionen zur Verfügung gestellt. Die nachgedruckten Ansichtskarten helfen nun durch ihren Verkauf, die Schätze im Stadtarchiv zu erhalten.

Starkes Ehrenamt

Viel Ehrenamt und Enthusiasmus, auch wenn Maria Ulonska sagt, sie hat zu wenig Zeit für das Hobby. „Ich würde gerne ein Buch machen mit kolorierten Ansichtskarten“, erzählt sie und lacht. „Vielleicht, wenn ich in Rente bin!“

Denn darum geht es vielen, sie wollen ihre Postkarten zeigen. „Die Sammler, die ich kenne, sammeln nicht für das stille Kämmerlein, sondern für die Öffentlichkeit und interessierte Wismarer. Wer zum Beispiel den Wismarer Wochenkalender kennt, sammelt auch den über die Jahre und freut sich auf den neuen!“ Den gibt es übrigens in der Buchhandlung Peplau.

Starke Zufallsfunde

Mittlerweile wächst ihre Sammlung weit langsamer. „Man kann nie alles haben“, beschreibt Maria Ulonska das Problem bei einer so großen Sammlung. Sie hat viel, etwas Neues dazuzubekommen wird immer schwieriger. Oft sind es dann die ganz seltenen Ansichtskarten, die entsprechend hochpreisig gehandelt werden. Ein schöner aktueller Zufallsfund war die Karte vom heutigen New Orleans am Hafen, damals noch der „Internationale Club der Seeleute“. Auf der Rückseite ist mit der Schreibmaschine ein plattdeutsches Gedicht von einem „H.W.“, Wismar im Dezember 1957, geschrieben. Das Gedicht und die Karte sind auch im neuen Wismarer Wochenkalender. Die Auflösung des „H.W.“ hat Maria Ulonska für die Leser der Ostsee-Zeitung. „Das war der Vater von Hans Wulf“, lüftet sie das Geheimnis. „Sein Vater hat gerne gedichtet und solche Karten geschrieben und verschickt.“

Nur ein kleiner, aber spannender Einblick in die Sammelleidenschaft von Maria Ulonska. Sie hat gut 1000 Ansichtskarten aus Wismar gesammelt und sammelt weiter. Ihre Schätze zeigt sie gerne.

Nicole Hollatz

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